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Döbeln

Trinkwasser könnte knapp werden

Eine Studie beleuchtet das Grundwasservorkommen in Ostrau. Auch der Nitratgehalt gibt Anlass zur Sorge.

In etwa 80 Jahren wird sich die Neubildung von Grundwasser deutlich verringern.
In etwa 80 Jahren wird sich die Neubildung von Grundwasser deutlich verringern. © Symbolfoto: Lukas Schulze/dpa

Ostrau/Döbeln. In etwa 80 Jahren könnte im Raum Ostrau die Trinkwasserversorgung, die aus dem Grundwasser bereitgestellt wird, nicht mehr ausreichen. 

Das ist das Ergebnis einer Studie, die Mitarbeiter des Thüringer Institutes für Nachhaltigkeit und Klimaschutz (Think) und das Jenaer Ingenieurbüro Geos, erarbeitet haben. Untersucht wurde, wie die Sicherung der Wasserversorgung im Landkreis Mittelsachsen langfristig unter Beachtung der Auswirkungen des Klimawandels, insbesondere in Not- und Krisensituationen, sichergestellt werden kann. Vorgestellt wurden die Ergebnisse der Studie am Donnerstagvormittag Vertretern der Wasserzweckverbände der Region und des Landratsamtes.

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Ein Schwerpunkt der Untersuchung war dabei, wie sich die Wasservorräte im Ostrauer Becken, speziell in der Jahna-Aue, bis zum Ende dieses Jahrhunderts entwickeln. Die Ingenieure nutzten verschiedene Klimamodelle und präsentierten einen Ausblick, der aufhorchen lässt. „Betrachtet über einen Zeitraum der vergangenen

50 Jahre, war der Grundwasserspiegel im Ostrauer Becken relativ stabil und deckt bis heute den Bedarf mehr als ausreichend“, erläuterte Geos-Ingenieur Sebastian Richting. Aktuell würden etwa Drei Achtel des vorhandenen Grundwassers genutzt.

Wegen der klimatischen Veränderungen sei aber davon auszugehen, dass sich bis 2050 nur noch 50 bis 60 Prozent an Grundwasser neu bilden wird. Bis zum Jahr 2100 sinke dieser Wert auf dann nur noch etwa 15 bis 25 Prozent. Zum Ende dieses Jahrhunderts werden deshalb nur noch etwa 30 bis 60 Prozent des Grundwassers zur Trinkwassernutzung bereitstehen, erläuterte er.

„Dazu kommt auch noch, dass die Nitratbelastung im Grundwasser bereits jetzt mit bis zu 30 Milligramm pro Liter viel zu hoch ist“, macht er deutlich. Als Schwellenwert gilt europaweit 50 Milligramm pro Liter. „Wenn also viel zu wenig neues Grundwasser gebildet wird, steigt auch die Nitratkonzentration im Wasser und sorgt schließlich dafür, dass es nicht mehr als Trinkwasser aufbereit- und nutzbar ist. Die Mangelsituation wird sich demnach noch weiter verschärfen“, so Richting.

Untersucht wurde unter diesen Gesichtspunkten auch das Rochlitzer Land. Dort stelle sich die Situation nicht ganz so dramatisch dar. „Aktuell wird etwa Einfünfundzwanzigstel des vorhandenen Grundwassers genutzt. Aber auch hier wird sich die Neubildung in den nächsten Jahrzehnten deutlich verringern: bis 2050 werden nur noch etwa 40 bis 60 Prozent, bis 2100 sogar nur noch acht bis zwölf Prozent des Grundwassers neu gebildet“, zeigt Richting auf. 

Im Rochlitzer Land könnte zwar dennoch der Bedarf weiterhin gedeckt werden, doch auch hier verschärfe sich die Lage aufgrund des zu hohen Nitratgehaltes. Zwar müsse in die Berechnungen auch der anzunehmende Bevölkerungsschwund einkalkuliert werden, der den Verbrauch senken wird. „Gleichzeitig aber wird aufgrund des heißeren und trockeneren Klimas der Bedarf an Wasser in der Landwirtschaft stärker wachsen, wenn Felder bewässert werden müssen“, gab er zu bedenken.

ZWA setzt auf Fernwasser

„Die bisherigen Maßnahmen, die bundesweit ergriffen wurden, um die Nitratwerte zu senken, haben keine Veränderung gebracht“, erklärte er, warum es jetzt wichtig sei, dass die Verantwortlichen entsprechende Maßnahmepläne erarbeiten und diese auch umgesetzt werden müssen. Beispielsweise müssten mehr Trinkwasserschutzgebiete bestimmt und die Nitratbelastung stärker verringert werden.

„Wir setzen bei der zuverlässigen Bereitstellung von Trinkwasser aktuell und auch in Zukunft auf Fernwasser. Denn die Verfügbarkeit und Qualität des Wassers aus dem Erzgebirge ist besonders gut“, sagte dazu Ulrich Pötzsch, Technischer Geschäftsleiter des Zweckverband Kommunale Wasserver- und Abwasserentsorgung „Mittleres Erzgebirgsvorland“. Weiterhin müssten sowohl in seinem Haus als auch im Landratsamt Mittelsachsen mehr Fachleute eingestellt werden, die sich mit diesen Herausforderungen beschäftigen. „Wir brauchen dringend Hydrologen. Grundwasserschutz hängt vom Wollen und Können, aber eben auch von Personen ab“, so Pötzsch.

Stephan Baillieu, Geschäftsführer des Wasserverbandes Döbeln-Oschatz, erläuterte, dass in seinem Verband aktuell das Wasserkonzept bis 2030 überarbeitet werde und die Ergebnisse der Studie berücksichtigt werden müssen. Bisher habe man angenommen, dass die Klimaentwicklung künftig für milde und eher nasse Winter und somit für mehr Niederschläge sorgen wird. „Dass das nicht der Fall sein soll, überrascht uns“, so Baillieu. Zum Thema Nitrat wolle er zudem verstärkt mit der Landwirtschaft ins Gespräch kommen.

Der viel zu heiße und extrem trockene Sommer des vergangenen Jahres war nur ein Vorgeschmack auf das, was in den nächsten Jahrzehnten zur Normalität gehören wird. „Wenn wir uns die Klimamodelle anschauen, sehen wir, dass es Jahre geben wird, in denen es sogar noch heißer und auch viel trockener sein wird. Der Klimawandel ist da“, machte Jacob Mercker vom Thüringer Institut für Nachhaltigkeit und Klimaschutz (Think) unmissverständlich deutlich. Somit sei nicht nur der Vorausblick, sondern auch dringender Handlungsbedarf nötig.

Finanziell ermöglicht wurde die Studie dank des EU-Projektes Life Local Adapt. Innerhalb dieser Aktion hat das sächsische Umweltministerium einen Wettbewerb unter dem Motto „Klimaanpassung in sächsischen Kommunen“ ausgerufen. Darin können Pilotprojekte gefördert werden, in denen Konzepte zur Anpassung an den Klimawandel erstellt werden. Der Landkreis Mittelsachsen hatte sich im Jahr 2018 erfolgreich um die Förderung eines solchen Pilotprojektes beworben. Die erarbeitete Studie wird mit einem Budget von etwa 30 000 Euro zu 100 Prozent durch das EU-Förderprogramm LIFE sowie das Sächsische Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) gefördert.

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