SZ + Zittau
Merken

Trauer um prominente Mitbürger

Mario Kahl, Winfried Krause oder Dietrich Schulte - auch 2019 haben sich wieder eine Reihe bekannter Personen für immer verabschiedet.

Von Jan Lange
 7 Min.
Teilen
Folgen
Mario Kahl (rechts) begeisterte über Jahre mit den Oybiner Ritterspielen die Zuschauer und war auch über Sachsens Grenzen hinaus bekannt.
Mario Kahl (rechts) begeisterte über Jahre mit den Oybiner Ritterspielen die Zuschauer und war auch über Sachsens Grenzen hinaus bekannt. ©  Archivfoto: Rafael Sampedro

Januar

Im Januar mussten die Seifhennersdorfer von Radsportlegende Christian Metzke Abschied nehmen. Mit 78 Jahren ist er am 29. Januar nach längerer Krankheit gestorben. Er war 16, als er die Leitung der Sektion Radrennsport übernahm. Unter seiner Führung wurden viele erfolgreiche Radsportler geformt, die DDR- und Deutscher Meister wurden, die Vize-Weltmeistertitel und eine Silbermedaille bei den Olympischen Spielen holten. Seifhennersdorf war damals ein viel beachtetes Trainingszentrum. Christian Metzke organisierte auch zahlreiche Großveranstaltungen im Raum Seifhennersdorf.

Februar

Bekannt war Winfried Pilz als Autor zahlreicher geistlicher Lieder wie zum Beispiel „Laudato si, o mi Signore“. Zuletzt lebte er in Leutersdorf. Er war damit zu seinen Anfängen zurückgekehrt. In Varnsdorf 1940 geboren, musste er nach dem Ende des Krieges seine Heimat verlassen. Pilz wurde 1966 zum katholischen Priester geweiht, wirkte als Pfarrer und stand später dem Kindermissionswerk „Die Sternensinger“ vor. 2012 kam er zurück in die alte Heimat, kümmerte sich noch um die Franziskus-Kirche in Studanka. Mit 78 Jahren starb er am 23. Februar.

März

Am 5. März verlor die Oberlausitz mit Mario Kahl einen engagierten Macher. Er hob in den 90er Jahren die Oybiner Ritterspiele aus der Taufe, war Mitbegründer des Awego-Stuntteams und als Stuntman viele Jahre bei den Störtebeker-Festspielen auf der Insel Rügen dabei. Gleich nach der Wende gründete er gemeinsam mit seinem Bruder Holger auf dem elterlichen Bauernhof eine Reitschule, hier lernte er Schauspielschülern das Reiten und zeigte, wie man als Stuntman vom Pferd fällt. 1992 hatten die Brüder Kahl am Fuße des Oybin eine Naturbühne angelegt und 20 Jahre lang die Zuschauer mit selbst geschriebenen Stücken von guten und bösen Rittern aus der Oberlausitz begeistert. Mit 57 Jahren verlor Mario Kahl den Kampf gegen seine lange, schwere Krebserkrankung.

Von Zittau aus eroberte Winfried Krause die Bühnen der DDR. Der Humorist spielte vor vollen Häusern in Halle, Dresden oder Karl-Marx-Stadt und war auch regelmäßig im Fernsehen zu erleben – unter anderem in der Samstagsshow „Da liegt Musike drin“. Vor allem in der Rolle des „Oberkellners“ schenkte er den Mächtigen der DDR kräftig ein. Am 1. Dezember 1960 stand der gelernte Elektroingenieur erstmals auf einer Bühne, letztmalig trat er am 1. Oktober 2008 vor Publikum auf. Zum Zeitpunkt seines Bühnenabschieds hatte er längst seiner Geburtsstadt den Rücken gekehrt, lebte seit 1989 im Rheinland. Mit 79 Jahren starb Winfried Krause am 8. März in Essen.

Die Mandaukaserne in Zittau war für Renate Weber zu einer Lebensaufgabe geworden. Als Mitglied der Bürgerinitiative "Bessere Mitte" setzte sie sich für deren Rettung ein. Sie organisierte Häkel- und Strickaktionen oder wechselte über 180 kaputte Scheiben aus. Renate Weber setzte sich auch für den Erhalt anderer historischer Zittauer Gebäude ein, protestierte gegen das geplante Fachmarktzentrum an der Albertstraße und rief einen Literaturkreis ins Leben. Nach schwerer Krankheit starb sie am 15. März mit 75 Jahren.

Mai

Von 1965 bis 1972 führte Hans Sperlich die Geschicke Zittaus, danach war er 18 Jahre Bürgermeister von Jonsdorf. In seine Zittauer Amtszeit fallen die Eingemeindungen von Eichgraben und Pethau sowie die Partnerschaftsverbindung nach Pistoia (Italien) und die Vorbereitung der Partnerschaft mit Liberec (Tschechien). Am 18. Mai ist er wenige Tage vor seinem 94. Geburtstag gestorben.

Juni

In Zittau war er ohne Zweifel eine „medizinische Institution“: Dr. Hans-Dieter Schröpfer. Der Augenarzt behandelte Tausende Patienten aus Zittau und der Umgebung. Und das bis ins hohe Alter. Erst mit 80 Jahren gab er seine Praxis im Ärztehaus auf der Bahnhofstraße ab, in den Räumlichkeiten praktiziert heute Kristijan Sabol. Dr. Schröpfer konnte seinen Ruhestand nicht lange genießen, nach kurzer, schwerer Krankheit starb er am 10. Juni mit 83 Jahren.

Christian Metzke leitete viele Jahre die Radsport-Abteilung in Seifhennersdorf und formte hier viele erfolgreiche Sportler. Ende Januar ist er gestorben.
Christian Metzke leitete viele Jahre die Radsport-Abteilung in Seifhennersdorf und formte hier viele erfolgreiche Sportler. Ende Januar ist er gestorben. © Archivfoto: Matthias Weber
Winfried Pilz lebte zuletzt in Leutersdorf, er starb im Februar.
Winfried Pilz lebte zuletzt in Leutersdorf, er starb im Februar. © Archivfoto: Matthias Weber
Winfried Krause war in der DDR ein beliebter Komiker. Im März starb er in seiner Wahlheimat Essen.
Winfried Krause war in der DDR ein beliebter Komiker. Im März starb er in seiner Wahlheimat Essen. © SZ-Archiv
Zahlreichen historischen Gebäuden in Zittau galt ihr Einsatz - besonders aber der Mandaukaserne: Renate Weber.
Zahlreichen historischen Gebäuden in Zittau galt ihr Einsatz - besonders aber der Mandaukaserne: Renate Weber. © Archivfoto: Matthias Weber
Hans Sperlich war zuerst viele Jahre Bürgermeister von Zittau, dann von Jonsdorf. Mit 93 Jahren starb er im Mai.
Hans Sperlich war zuerst viele Jahre Bürgermeister von Zittau, dann von Jonsdorf. Mit 93 Jahren starb er im Mai. © SZ-Archiv/Marion Gröning
Nach schwerer Krankheit verstarb der ehemalige Löbauer Oberbürgermeister Dietrich Schulte im Juli.
Nach schwerer Krankheit verstarb der ehemalige Löbauer Oberbürgermeister Dietrich Schulte im Juli. © Archivfoto: Rafael Sampedro
Peter Schwerdtner leitete viele Jahre die beliebte Jonsdorfer Gaststätte "Gondelfahrt". Er engagierte sich aber auch in der Kommunalpolitik.
Peter Schwerdtner leitete viele Jahre die beliebte Jonsdorfer Gaststätte "Gondelfahrt". Er engagierte sich aber auch in der Kommunalpolitik. © Archivfoto: Jens Böhme
Rosemarie Blaschke engagierte sich viele Jahre für das Kloster St. Marienthal und das IBZ. Sie starb im Juli mit 88 Jahren.
Rosemarie Blaschke engagierte sich viele Jahre für das Kloster St. Marienthal und das IBZ. Sie starb im Juli mit 88 Jahren. © privat
Ludwig Pai gestaltete die Katzenskulptur am Löbauer Katzenturm. Er starb am 22. September.
Ludwig Pai gestaltete die Katzenskulptur am Löbauer Katzenturm. Er starb am 22. September. © SZ-Archiv/Scholz
Senol Yegin war ein engagierter Unternehmer, der die Stadt Seifhennersdorf auch außerhalb seines Betriebes unterstützte.
Senol Yegin war ein engagierter Unternehmer, der die Stadt Seifhennersdorf auch außerhalb seines Betriebes unterstützte. © Archivfoto: Matthias Weber
Sie war fast immer fröhlich und vor allem sprühte sie vor Leidenschaft für Zittaus Kultur: Grit Weidner.
Sie war fast immer fröhlich und vor allem sprühte sie vor Leidenschaft für Zittaus Kultur: Grit Weidner. © Archivfoto: Matthias Weber
Theodor Gill starb kurz vor seinem 91. Geburtstag im November.
Theodor Gill starb kurz vor seinem 91. Geburtstag im November. © privat

Juli

Noch am 21. Juni beging Dietrich Schulte seinen 75. Geburtstag, wenige Wochen später, am 26. Juli, starb er nach schwerer Krankheit. 1990 wurde er zum Bürgermeister von Löbau gewählt – und blieb bis 2001 Stadtoberhaupt. Als Rathauschef der ersten Stunde war er nach der Wende entscheidend an der Neuorientierung und Gestaltung Löbaus beteiligt. Schulte legte den Grundstein für die weitere positive Entwicklung. Neben der Tätigkeit im Löbauer Rathaus führte er viele Jahre den FDP-Kreisverband Löbau-Zittau, war Kreisrat und bis zum Mai 2019 Stadtrat in Löbau.

Die "Gondelfahrt" im Kurort Jonsdorf gehört zu den bekanntesten Gaststätten im Zittauer Gebirge. Das ist auch ein Verdienst von Peter Schwerdtner, der sie über viele Jahre leitete. Vor einigen Jahren übergab er die Geschäftsführung an seine Kinder, blieb aber im Familienbetrieb weiter aktiv. Auch in der Kommunalpolitik war er engagiert. Bis 2009 gehört er dem Jonsdorfer Gemeinderat an und übernahm gleichzeitig das Amt des stellvertretenden Bürgermeisters. Peter Schwerdtner starb am 19. Juli mit 72 Jahren.

Viele Generationen haben bei Heinz Müller das Fahren erlernt. Der Fahrschullehrer aus Eckartsberg gab auch Verkehrsschulungen. Und er hatte sich auch als Gemeinderat für seinen Ort engagiert. Mit 70 Jahren starb er überraschend am 2. Juli.

Christian Thiele hatte zwei große Leidenschaften: den Schwimmsport und den Fasching. Über 50 Jahre engagierte er sich für die Großschönauer Schwimmer, war viele Jahre Trainer und leitete mehrere Jahrzehnte die Schwimmabteilung. Christian Thiele organisierte auch Großveranstaltungen wie die DDR-Jugendmeisterschaften im Wasserball und im Wasserspringen im Waldstrandbad. Für seine Verdienste wurde er mehrfach ausgezeichnet - als "Verdienstvoller Übungsleiter" sowie als "Sachsen-Ass". Neben dem Schwimmen war er seit den 1970er Jahren beim Großschönauer Faschingsclub dabei. Die Begeisterung für den Fasching vererbte er seinem Sohn Uwe. Am 3. Juli starb Christian Thiele mit 78 Jahren.

1930 in Görlitz geboren, lebte Rosemarie Blaschke viele Jahre in Kärnten. Im Jahr 2004 kam sie zurück in die alte Heimat, lebte damals im früheren Beamtenhaus im Kloster St. Marienthal. Sie arbeitete im Vorstand des Freundeskreises der Abtei sowie des Förderkreises des IBZ, beaufsichtigte die Klosterausstellung "Ora et labora" und war immer zur Stelle, wenn die Klosterschwestern gefahren werden mussten. Mit 80 Jahren kehrte sie zurück nach Kärnten, wo sie am 27. Juli im Alter von 88 Jahren starb.

September

Zu DDR-Zeiten gestaltete der Löbauer Künstler Ludwig Pai Kinoplakate, nach der Wende wurde er Werbegrafiker. In seiner Freizeit widmete er sich unter anderem der Akt- und Landschaftsmalerei oder arbeitete an Holz- und Steinplastiken. Seine Werke waren in vielen Ausstellungen zu sehen - oder zieren das Löbauer Stadtbild, wie zum Beispiel die Katzenskulptur am Katzenturm. Auch die Postmeilensäule wurde von ihm restauriert und bleibt ein sichtbares Vermächtnis. Ludwig Pai starb am 22. September.

Oktober

Senol Yegin war ein leidenschaftlicher Unternehmer, der mehr als 25 Jahre in der Spekon GmbH tätig war und diese durch turbulente Zeiten geführt hat. Mit seinen Ideen trug er maßgeblich zur positiven Entwicklung der Seifhennersdorfer Firma bei. 1994 war Yegin als Retter von Spekon nach Sachsen gekommen, investierte über die Jahre mehrere Millionen. Neben seinem wirtschaftlichen Engagement finanzierte er sächsischen und türkischen Jugendlichen den Besuch des jeweils anderen Landes, unterstützte das Altersheim, sponserte Boxclub und Radsportverein. Die Stadt Seifhennersdorf ernannte ihn deshalb zum Ehrenbürger. Wenige Monate nach seinem 70. Geburtstag starb Senol Yegin am 3. Oktober.

Sie war eines der bekanntesten Gesichter der Zittauer Kulturbranche. Grit Weidner war nicht nur der Frontsonnenschein der Balumuna-Trommler, sie war auch im Zittauer Kronenkino nicht wegzudenken. Zudem engagierte sie sich beim Neißefilmfestival sowie den Zittauer Filmnächten. Eine schwere Krankheit riss sie im Oktober mit 51 Jahren aus dem Leben.

November

Wenn es um Dinge ging, die für ihn wichtig waren, konnte Theodor Gill sehr entschieden sein. Solche Dinge waren zum Beispiel Glaube und Bibel. Damit eckte der Bischof der Herrnhuter Brüdergemeine bei den DDR-Oberen durchaus an. 1928 in Paramarimbo, der Hauptstadt von Surinam, geboren, absolvierte der studierte Theologe sein Vikariat in Herrnhut. Mit seiner Familie zog er 1973 endgültig in die Zinzendorfstadt, wurde hier 1980 Bischof der Brüdergemeine. In dieser Funktion hat er die Brüder-Unität durch schwierige Zeiten geleitet. Kurz vor seinem 91. Geburtstag ist er am 3. November gestorben. Theodor Gill wurde auf dem Herrnhuter Gottesacker begraben.

Mehr Nachrichten aus Zittau und Umland lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Löbau und Umland lesen Sie hier.