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Tresen und Pool in der Kaufhallenbäckerei

Die neuen Eigentümer stellen sich eine Gaststättenbrauerei und einges mehr vor. Doch es gibt ein Hindernis.

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© Frank Baldauf

Von Franz Herz

Dippoldiswalde. Die Kaufhallenbäckerei im Wohngebiet an der Rabenauer Straße in Dippoldiswalde sieht schlechter aus, als sie ist. Der Rohbau ist Ende der 1980er-Jahre entstanden, wurde aber nie fertiggestellt. Seitdem steht der Bau ungenutzt und wuchs langsam zu. Aber das scheint dem Gebäude nicht geschadet zu haben, wie die neuen Eigentümer, Christine und Markus Göbler, festgestellt haben. Sie haben die Bausubstanz untersucht und keine gravierenden Schäden gefunden. „Es gibt keine Risse, keine Setzungen und überraschenderweise ist es auch ziemlich trocken“, berichtet Markus Göbler.

So soll die Kaufhallenbäckerei in Dippoldiswalde einmal aussehen, wenn sie nach den Vorstellungen der neuen Eigentümer umgebaut ist.
So soll die Kaufhallenbäckerei in Dippoldiswalde einmal aussehen, wenn sie nach den Vorstellungen der neuen Eigentümer umgebaut ist. © Skizze: Göbler GmbH

Das heißt, er muss das Gebäude nicht abreißen, sondern es ist für seine Pläne geeignet. Ja er kann sogar die Besonderheiten der einst darin geplanten Bäckerei nutzen. Im Untergeschoss stellt er sich eine kleine Gaststätten-Brauerei vor. Dafür eignet sich die Bäckerei-Architektur hervorragend. Dort war Platz für zwei große Mehlsilos geplant. An deren Stelle können die Braukessel aufgestellt werden.

Insgesamt will er das vorhandene Gemäuer um zwei Etagen aufstocken und als Wohn- und Geschäftshaus gestalten. Im Erdgeschoss wäre Platz für eine Apotheke, im zweiten Obergeschoss für einen mobilen Pflegedienst und obendrauf ist ein Penthouse geplant, von dem aus die Bewohner einen weiten Blick auf das Osterzgebirge bekommen. Für den Pflegedienst haben Göblers schon Gespräche mit möglichen Betreibern geführt.

Das Grundstück ist aber noch weit größer als die Bäckerei, es umfasst rund 4 000 Quadratmeter. Darauf wollen Christine und Markus Göbler noch zwei weitere Gebäude errichten, jedes mit fünf Geschossen und 22 Wohnungen. Die sollen alle altengerecht ausgestattet werden. Sogar an einen Pool in den Häusern denkt Göbler – als sogenanntes Alleinstellungsmerkmal für die Wohnungen. Entsprechend plant er auch eine hochwertige Ausstattung.

Die Investoren kommen aus Falkensee bei Berlin. Markus Göbler betreibt ein Ingenieurbüro für technische Gebäudeplanung und seine Frau drei Friseursalons. Sie erwarten, dass Dippoldiswalde von der Nähe zu Dresden ähnlich profitieren kann wie Falkensee von der Nähe zu Berlin.

Göblers haben schon begonnen, den Wildwuchs rund um die Kaufhallenbäckerei zu roden. Damit wollen sie Mitte September fortfahren. Die größeren Bäume kommen ab Oktober an die Reihe, wenn das Naturschutzgesetz solche Arbeiten erlaubt.

Gleichzeitig sind die neuen Eigentümer dabei, die baurechtlichen Grundlagen für ihr Projekt zu schaffen. Dafür hatten sie bereits Termine in der Stadtverwaltung Dippoldiswalde mit dem Beigeordneten Peter Antoniewski und Bernd Kohl, dem Abteilungsleiter Bau. Die finden das Projekt insgesamt gut. „Damit wäre ein Problem in Dippoldiswalde gelöst“, sagt Antoniewski. Er ist sich aber nicht sicher, ob das so einfach funktioniert. Denn es gibt momentan ein Hindernis. Göblers haben die Investruine von Reinhold Frieß gekauft. Der hatte die Immobilie Anfang der 1990er-Jahre zusammen mit einem Partner erworben und wollte dort ein großes Geschäftszentrum errichten. Das war wohl für Dippoldiswalder Verhältnisse eine Nummer zu groß angelegt, und ehe das Projekt in die Gänge kam, war die Baukonjunktur der 1990er-Jahre abgeflaut.

Es ist aber nicht so, dass damals nichts passiert wäre. Hinter den Kulissen wurde an dem Projekt gearbeitet. Und aus dieser Zeit existiert noch ein Bebauungsplan, der allerdings ein siebengeschossiges Bauwerk vorsieht. Was Göblers jetzt vorhaben, ist zurückhaltender und passt besser nach Dippoldiswalde. Aber es weicht eben von dem bestehenden Plan ab.

Es kann daher sein, dass der alte Plan überarbeitet und an die neuen Vorstellungen angepasst werden muss. Das ist durchaus möglich, kostet aber Zeit. Die neuen Pläne müssen öffentlich ausgelegt werden. All die Behörden und Verbände, die als Träger öffentlicher Belange gelten, müssen angehört werden, und der Stadtrat muss sowohl den Startschuss für das Verfahren geben als auch am Ende die neue Planung beschließen. Das geht aber nicht von heute auf morgen.

Darum hofft Göbler, dass sich vielleicht ein Weg für sein Projekt findet, ohne den Bebauungsplan zu ändern. Wenn das möglich wäre, würde er im kommenden Frühjahr beginnen, die Kaufhallenbäckerei umzubauen. Jeweils ein Jahr später sollen dann das zweite und dritte Haus errichtet werden und die lange Geschichte einer Investruine hätte ihr gutes Ende gefunden.