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Trickfilm: Fantasien lernen das Laufen

Im Medienkulturzentrum treffen sich junge Leute aus drei Ländern, um sich in der Kunst der Animation zu üben.

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Von Monika Dänhardt

Der Februar gehört im Medienkulturzentrum seit Jahren der „Anima“. So auch in diesem, wo noch bis morgen diese Internationale Trickfilmwerkstatt stattfindet. Übrigens die 26. So schwirren gegenwärtig durch die Räume des Zentrums deutsche, polnische und russische Worte. Von den 26 Trickfilmern im Alter zwischen 13 und 26 Jahren kommen neun aus Polen und sieben aus Russland.

Hobby wurde Beruf

„Mit einigen Vereinen verbindet uns schon länger eine Freundschaft. Sie schicken immer wieder Teilnehmer zur Anima. Andere kommen, weil sie gehört haben, dass man hier auf kompetente Partner trifft. Und Dresden ist vor allem durch die Mitglieder des Vereins Fantasia vertreten“, erklärt Rolf Birn, der Vater der Anima und bis heute ihr Organisator.

Begonnen hat alles im damaligen Pionierpalast. „Anfangs drehten wir sogar Dokumentarstreifen und Kurzfilme“, sagt Rolf Birn. Der ehemalige Lehrer baute im Dresdner Pionierpalast ein Studio für junge Trickfilmer auf. „Ich konnte mit der Kamera umgehen und hatte gute Verbindungen zum Defa-Trickfilmstudio. Von dort wurden wir dann auch unterstützt.“

Am Pionierpalast gab es regelmäßig Kurse, Veranstaltungen für Schulklassen und in den Ferien Werkstätten. Aus Letzterem entwickelte sich die Anima, zu der schon zu DDR-Zeiten Gäste aus den Nachbarländern, aber auch aus Österreich und der Schweiz kamen. Die Anima-Filme wurden damals wie heute bei den verschiedensten Trickfilmwettbewerben mit so manchem Preis ausgezeichnet.

Nach der Wende verblieb das Studio erst einmal an der Jugend&Kunstschule. Mit Umzug ins Medienkulturzentrum wurde der Verein Fantasia daraus. Bis heute lehren hier Schüler, Lehrlinge und Studenten unter fachlicher Anleitung von Rolf Birn ihren Zeichnungen, manchmal auch selbst gefertigten Puppen das Laufen. „Ich habe schon mehrere Generationen mit dem Virus Trickfilm infiziert. Mancher machte sein Hobby dann sogar zum Beruf“, sagt Rolf Birn. Wie Julia Tews, die an der Filmhochschule studierte und in diesem Jahr bei der Anima einen Workshop leitet.

„Die kleinen Trickfilme haben leider keine starke Lobby. In die Kinos kommen ja meist nur die großen Streifen aus Übersee. Dabei gibt es so schöne kleine Filme. Außerdem ist es eine wunderschöne Sache, auf diese Art zu spinnen, zu fantasieren und verschiedenstes Material, beispielsweise Sand, auszuprobieren“, sagt Rolf Birn und ist schon neugierig, welche animierten Geschichten die Anima-Teilnehmer diesmal vorweisen werden. Das Thema ist wie immer vorgegeben und lautet 2008: „Ein blaues Band von der Elbe zur Wolga – Leben am und mit dem Fluss“.

Vorstellung der Stadt

Wobei zur Anima nicht nur an den Filmen gearbeitet wird. Rolf Birn hat auch ein umfangreiches Rahmenprogramm organisiert, um den Gästen die Stadt vorzustellen, die reich an Trickfilmgeschichte und Kunst und Kultur ist. „Und vielleicht entstehen ja wieder preisverdächtige Filme. Fast wäre ich ein bisschen enttäuscht, wenn dies nicht so wäre“, erklärt der Anima-Vater.

Doch bevor die etwa zwei Minuten langen Filme auf Festivals reisen, werden sie heute der Öffentlichkeit präsentiert. Auch das ist Tradition.

Öffentliche Präsentation, 8. Februar, 19Uhr, Medienkulturzentrum, Schandauer Str. 64, Eintritt ist frei.