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Sterne für die Sternenkinder

Seit fünf Jahren gibt es auf dem Pirnaer Friedhof einen besonderen Gedenkort zum Trauern. Jetzt hat ein Unbekannter ein schönes Geschenk hinterlassen.

Susann Tittel mit zwei der Sterne, die an früh verstorbene Kinder erinnern. Auf dem Pirnaer Friedhof wird mit einer Stele der Sternenkinder gedacht.
Susann Tittel mit zwei der Sterne, die an früh verstorbene Kinder erinnern. Auf dem Pirnaer Friedhof wird mit einer Stele der Sternenkinder gedacht. © Daniel Schäfer

Nicht nur der evangelische Friedhof in Pirna feiert in diesem Jahr ein besonderes Jubiläum, er wurde nämlich vor 150 Jahren eröffnet. Wesentlich jünger ist der Gedenkort für früh verstorbene Kinder, der sich ebenfalls auf dem Areal befindet und vor fünf Jahren eingeweiht wurde. 

"Es ist ein besonderer Ort, an dem Eltern um ihre Kinder trauern können", sagt Susann Tittel. Sie hat zusammen mit anderen Betroffenen den Verein Sternenelternträume Pirna gegründet und die Aufstellung des Gedenksteines initiiert. 

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Bei Ausflügen mit Kindern stehen Erlebnis und Abenteuer im Vordergrund. Das sollte bei der Tourenplanung und beim Packen des Rucksacks bedacht werden.

Mit dem Gedenkstein für Sternenkinder möchte Susann Tittel vor allem jenen Eltern einen Platz zum Gedenken bieten, die keinen Ort der Trauer haben. Dazu zählen zum Beispiel Frauen, die in einer Zeit ihre Kinder verloren haben, als es Beisetzungen für Sternenkinder noch nicht gab. Heute gilt, dass tote Kinder ab 500 Gramm beerdigt werden müssen und jene unter dieser Gewichtsgrenze beerdigt werden können. Je nach Wunsch der Eltern.

Susann Tittel freut sich über die Resonanz, die der Gedenkort in Pirna erfährt. Schon oft hat sie beobachtet, dass Eltern ihren verstorbenen Kindern an dieser Stelle Briefe hinterlegen. Erst vor einiger Zeit fragte ein Paar, ob es eine Holzkiste mit einem Brief für ihr Kind an den Gedenkstein stellen darf.

Eine besondere Überraschung gab es im Dezember nach der jährlichen Andacht für früh verstorbene Kinder. "Wir gingen nach dem Gottesdienst alle zu dem Gedenkort und entdeckten etwa 25 kleinen Sterne aus Ton, auf denen die Namen der verstorbenen Kinder aus unserem Verein eingraviert stehen", berichtet Susann Tittel. Bis heute ist es ein Rätsel, wer diese hübschen Sterne dort hingelegt hat. Nachfragen im Verein brachten keine Antwort. "Keiner ist es gewesen", so Tittel, die sich aber bis heute über diese Aufmerksamkeit und schöne Geste des Unbekannten freut. "Ich bin immer noch gerührt", fügt sie hinzu. 

Ort der Begegnung

Relativ neu ist die Infotafel, auf der steht: Gedenkort für Eltern verstorbener Kinder -  Sternenelternträume Pirna. Somit hat der Ort jetzt auch einen Namen. Die Tafel wurde übrigens von einem Heidenauer Steinmetz gespendet. Platz zum Ausruhen und Erinnern haben die Trauernden auf den beiden Bänken, die extra schräg gegenüber aufgestellt worden sind. "Ich sehe öfter Menschen, die sich hier zufällig treffen und  miteinander ins Gespräch kommen. Es ist auch ein Ort der Begegnung", sagt die Vereinsvorsitzende.  

2015 gründete  sie die Initiative Sternenelternträume; seit dem vergangenen Jahr hat die Vereinigung den Status eines eingetragenen Vereins. Rund 17 Mitglieder gehören dazu. Die Aktionen sind vielfältig. Normalerweise treffen sich die Sterneneltern regelmäßig. Das geht natürlich nicht in Corona-Zeiten. "Aber wir haben viel miteinander telefoniert und uns im kleinen Kreis dennoch gesehen", sagt Tittel. 

Fotos von früh verstorbenen Kindern

Ganz wichtig für den Verein ist die Klinikarbeit auf dem Sonnenstein. Auf Wunsch vermittelt der Verein eine Fotografin aus Pirna, die ehrenamtlich ästhetische Fotos von Sternenkindern macht. Tittel weiß: "Das schafft Erinnerungen für die Eltern, denn die Fotos sind alles, was bleibt, und somit ein wichtiger Bestandteil der Trauerarbeit." Ebenfalls finden Beratungen der Eltern statt. Jetzt möchte der Verein die Mappe mit Adressen und Informationen, die die Sterneneltern bekommen, aufarbeiten und aktualisieren. "Außerdem planen wir, jemanden vom Vorstand zum Trauerbegleiter ausbilden zu lassen, um den betroffenen Familien in dieser schweren Situation noch besser beistehen zu können."

Die Vereinsvorsitzende überlegt einen Moment: "Wenn ich das Thema nicht ansprechen würde, würde es vermutlich keiner machen." Die verstorbenen Kinder sollten nicht totgeschwiegen werden, wünscht sich die Mutter. Daher rührt auch ihr Engagement. Sie selber ist betroffen und hat zwei Kinder früh verloren. "Jedes Kind zählt. Ich bin Mutter von vier Kindern, zwei an meiner Hand und zwei unter meinem Herzen", sagt SusannTittel leise.

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