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Treffen der Ostrockfans

Nach einer Lesung von Henriette Reinke trat „Hans die Geige“ im Teichhaus auf.

Von Bernd Goldammer

Tiefrot verabschiedet sich die Sonne über Ottendorf. Unter dem alten Kastanienbaum des alten Teichhauses sind leise Töne angesagt. Rockgeiger und die Literatur einer Achtzehnjährigen? Geht das denn? Das Publikum, das sich vorwiegend aus Fans von Hans die Geige zusammensetzt, zeigt sich aufgeschlossen. Alle Blicke sind auf Henriette Reinke gerichtet und was das Wichtigste ist: Ohren und Herzen sind weit offen. „Der Stein der Aphrodite“, ein Buch auf das Henriette Reinke den Rockgeiger Hans Wintoch aufmerksam gemacht hat, steht jetzt im Mittelpunkt. Es soll bekannt werden. Deshalb hat Hans die Geige es mit ins Teichhaus genommen. Die Herausforderung ist nach 45 Minuten bestanden. Die wesentlichen Passagen der Liebesgeschichte in den Tiroler Bergen sind vorgestellt und das Publikum reagierte mit viel Beifall. Gleich darauf gehen die Scheinwerfer an. Zum siebenten Mal findet hier das traditionelle Pfingstkonzert von Hans die Geige statt. Um die 80 Besucher waren gekommen, um bei der musikalischen Zeitreise dabei zu sein. Die Violinenfassung des unsterblichen Songs „The Girl With Pearl’s Hair“ der ungarischen Band Omega verzaubert die Zuhörer. Die Wenigsten wissen in diesem Moment, dass diese Welt-Band als erste internationale Größe nach Kamenz kam. Noch bevor die Konzerttradition der Puhdys hier begann. Allerdings hatten sich die damaligen Kulturverantwortlichen im Jahr 1982 nicht nach der technischen Ausstattung solcher Konzerte erkundigt. Die Hutbergbühne war damals auf dem Stand der fünfziger Jahre. Omega kam mit Lastzügen auf dem Hutberg an. Solche und viele andere Ost-Rock-Geschichten werden im Alten Teichhaus wach. Dieses Konzert ist wie ein musikalisches Vorglühen für das Pfingstkonzert der Puhdys auf der legendären Hutbergbühne in Kamenz. Keyboarder Peter Meyer und Ex-Bassist und einstiger Manager Harry Jeske hatten sich hier schon unter die Gäste gemischt. Ostrock ist eben nicht allein Musik. Nach der Wende hat sich eine ganz besondere Fan-Kultur entwickelt, deren Faszination man an jedem Pfingstfreitag im Teichhaus aufs Neue erleben kann. Dafür reisen die Gäste inzwischen aus allen Himmelsrichtungen an. „Die Atmosphäre hier in Ottendorf-Okrilla ist immer wieder großartig. Und Hans die Geige erfindet sich für jede Show wieder neu“, macht Matthias Rose aus Ilmenau mit euphorischen Stimmklang deutlich.

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