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Ein Trinkhalm-Verbot reicht nicht! 

Detlef Drewes, SZ-Korrespondent in Brüssel, kommentiert den Plastikbeschluss der EU. Wenn Europa wirklich etwas für die Umwelt tun will, muss es mutiger sein und an alten Regeln rütteln.

© dpa

Ob die Rettung der Meere tatsächlich mit dem Griff zum (Plastik-)Trinkhalm gelingt, darf bezweifelt werden. Aber die EU-Staaten haben Recht, wenn sie mit Druck dafür sorgen, dass zunächst einmal solche Artikel vom Markt genommen werden, die leicht ersetzbar sind. So weit, so gut. Doch bei den nächsten Schritten ist mehr Mut gefragt. Denn dann werden Recyclingquoten für die EU-Länder nötig sein – ebenso wie eine Strategie, die klar macht: Kunststoff ist zwar ein wertvoller Stoff. Aber er sollte nur dort eingesetzt werden, wo er (noch) gebraucht wird. Und seine Entsorgung muss besser geregelt werden.

Natürlich sind Verkaufsverbote auf einem freien Binnenmarkt immer ein zwiespältiges Instrument. Aber die jetzt schon erkennbaren Auswirkungen dieser Plastik-Attacke belegen, dass manchmal schon eine Ankündigung reicht, um ein Umdenken zu bewirken. In Einkaufsmärkten tauchen plötzlich Alternativen zu den dünnen Plastikbeuteln für Obst und Gemüse auf. Rührstäbchen tun auch dann ihren Dienst, wenn sie aus Holzabfällen hergestellt wurden. Und der Kaffee schmeckt aus einem Pappbecher genauso gut.

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SZ-Korrespondent in Brüssel: Detlef Drewes.
SZ-Korrespondent in Brüssel: Detlef Drewes. © Montage: SZ-Bildstelle