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Kamenz

Trausaal wird tiefer gelegt

Einen Entwurf für den Pulsnitzer Rathausumbau legten jetzt Architekten vor. An den Baukosten wird noch gerechnet.

Das Pulsnitzer Rathaus (die beiden hellen Gebäude im Zentrum) soll saniert und umgebaut werden. Jetzt gibt es einen Vorentwurf mit ersten Details zu den Veränderungen.
Das Pulsnitzer Rathaus (die beiden hellen Gebäude im Zentrum) soll saniert und umgebaut werden. Jetzt gibt es einen Vorentwurf mit ersten Details zu den Veränderungen. © Matthias Schumann

Pulsnitz. Architekt Jörg Möser gerät schnell einmal ins Schwärmen, wenn es um die historischen Details des Pulsnitzer Rathauses geht, die erhaltenswert sind. Zum Beispiel der barocke Dachstuhl im Gebäudeteil zum Markt neben dem Ratskeller.

Aber er weiß sehr genau auch um die ganzen Defizite. Wegen dieser hat sein Büro auch den Auftrag von der Stadt erhalten, die Sanierung zu planen. Es wurde bereits oft betont: Den Verwaltungsmitarbeitern droht das Dach auf den Kopf zu fallen. Die Architekten Gemeinschaft Milde und Möser hat ihren Sitz in Pirna und Erfahrung mit denkmalgeschützten Bauten. Eben auch Verwaltungsbauten wie die Pirnaer Stadtbibliothek oder das Landgericht in Görlitz. Die Liste der Referenzen ist lang und soll mit dem Pulsnitzer Rathaus noch länger werden.

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Das Treppenhaus sollte bei ursprünglichen Gedanken weggerissen werden. Nun bleibt es erhalten.
Das Treppenhaus sollte bei ursprünglichen Gedanken weggerissen werden. Nun bleibt es erhalten. © Matthias Schumann

Jörg Möser stellte jetzt einen Vorentwurf im Pulsnitzer Stadtrat vor. Im Herbst rechnet er damit, den Bauantrag stellen zu können. Bedeckt hält er sich noch mit Kostenschätzungen. Die Stadt war zwischenzeitlich von über vier Millionen Euro ausgegangen. Es werde Posten geben, die sich verteuern, aber auch kostengünstigere. Derzeit könne noch keine seriöse Zahl gesagt werden. Jörg Möser kündigte das für den kommenden Monat an. Sein Büro sei am Rechnen.

Die Probleme des Hauses seien erkannt. Da seien viele funktionelle Defizite. Das Gebäude sei 150 Jahre lang umgebaut worden und nicht immer qualitativ gut, mit Provisorien. Jetzt sei der Punkt gekommen, grundhaft zu sanieren. Dabei spiele die Barrierefreiheit eine zentrale Rolle, die eben nicht gegeben sei. Viele Höhenunterschiede, Treppchen und Stufen seien zu beseitigen. Und die hochwertige Ausstattung zu erhalten. Dazu gehören Bleiglasfenster und das historische Gründerzeittreppenhaus. Das sollte in früheren Plänen weichen. Zum einen, weil es die Statik des Gebäudes negativ beeinflusse. Zum anderen, um Platz zu gewinnen. Das fanden schon damals nicht alle Stadträte gut. Sie können nun aufatmen. Etwas Platz gewinnen die Planer dennoch, allerdings nur wenig. Die Fläche wächst von 1315 auf 1330 Quadratmeter. Aber die Planer wollen zugleich die Verkehrsflächen reduzieren und damit mehr Nutzräume schaffen.

Hauptproblem Dachstuhl

Erhalten werden sollen desweiteren die historischen Fliesen aus dem 19. Jahrhundert. Auch sei zu entscheiden, was mit barocker Malerei passiert, wenn die jetzt zutage kommt. Bei Abwägungen werde es wohl oft ein schmaler Grat sein. Sicher werde es Gespräche mit der Denkmalbehörde geben. Der Architekt stellt klar: „Das ist ein Verwaltungsbau, kein Museum.“ Letztlich müsse das Gebäude auch den heutigen Ansprüchen, an Brandschutz, Wärmeschutz und den Anforderungen einer modernen Verwaltung genügen. Eine Klimatisierung des Gebäudes sei nicht geplant. Zur vielbefahrenen Staatsstraße müsse es im Bedarfsfall die Stoßlüftung tun. Dazu gehört Lärmschutz und Lösungen, um genügend Licht an die Arbeitsplätze zu bringen. Die Arbeit muss effizient organisiert werden mit kurzen Wegen. Dafür müssen wohl einige Wände versetzt werden, wenn man sich die Rathaus-Entwürfe ansieht.

Wichtige Bereiche für die Bürger sollten im ersten Stock und im Erdgeschoss konzentriert werden. Dorthin soll auch der Trau- und Festsaal (früher Ratssaal) mit allen seinen historischen Details samt Wandtäfelung quasi um eine Etage tiefer gelegt werden. Das hat wohl auch etwas mit der Gebäudestatik zu tun, wurde bereits in der Vergangenheit erläutert. Die gefährde der spätere Einbau des Saals. So biete der Umbau auch die Gelegenheit, das Rathaus zum Rat- und Bürgerhaus zu entwickeln. Ein zusätzlicher öffentlicher Versammlungsraum im Erdgeschoss unterstreicht das. Das alles ist in dem Bereich geplant, wo sich jetzt unter anderem das Ordnungsamt befindet. Barrierefreie Toiletten mit Klappwickeltisch sind geplant und ein Servicebereich für den Marktbetrieb mit Spüle.

Das Bürgerbüro zieht dagegen in den ersten Stock. Das sollte künftig jedoch kein Problem mehr sein für Menschen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind. Die Lösung ist der Lichthof. Der habe ohnehin keine wirkliche Funktion stellte der Architekt fest. Dort wird ein Aufzug eingebaut.

Ein Hauptproblem sei der marode Dachstuhl des neueren Eckgebäudes. Nassfäule und Fraßstellen von Käfern machen zu schaffen. Ein Austausch wäre wohl am wirtschaftlichsten, heißt es. Bestimmte Informationen zum Zustand des Gebäudes ließen sich auch erst ermitteln, wenn die Verwaltungsmitarbeiter ausgezogen sind. Dann könnten Decken geöffnet oder hinter Verkleidungen geschaut werden, um die Substanz zu begutachten. Kay Kühne, der Bau-Fachbereichsleiter, geht derzeit davon aus, dass zwischen dem Pfefferkuchenmarkt und Weihnachtsmarkt in diesem Jahr der Umzug stattfinden werde: „Alles unter der Voraussetzung, dass wir die Finanzierung auf die Beine bekommen.“

Ein weiterer Punkt ist die Fassade. So zeigte der Architekt historische Bilder. Die dokumentieren die Veränderungen zum heutigen Stand und was bei Umbauten verlorengegangen ist.

Ziel sei es, die Fassade historisch gerecht wieder herzustellen, so Möser. Das dritte Obergeschoss ist fürs Archiv vorgesehen. Die Heizung soll mit Gas und Wärmepumpen erfolgen. Auch an einen zweiten Rettungsweg sei zu denken. Dass vieles noch im Fluss ist, zeigen Ergänzungen mit Filzstift in dem Vorentwurf.

Der historisch besonders wertvolle Trausaal soll um eine Etage nach unten verlegt werden.
Der historisch besonders wertvolle Trausaal soll um eine Etage nach unten verlegt werden. © Matthias Schumann

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