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Trauriger Mann

Dresden. DerRathausmann wird von Wissenschaftlern vermessen und wartet immer noch auf ihre Restaurierung.

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Von Claudia Schade

Bald hat der Rathausmann keine Geheimnisse mehr. Der Kopf wurde ihm schon geöffnet und eine Schatulle herausgeholt.

Nun leuchten ihn Wissenschaftler der Technischen Universität von allen Seiten aus. Mit einem Scanner haben drei Mitarbeiter des Instituts für Produktionstechnik am Freitag den wohl größten Dresdner vermessen. Die so ermittelten Daten kann ein Computerprogramm in ein dreidimensionales Bild des 1908 aufgestellten Herkules verwandeln.

Das hat zwar keine große Relevanz für die Restaurierung, hilft aber bei der Vermarktung des stattlichen Mannes. Seit sechs Wochen sind die Bezeichnungen „Goldener Rathausmann“ und „Dresdner Rathausmann“ sowie sein Bild als Marken geschützt. Das dreidimensionale Abbild soll bald folgen. Bisherige Kosten: 7 500 Euro.

Wer demnächst mit der Turmfigur Geld verdienen will, muss sich von der Stadt eine Lizenz erkaufen. Vermarkten möchte die Verwaltung den 4,90 Meter großen Hünen vermutlich aber in Eigenregie. Mit den Computerdaten lassen sich originalgetreue Nachbildungen schaffen, die als Souvenirs verkauft werden können.

Die Datenerfassung hat einen weiteren Vorteil. „In einem Schadensfall haben wir die Möglichkeit, den Rathausmann komplett zu rekonstruieren“, sagt Volker Gawol, stellvertretender Leiter des Liegenschaftsamtes.

Die rechte Hand fehlt

Die Restaurierung des Dresdner Wahrzeichens lässt indes noch auf sich warten. Sie sollte bereits im November vergangenen Jahres beginnen. „Wir können aber die Ausschreibung noch nicht machen, weil die Stadt keinen genehmigten Haushalt hat“, sagt Gawol. Er sei jedoch „optimistisch“, dass der stattliche Mann zur Feier des Stadtjubiläums im kommenden Sommer wieder an seinem angestammten Platz steht.

Mittlerweile ist der Figur sogar die rechte Hand abgefallen. Diese hatte der Rathausmann bislang schützend über die Stadt gehalten. Gawol hat zudem eine weitere Entdeckung gemacht. „Erst im Modell am Computer sieht man, welch melancholischen Gesichtsausdruck der Mann hat“, sagt er.

Offen ist auch noch, wie die goldene Figur wieder an ihren Platz zurückkehren wird. „Sie herunterzuholen war einfach“, sagt Gawol. „Da konnte man Gurte um die Brust legen.“ Das sei nach der Restaurierung allerdings nicht mehr möglich. „Der Mann muss bei dem Transport in die Höhe frei stehen, um die Vergoldung zu schützen.“

Die Stadt plant für den August eine Ausstellung mit dem Kopf, den Schatullen und dreidimensionaler Animation der Figur.