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Treibhaus kann auf Geld hoffen

Der Beirat des Kulturraums empfiehlt die Förderung, obwohl die Stadt zu wenig Geld gibt. Das soll eine Ausnahme bleiben.

Von Jens Hoyer
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Fahrradwerkstatt und Repair-Café gehören zu den Projekten, die der Verein Treibhaus in 22 Jahren seines Bestehens realisiert hat.
Fahrradwerkstatt und Repair-Café gehören zu den Projekten, die der Verein Treibhaus in 22 Jahren seines Bestehens realisiert hat. © Archiv: André Braun

Döbeln. Die Chancen auf eine Förderung durch den Kulturraum Erzgebirge-Mittelsachsen stehen für den Verein Treibhaus gut. Der Beirat des Kulturraums wird dem Kulturkonvent vorschlagen, die sogenannte institutionelle Förderung zu gewähren, obwohl die Stadt Döbeln als Sitzgemeinde nicht den geforderten finanziellen Anteil aufbringen will, teilte die Kulturraumsekretärin Manja Dahms auf Anfrage mit. Sie machte auch klar, dass das eine Ausnahme bleiben soll.

Die Stadt müsste im kommenden Jahr nach den Richtlinien des Kulturraums sechs Prozent der förderfähigen Ausgaben des Vereins übernehmen. Das sind reichlich 14.000 Euro. Bewilligt hat der Stadtrat aber nur 9.500 Euro, was der Summe des Vorjahres entspricht und noch nicht einmal vier Prozent ausmacht. Die CDU begründete die Ablehnung der höheren Summe durch ihre Fraktion damit, dass der Verein immer mehr Geld ausgebe, statt weniger. 

Tatsächlich soll der Gesamthaushalt des Vereins von knapp 390.000 Euro auf reichlich 400.000 Euro im kommenden Jahr steigen. Der Hauptgrund: Der Kulturraum hatte drei Jahre lang den Aufbau professioneller Strukturen im Verein mit hauptamtlicher Geschäftsführerin und einer Mitarbeiterin für die Buchhaltung gefördert. Diese Kosten werden ab 2020 in den normalen Haushalt übernommen.

Treibhaus hat beim Kulturraum reichlich 107.000 Euro beantragt. Die Höhe der tatsächlichen Förderung stehe noch nicht fest, weil in allen Sparten Einsparungen vorgenommen werden müssen, so Manja Dahms. Sie will mit der Stadt Döbeln und dem Verein Treibhaus Gespräche führen, wie es mit der Finanzierung des soziokulturellen Vereins weitergeht. 

Denn Döbeln müsste in den nächsten Jahren einen noch höheren Anteil bereitstellen. Er steigt auf acht und schließlich ab 2022 auf zehn Prozent. „Es ist wichtig, dass sich die Stadt zu Treibhaus bekennt. Die Einrichtung hat über die Jahre immer eine transparente Antragstellung und Abrechnung von Fördermitteln praktiziert. Uns ist sie wichtig“, sagte die Kulturraumsekretärin. 

In der Region gebe es drei soziokulturelle Einrichtungen, die gefördert werden. „Treibhaus ist bei den Kosten nicht überdimensioniert.“ Döbeln profitiere davon, dass Treibhaus öffentliche Aufgaben übernimmt, wie etwa die gesetzliche Pflicht zur Kulturpflege. „Wenn diese Aufgaben auf die Stadt zukämen, würde es für sie viel teurer.“

Döbeln müsste in den kommenden Jahren etwas über 20.000 Euro zuschießen, um die Forderungen des Kulturraums zu erfüllen, sagte Oberbürgermeister Sven Liebhauser (CDU). „Entscheiden muss das der Stadtrat. Wichtig ist, dass wir ins Gespräch kommen und alle Beteiligten Planungssicherheit haben.“ Die Stadt stehe in der Verantwortung, weil der Verein eine wichtige Einrichtung in Döbeln ist. „Aber wir müssen auch die Finanzen im Blick haben und abwägen, auch wegen der anderen Vereine, die es in Döbeln gibt.“

Treibhaus ist mit mehreren Projekten auf ganz verschiedenen Feldern tätig und bekommt dafür nicht nur Geld vom Kulturraum, sondern auch vom Freistaat Sachsen und dem Landkreis Mittelsachsen. Im Projekt „Kulturbeutel“ organisiert der Verein Kleinkunst von Kabarett bis zu Reiseberichten. Mit der Siebdruckwerkstatt ist Treibhaus auch in Schulen und bei Festen unterwegs. Das Jugendbüro Diversity kümmert sich um die Probleme von jungen Leuten. 

Auch das Café Courage steht an vier Tagen in der Woche Jugendlichen als Freizeitreff offen. „Willkommen in Döbeln“ betreibt Migrantenberatung und hilft mit dem „Formularlotsen“ Flüchtlingen und Menschen mit Leseschwäche beim Stellen von Anträgen. FAIR steht für „Fit gegen Antisemitismus, Intoleranz und Rassismus“ und ist ein politisches Bildungsprojekt. Bei Treibhaus gibt es eine AG Geschichte. 

Außerdem hat der Verein das Haus der Vielfalt an der Zwingerstraße in Trägerschaft, das von vielen Gruppen genutzt wird, und die Skaterhalle an der Roßweiner Straße. Für seine Arbeit erhält der Verein nicht nur Fördermittel vom Kulturraum, sondern auch vom Freistaat Sachsen.