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Traumhochzeit ohne Fernreisestress

Heiraten ist trendy. Außergewöhnliche Orte fürs Ja-Wort sind es auch. Letztere finden Paare sogar in der Region.

© Fotomontage: arteffective

Von Sabine Larbig

Region. Leise plätschern Wellen am Strand. In das blau-grüne Wasser ragt eine mit weißem Sonnensegel überdachte Plattform, an deren Geländer Tüll, Blumen und Schleifen ranken. Im Sand stehen durch einen Teppich getrennte Stuhlreihen, die von Palmen in dekorativen Kübeln umrahmt werden. Plötzlich kommen immer mehr festlich-leger gekleidete Menschen. Nach einem Sektempfang nehmen sie Platz auf Stühlen mit weißen Überwürfen. Dann erklingt Musik und ein mit der Sonne um die Wette strahlendes Brautpaar schreitet den Teppich entlang zur Plattform. Dort steht bereits der Standesbeamte, der das Paar in seiner Traumkulisse traut.

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Karibischen Flair ist ganz nahe

Was sich wie die Beschreibung eines in der Karibik handelnden Happyends eines Buches oder Films liest, ereignet sich real und mehrfach im Jahr am Bärwalder See. Hier, am Boxberger Strand, sind Trauungen unter freiem Himmel möglich. Etwa 12 Paare wird Standesbeamtin Carmen Hantschke allein dieses Jahr in der Traumkulisse trauen – obwohl Hochzeiten mit karibischen Flair nicht ganz billig sind. Rund 300 Euro zahlen Paare allein für die Location. Hinzu kommen die Standesamtgebühren. „Wer Geld verdient, leistet sich das für den schönsten Tag im Leben schon. Schließlich ist es trotzdem billiger als eine Reise von Brautpaar und Hochzeitsgesellschaft in tropische Gefilde“, meint die Boxberger Standesbeamtin.

Dass die Trauungen am Strand inklusive zweistündiger Nutzung für Fotos & Co. teurer sind als Eheschließungen im Standesamt, hat seinen Grund. Rund zwei Stunden brauchen Carmen Hantschke und Helfer allein für Dekoration, Auf- und Abbau. Parallel wird bei jeder Trauung eine Schlecht-Wetter-Variante im wenige Meter entfernten Tourismus- und Informationszentrums (TIZ) für die Hochzeitsgesellschaften vorbereitet. „Schließlich kann am See jederzeit das Wetter umschlagen“, weiß Hantschke aus Erfahrung. Von durchschnittlich 20 bis 24 Trauungen pro Jahr führt sie fast 60 Prozent am See durch. Paare, die des Wetters wegen ins TIZ umziehen müssen, finden dort durch weiße Ledermöbel, Dekoration und Blumen ebenfalls ein äußerst festliches Ambiente vor.

Zurück zu den Wurzeln

Von denen, die am Strand heiraten, kommen, laut Standesbeamtin, etwa ein Drittel aus Sachsen oder der Landeshauptstadt. Ein weiteres Drittel sind Paare aus der Region. Andere Heiratswillige reisen aus den alten Bundesländern an. „Sie haben aber meist ihre Wurzeln und Familien hier“, weiß Carmen Hantschke. Und auch für Paare, die im Standesamtsbezirk Boxberg – aber nicht am See – getraut werden wollen, gibt es eine Alternative. Sie können sich seit diesem Jahr im Trauzimmer in der Gemeindeverwaltung das Ja-Wort geben.

Denn nicht nur Heiraten liegt wieder im Trend. Viele Paare bevorzugen und suchen auch besondere Orte für Eheschließungen. Viel zu tun haben daher die Bad Muskauer Standesbeamten. Sie trauen Paare außerhalb des Standesamtes nämlich auch in drei Schlössern der Region sowie an zwei weiteren außergewöhnlichen Orten. „Wir führen Trauungen im Alten und im Neuen Schloss von Bad Muskau durch, im Schloss in Kromlau sowie in der Orangerie in Bad Muskau und im Heimatmuseum in Sagar“, erläutert der Standesbeamte Dirk Eidtner. Jährlich finden im Standesamtsbezirk Bad Muskau rund 120 Eheschließungen statt. Viele reisen der Schlösser wegen, aus Verbindung zur alten Heimat oder wegen ihrer Vorliebe für Natur und Parks von auswärts an. Mal mit großer, mal mit kleiner Hochzeitsgesellschaft. Rund zwei Drittel der jährlichen Trauungen, weiß Dirk Eidtner, finden im Alten Schloss von Bad Muskau statt. Nur etwa ein Drittel der Paare wird im Neuen Schloss des Fürsten Pückler getraut. Dirk Eidtner vermutet, dass dies am Preis liegt, da fürs Trauzimmer im Neuen Schloss extra Raummiete zu zahlen ist.

Kromlauer Schloss ist gefragt

Inzwischen Schlag auf Schlag geht es mit Hochzeiten auch im Schloss von Kromlau zu. Dort sind Trauungen seit Kurzem möglich. „Das Angebot hat sich gut entwickelt. Für 2019 gibt es schon über zehn Anmeldungen. Ich gehe übrigens gerne nach Kromlau trauen, weil es eine rundum gelungene Location mit gemütlichem und individuellem Ambiente ist“, verrät Eidtner. In diesem Jahr noch keine Paare getraut hat er in der Orangerie und im Museum. Noch liegen auch keine Anmeldungen vor. Dafür durfte der Bad Muskauer Standesbeamte im Rahmen der Vertretungsregelung für Notfälle allerdings schon mal eine Strandtrauungen in Boxberg vornehmen. „Das ist selbst für Standesbeamte was Besonderes, so in freier Natur und mit Seebühne, statt in einem Zimmer oder Gebäude“, schwärmt Eidtner.

Eine Trauung im Nostalgiezug

Apropos Schwärmerei. Viele Menschen finden auch alte Autos, Kutschen, Eisenbahnen toll. Fahrten von Brautpaaren in geschmückten und polierten Oldtimern oder Pferdekuschen gehören daher oft zum schönsten Tag im Leben. Eine Trauung im Nostalgiezug ist dagegen eher außergewöhnlich. Doch genau dies bietet die Waldeisenbahn Muskau. Getraut wird in ihren Zügen durch Standesbeamte aus Weißwasser. „Zwei Eheschließungen habe ich dieses Jahr in den festlich geschmückten Zügen mit dem Trauwaggon schon gehabt“, erzählt Standesbeamtin Undine Roßbacher. Dennoch sei dies selten. „Dieser Trauungsort ist etwas für Liebhaber und auch etwas teurer als im neu renovierten und eingerichtetem Trauzimmer im Standesamt Weißwasser. Aber das Angebot ist, wie die Schlösser im Umfeld, ein Sahnehäubchen und spricht sich rum.“ Auch, weil der Trauwagen für Rollstuhlfahrer nutzbar ist. „Ein Paar hat sich, damit Oma an der Trauung teilnehmen kann, für den Zug entschieden. Sonst sind es meist Menschen, die eine Verbindung zur Waldeisenbahn oder Eisenbahn haben“, weiß Undine Roßbacher. 2018 wurden in Weißwasser 65 Ehen geschlossen. „Der Trend geht nach oben. Es heiraten viele Ältere und Paare, die schon länger zusammen sind“, so Roßbacher.

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