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Traum fiel nicht ins Wasser

Zittau. Alle Aufregung war umsonst: Die Premiere zuShakespeares Komödie„Sommernachtstraum“ fand im Stadtbad statt.

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Von Silke Schoepe

Nach der überstandenen Aufregung um die Sicherheit der Gäste und den zweiten Rettungsweg war am vergangenen Freitag bei den Akteuren um Karl-Heinz Reiche nur noch die Aufregung vor der Premiere selbst zu spüren. Ausverkauft war das Zittauer Stadtbad, das als Kulisse für Shakespeares Verwechslungskomödie herhalten sollte. Um 1595 soll der Dichter „A Midsummer Night’s Dream“ geschrieben haben. Seitdem ist es eines seiner meistgespielten Stücke. Gerade in den englischsprachigen Ländern ist es ein Klassiker in Schul- und Laientheaterinszenierungen. Und: Nun auch bei uns.

„Hier hat einer seine Fantasien ausgelebt“, war ein leiser Kommentar aus dem Publikum. Die Szene dazu: Die Elfen stolzieren in Bademoden zu spritziger Musik wie auf dem Laufsteg. Eigentlich hätte nur noch ein Schild mit dem Werbeträger gefehlt. Angenehmer war dann wieder der Anblick der knapp in Rot, Weiß und Schwarz gehüllten Feen, die – statt im Wald vor Athen – diesmal eben im gefliesten Ambiente tänzelten.

Ein anderer Blickfang war zweifelsohne die Gattin des Feenkönigs Oberon. Gemeint war dabei nicht das wallende grüne Haar, sondern die Körperbemalung, die die oberen Kleidungsstücke ersetzte. Ein Hingucker ganz anderer Art war Oberons Diener Puck: Verschiedenartige Seufzer gingen durchs zumeist junge Publikum, als er die Bühne in knappem Lack und Leder betrat. Armin Rößler, der den Puck spielte, hat es sogar fertig gebracht, in den ungelenken Plateaustiefeln eine gute Figur zu machen.

Den ersten Szenenapplaus gab es für die sechs Handwerker, die nur von einer Person gespielt wurden. Olaf Bretschneider – einer der professionellen Darsteller im Team – nahm das Publikum mit seinen verschiedenen Charakteren gleich in sein Herz auf. „Bei mir im Unterricht behandeln wir gerade das Handwerker-Thema von Shakespeare, und ich finde, die Zittauer haben das richtig gut umgesetzt“, zeigte sich Lehrerin Katja Bittrich aus Görlitz amüsiert und fügte hinzu: „Das könnten sie auch woanders zeigen.“

Angenehm überrascht

„Sehr lustig“, waren die Worte, die Marcel Kleint für das Laientheater der „Kunst.Bauer.Bühne“ aus Großhennersdorf fand. „Eigentlich bin ich nur mit, weil meine Schwester eine Elfe spielt. Ich gehe sonst nicht ins Theater“, sagte der junge Mann, der deshalb nicht weiß, dass auch Theater witzig sein kann, das Publikum manchmal mittendrin ist und mitmachen darf, wenn es nur das Stück erlaubt. Sein Freund Axel Köhler sagte: „Ich bin auch angenehm überrascht, dass Theater Spaß machen kann.“

Angenehm für die Besucher war auch die Akustik, mit der Karl-Heinz Reiches Team offenbar das Kriegsbeil begraben hatte. Ohne technische Verstärker waren alle Darsteller gut zu verstehen, in jedem Winkel der großen Halle. Nur das Sitzen auf den lehnenlosen Bänken strengte die Rücken von Alt und Jung an. Schließlich dauerte die Vorstellung fast bis nach Mitternacht. Willkommene Abwechslung und Schlussbild war der Beginn der gemeinsamen Party. Nachdem die Handwerker ihr Stück von Pyramus und Thisbe auf der Hochzeit von Theseus und Hippolyta aufgeführt hatten, holten die Elfen so nach und nach das Publikum zu lateinamerikanischen Klängen mit auf die geflieste Bühne.

Erleichtert und geschafft zeigte sich Produzent Karl-Heinz Reiche, der den Oberon spielte, am Ende: „Wir wollten ein Event an einem besonderen Ort schaffen. Und das ist uns gelungen.“

Die nächste Vorstellung ist am Freitag.