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Trockene Zeiten, trübes Wasser

Wie wir künftig in dieser Trockenheit ausreichend Trinkwasser bekommen und wie gut es dann noch ist. Teil 4 unserer Serie "Sachsens trockene Jahre".

Die Talsperre Lehnmühle ist wegen der Trockenheit nur zum Teil gefüllt.
Die Talsperre Lehnmühle ist wegen der Trockenheit nur zum Teil gefüllt. © Egbert Kamprath

Es sind klägliche Rinnsale nur. Was wochenlang in die Talsperren hineintröpfelte, ist nicht mehr Fluss zu nennen. Wie müssen da die Staumeister von den Gewittern am Wochenende begeistert gewesen sein. Zumindest kleine Bäche strömten dann wieder in die Stauseen. 

Die sind wichtig. Sachsen bekommt von dort sein Trinkwasser. Trocknet dieses Reservoir aus, gibt’s ein richtiges Problem. Rund 40 Prozent allen Trinkwassers kommt in Sachsen aus den Talsperren. Deutschlandweit sind es nur zehn Prozent. Sachsen ist ein Talsperrenland und muss lernen, mit den neuen Gegebenheiten im Klimawandel umzugehen. Es sind Dürre und Hitze, aber auch Starkregen und Fluten. Und manchmal alles zugleich.

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Erst fließen tagelang nur wenige Liter in der Sekunde in die großen Stauseen hinein. Dann aber, mit dem Starkregen, wird es binnen Minuten zehnmal mehr. So wie am vergangenen Wochenende, als einzelne Gewitter die Wassereinzugsgebiete der Talsperren querten. Wirklich etwas grundsätzlich geändert an der Situation mit den Trinkwasserspeichern hat das aber nicht. Viel Sonne und starker Wind, das werden die Talsperren zu spüren bekommen. Ihnen geht viel Wasser verloren.

Schlamm, Algen und warmes Wasser

„Wenn da nicht ordentlich was an Regen hinterherkommt, ist in zwei, drei Tagen wieder Schluss mit dem guten Zulauf“, sagt Eckehard Bielitz. In der Landestalsperrenverwaltung ist er für den Bereich Wasserwirtschaft zuständig. Wie voll, wie leer die Talsperren sind, das geht ihn an. Wie gut das Wasser darin ist, ebenso. In Trockenzeiten wie diesen verderben Schlamm, Sedimente und Algen das Wasser.

„Die Bewirtschaftung der sächsischen Talsperren ist in den letzten Jahren komplizierter geworden. Wir müssen sehr flexibel und vor allem schnell reagieren.“ Das klingt nach Standardfloskel, ist hier aber wörtlich zu nehmen. Es entscheidet darüber, ob wir künftig noch genügend Trinkwasser aus den Bergen bekommen. 

Und auch, wie gut das Wasser ist. Flexibel heißt, zwischen Hochwasserschutz und Trinkwasserspeicherung abzuwägen. Gütemessstellen müssen dafür schnell, innerhalb von Minuten, die richtigen Entscheidungen treffen: Das heranflutende Wasser in die Talsperre einfangen, oder es vorbeirauschen lassen? Weil eben zu viel Sedimente und Verschmutzungen darin sind. Die Wasserqualität im Stauraum ist letztlich fürs Trinkwasser entscheidend. Rund um die Uhr, sieben Tage die Woche, gibt es Dienste an den Talsperren. 

Die Messwerte vom Zufluss laufen automatisch und schlagen Alarm, wenn die Daten außerhalb der Norm geraten. Talsperrenmeister und Wasserwerke entscheiden dann, ob und wie viel von den Sturzfluten des Starkregens aufgefangen wird. „Eine harte Entscheidung ist dies schon, Wasser vorbeifließen zu lassen, obwohl die Speicher es eigentlich benötigen“, sagt Eckehard Bielitz. Die Wasserqualität habe eben Vorrang. Und Trinkwasser wiederum hat Vorrang vor allen anderen Wassernutzungen.

Die Talsperren sind am Ende die großen Verlierer

2020 ist anders als das erste Dürrejahr 2018. Da hatte der Winter immer noch die Becken gefüllt. Die Talsperren waren zum Frühjahr voll. Nun aber liegen die meisten Staubecken zwischen 80 und 90 Prozent, und der Sommer hat eben erst begonnen. Das Wasserdefizit wird jetzt mitgeschleift und die Wasserqualität nimmt ab. Vor allem aber wird der Aufwand in den Wasserwerken damit künftig deutlich größer.

In Trockenzeiten wie diesen sind die Talsperren am Ende die großen Verlierer. „Sie bekommen nur das, was andere übrig lassen“, sagt Bielitz und meint damit Boden, Pflanzen und Verdunstung. „Wenn der Niederschlag wie in diesem Jahr bei nur 80 Prozent liegt, dann beträgt der Zufluss zur Talsperre am Ende nur noch 40 Prozent. Das ist viel weniger als 2018.“

Je nach Jahreszeit, je nach langfristiger Witterung müssen die Staubecken abgelassen oder gefüllt werden. Braucht der Flutschutz ein möglichst leeres Becken, dann sollte es für die stabile Trinkwasserversorgung möglichst voll sein. Eine Art Poker mit dem bevorstehenden Wetter beginnt. Mal gewinnen die Talsperren, mal die Gewitter. Neue Supercomputer beim Deutschen Wetterdienst und Forschungsprojekte wie der Dürremonitor vom Umweltforschungszentrum Leipzig erhöhen die Chancen für die Talsperren.

© Landestalsperrenverwaltung Sachsen

Es gelingt immer besser, langfristig die richtigen Entscheidungen zu treffen. Damit wäre es beispielsweise möglich, vor einer langanhaltenden heißen Dürreperiode wie 2018 zu warnen. Derzeit kommen keine solchen Warnungen bei Eckehard Bielitz an. Aber der tägliche Wechsel zwischen regional ganz kleinen, dafür heftigen Starkregen einerseits und der weiträumigen Trockenheit andererseits zwingt zu Entscheidungen, die für jede Talsperre anders ausfallen. Und auch der jetzige Füllstand ist bei jeder einzelnen Talsperre ein anderer. Stollberg hat lediglich 75 Prozent im Speicher, Gottleuba 83 und Bautzen 81 Prozent. Die Talsperre Lehnmühle bei Frauenstein kommt derzeit nur auf gut ein Drittel ihres eigentlichen Füllstandes.

as aktuelle Foto oben ist vom Mittwoch. Lehnmühle spendiert Wasser an die Talsperre Klingenberg. Die ist zu 91 Prozent gefüllt und für die Trinkwasseraufbereitung der Drewag in Dresden extrem wichtig. Eine fast volle Talsperre ist wesentlich besser als zwei halb leere, wegen der Wasserqualität. Ganz andere Probleme hat Cranzahl am Fichtelberg. Der Winter in diesem Jahr war ausgefallen und mit ihm der Schnee. Aber genau davon holt sich Cranzahl das Wasser. 61 Prozent sind gerade noch drin. Zu wenig für einen langen, heißen Sommer, um die Region Annaberg-Buchholz zu versorgen.

Ein Krisenstab ist hier tätig. Und eine Notverbindung, ein Rohr von einem alten Bergwerk mit Grubenwasser herüber bis in die Talsperre, wurde bereits verlegt. Zwölf Liter die Sekunde werden nun dort hineingepumpt. Nicht viel, aber wenigstens etwas. So viel wie ein kleiner Bach, und doch mehr, als manch große Talsperre derzeit in der Trockenzeit von ihrem Zulauf bekommt.

Tunnel und Pumpwerke fürs Wasser

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Trockenzeiten wie diese werden wiederkommen, und öfter. Die Landestalsperrenverwaltung plant derzeit ein großes Ausbauprogramm. Das Verbundsystem zwischen den Talsperren soll in den kommenden Jahren deutlich verbessert werden „Es ist ja nicht so, dass Sachsen zu wenig Wasser hat, nur eben nicht immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, sagt Eckehard Bielitz. Neue Staubecken seien dafür nicht nötig, aber Kanäle und Pumpwerke für neue Leitungen über die Berge, auch Tunnel durch die Berge hindurch. Dies soll die Talsperren von einem Tal zum anderen verbinden. Es ist ein Stück Klimaanpassung und wird die Trinkwasserversorgung in den kommenden Jahrzehnten sichern. Es ist die dringend nötige Vorbereitung auf künftig öfter so trockene Zeiten wie diese.

Lesen Sie morgen in der Serie „Sachsens trockene Jahre“ den 5. Teil und Abschluss, was hier künftig überhaupt noch wächst. 

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