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Trockene Zeiten, welke Pflanzen

Was der Regen jetzt rettet, und warum die Dürre noch auf Monate hinaus Gärten, Felder und Wälder stresst. Teil 5 der Serie "Sachsens trockene Jahre".

Getreide wie Rogen oder Weizen holen sich das Wasser auf zwei Meter Tiefe.
Getreide wie Rogen oder Weizen holen sich das Wasser auf zwei Meter Tiefe. © Jan Woitas/dpa

Voller Wasser sind Elbe und Neiße. Und schwere Gewitter ziehen übers Land. In Bertsdorf bei Zittau haben die Wolken innerhalb einer Woche bis Donnerstagvormittag 50 Liter auf jeden Quadratmeter ausgekippt. Aber eben nur dort. Selbst von einer Ecke zur anderen in Dresden gibt es krasse Unterschiede. Im Norden der Stadt waren es innerhalb einer Woche lediglich sechs Liter, im Süden um die 15 und an einem kleinen Fleck im Südosten 30 Liter. Oschatz, Bautzen und Hoyerswerda überbieten sich indes beim Wassermangel. Drei bis vier Liter Regen in sieben Tagen gibt es da nur, mehr nicht.

Da kommt fast nichts in den Boden, es bleibt kaum etwas für die Pflanzen. Das meiste holt sich die Verdunstung bei diesen Temperaturen. Mal ganz davon abgesehen, dass immer noch ein halber Jahresniederschlag fehlt; dass ab einem halben Meter Bodentiefe absolute Dürre herrscht. Der digitale Dürremonitor des Umweltforschungszentrums Leipzig zeigt, wie sich die Trockenheit im Boden trotz dieser Gewitter weiter ausgebreitet hat – bis auf wenige Ausnahmen im Erzgebirge, im Zittauer Gebirge und Vogtland.

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Ein außergewöhnlicher Zustand

Außer diesen Regionen erscheint ganz Sachsen tief dunkelrot, mehr als jedes andere Bundesland. Nein, es ist diesmal keine extreme Dürre, diese Dürre ist außergewöhnlich, steht dazu in den Erklärungen. Trockener als trocken geht nun nicht mehr. Dass überhaupt noch etwas auf diesem Boden wächst, das ist die gute Seite der Unwetter. „Die Pflanzen sind jetzt auf die tagesaktuelle Witterung angewiesen“, sagt Dan Paul Zederer, Referent Pflanzenbau im Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. 

Die Trockenheit und der Trockenstress der Pflanzen ist eines seiner Themen. Der wöchentliche Dürrebericht ans Umweltministerium ebenso. Pflanzen könnten eine Trockenzeit von sogar einigen Wochen überstehen – mit dem normalerweise im Boden gespeicherten Wasser. Jetzt aber würden die Pflanzen ohne neuen Regen kaum drei Tage überleben. Alles, was ihnen an Wasser zur Verfügung steht, muss sofort, muss kontinuierlich vom Himmel fallen. Es gibt keinen Puffer mehr.

© ReKIS LfULG

Was die Natur an Wasser braucht, ist enorm. Thomas Wöhling misst das. Er erforscht als Hydrologe an der TU Dresden eigentlich die Grundwasserströme. Doch auch was die Natur mit dem Wasser sonst so macht, interessiert ihn nicht weniger. Zehn, zwölf Meter hoch steht die Fichte in seinem Vorgarten. Mit Wurzeln zehn Meter weit im Durchmesser, einen Meter wohl tief. Diese Fichte ist anders als andere. In ihrem Stamm stecken Elektroden. Empfindliche Sensoren, die messen, was in dem Baum passiert. Wie viel Wasser er an einem Tag trinkt, oder besser säuft. Dieser eine Baum braucht derzeit täglich an die 150 Liter, berichtet Wöhling. Die Fichte zieht das Wasser aus dem Boden, solange dort noch etwas zu holen ist.

Dieser Baum verbraucht in seinem Einzugsgebiet ein Drittel des Jahresniederschlags. Thomas Wöhling macht die Fichten-Rechnung auf: 150 Liter bei rund 80 Quadratmetern Einzugsgebiet. Das wären tagtäglich etwa zwei Liter Wasser je Quadratmeter. Es müsste aber weitaus mehr als das regnen, weil Verdunstung und Abfluss das Wasser reduzieren. Vier Millimeter Niederschlag am Tag wären das etwa, das haben die letzten regenreicheren Tage flächendeckend nur im Laufe einer ganzen Woche hinbekommen. Diese Fichte aber hat Glück so nahe am Bach. Für andere Bäume beginnt jetzt der Trockenstress, sie werden anfällig für Krankheiten und Borkenkäfer. Die Berichte in der SZ über den katastrophalen Zustand der Wälder zeigen es von Woche zu Woche mehr.

Mehr Wasser für die Bäume

Etwas besser geht es da den Obstbäumen, Etwa 60 Zentimeter tief ragen deren Wurzeln ins Erdreich, berichtet Christian Kröling. Im Landesumweltamt ist er für den Garten- und Obstbau zuständig. Seine Forschungsfelder befinden sich in Dresden-Pillnitz. Die Winterniederschläge 2017 und auch 2018 konnten den 60-Zentimeter-Bodenspeicher füllen. „Das hatte über die Dürre der letzten beiden Jahre gerettet“, sagt Kröling. „Nur, jetzt ist alles anders.“ Die Speicher im Boden wurden im letzten Winter nicht aufgefüllt. Und den Obstbäumen geht es nun so gut oder so schlecht, wie es eben aktuell etwas Regen gibt.

Blütenbildung, Knospen und auch die Fruchtentwicklung sind die wassersensiblen Phasen. Die Kirschen haben sie halbwegs gut überstanden. Bei den Äpfeln ist dies noch offen. Zwischen Mai und September braucht eine Apfelplantage etwa 700 Millimeter Niederschlag, also 700 Liter Wasser je Quadratmeter. Normalerweise. Unter den aktuellen Bedingungen von heute mit den wärmeren Tagen, mit mehr Wind, mehr Sonnenstunden steigt der Wasserbedarf auf 900 Liter. Das wiederum ist deutlich mehr, als beispielsweise in der Apfelregion Borthen bei Dresden im langjährigen Jahresmittel als Regen ankommt. Das bedeutet Bewässerung. Tröpfchenweise am besten, sagt Christian Kröling.

© ReKIS LfULG

Seine Kollegen auf den Versuchsfeldern des Landesumweltamtes in Nossen suchen nach anderen Möglichkeiten. Sie wollen nicht mehr Wasser auf die Felder bringen, das geht in Trockenzeiten ja sowieso schlecht. Sie wollen das wenige Regenwasser im Boden halten, statt wie bisher zu einem Drittel und mehr abfließen zu lassen. Mulch ist hier die Zauberformel. Stroh oder Klee oder Pflanzenreste halt. Zerkleinert und auf den Boden gebracht können Wasser festhalten.

Im großen Gewächshaus der Forscher fahren 52 Töpfe mit dem Förderband an Waage, Berieslung und Thermometer vorbei. Jeder Topf bekommt seine eigene Dosis. Wissenschaftliche Versuche im Gewächshaus sollen Daten bringen, was wirklich hilft, berichtet Beatrix Trapp von der Versuchsbasis Pflanzenbau. „Wir wollen die Auswirkungen des Klimawandels hier durch die Reduzierung des zur Verfügung stehenden Wassers simulieren.“ 

Klimaanpassungsversuch nennt sich so etwas und findet parallel dazu draußen auf den Versuchsfeldern an einem Hügel vor Nossen statt. Unten im Tal fangen die Wissenschaftler vom Landesumweltamt das wegfließende Regenwasser auf. So wissen sie auch, welcher Mulch am besten das Wasser auf dem Feld hält. Und das in ganz realer Realität – in der Natur mit ihrer Dürre und mit dem Starkregen.

Bereits in der Serie erschienen:

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