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Kündigt sich eine neue Dürre an?

Die Trockenheit weckt schlimme Befürchtungen bei den Landwirten. Die Wahrheit liegt in 1,80 Metern Tiefe.

© SZ Grafik

Wird dieses Jahr wieder so heiß und trocken wie die vergangenen zwei? Diese Frage beschäftigt Landwirte, Forstleute oder Gärtner gleichermaßen. Staubtrocken liegen die Felder dar und in den Wäldern knistert es vor Trockenheit. Eine Wetterwende ist aus Sicht der Meterologen für die Oberlausitz nicht zu erwarten. Prognosen bescheinigen dem April eine Schönwetterperiode bei steigenden Temperaturen.

Der April brachte bisher 0,9 Liter Niederschlag auf den Quadratmeter in Görlitz. Das macht zwei Prozent vom langjährigen Mittel aus. Im März fielen nur 71 Prozent der sonst üblichen Regenmenge vom Himmel, Im Januar war es nur die Hälfte. Laut Wetterkontor war nur der Februar regenstark. Mit fast 100 Litern erreichte er 270 Prozent der für den Februar üblichen Menge. 

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Grünfutter fehlt das Wasser

Der Februar-Regen ist aber bei weitem nicht ausreichend, um das Wasserdefizit im Erdboden wieder wett zu machen. Roland Lätsch als Vorsitzender der Agrargenossenschaft Nieder Seifersdorf sagt, dass man regelrecht zuschauen kann, wie das Futter zusammentrocknet. Die Agrarbetriebe, die Viehwirtschaft betreiben, erwarten in diesen Tagen den ersten Grünschnitt zum Futter machen.  "Das Grünfutter sieht zwar noch grün aus, aber die Spitzen sind inzwischen bis zu zehn Zentimeter Stroh. Es ist eine Katastrophe derzeit", berichtet der Landwirt. Denn kann nicht genügend Grünfutter eingelagert werden, muss die Agrargenossenschaft zukaufen, um ihre 400 Kühe optimal zu ernähren. Hinzu kommt, so Lätsch, dass durch die beiden vergangenen trockenen Jahre die Agrargenossenschaft keine Reserven anlegen konnte, die ihr jetzt übers Jahr helfen würden. 

Sandige und wasserdurchlässige Böden

Kein anderes Bild in der Agrargenossenschaft See. "Wir stehen wieder vor dem gleichen Dilemma wie 2018 und 2019", sagt Tobias Kärber. Er leitet die Feldproduktion. Auch auf seinen Grünflächen lassen die Grashalme ihre ausgetrockneten Spitzen hängen. "Wir brauchen die Woche fünf bis zehn Millimeter Niederschlag, um über die Runden zu kommen", erklärt der Landwirt. Dabei verweist er auf die vorwiegend sandigen und wasserdurchlässigen Böden, die die Seer bewirtschaften.    

Torsten Krawczyk als Präsident des Sächsischen Landesbauernverbandes (SLB) kennt die Nöte der Landwirte. Auch wenn er von einer Trockenheit und keiner Dürre spricht, "... schauen wir doch sorgenvoll auf das Wetter".  Fällt weiterhin kein Tropfen vom Himmel, wird eine Dürre immer wahrscheinlicher. Jetzt sind davon besonders die Milchbauern betroffen. Weniger Futter von den Grünflächen verschärft die ohnehin schon wegen des niedrigen Milchpreises angespannte Situation, sagt der Präsident.

Genügend Futter und Sicherheit

Der Landesbauernverband bereitet sich auf eine mögliche Dürre vor. Wie Torsten Krawczyk erläutert, finden bereits Absprachen mit den entsprechenden sächsischen Ministerien statt. Dabei geht es nicht nur darum, genügend Futter in den Ställen zu haben, sondern auch um eine wirtschaftliche Absicherung der Betriebe.

Staubige Böden bis zum Horizont. Die Landwirte befürchten, wieder ein trockenes Jahr vor sich zu haben.
Staubige Böden bis zum Horizont. Die Landwirte befürchten, wieder ein trockenes Jahr vor sich zu haben. © Armin Weigel/dpa

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Dass die Dürre dieses Jahr kommen kann, liegt für das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung auf der Hand. Schaut man auf den vom Institut in Leipzig täglich aktualisierten Dürre-Monitor, so bekam die Oberlausitz bereits die Einstufung "außergewöhnliche Dürre" als die höchste von insgesamt fünf Trocken-Klassen. Während der Oberboden im nördlichen Landkreis eine "moderate Dürre" (Klasse 2) aufweist, ist der Boden südlich der Autobahn bereits ein Fall für "schwere Dürre" (Klasse 3).  Das zeigt sich auch in der Menge des pflanzenverfügbaren Wassers im Oberboden. Im mittleren und südlichen Landkreis ist nur noch die Hälfte der sonst üblichen Menge vorhanden.  Dringt man in tiefere Schichten vor, so zeigt sich laut Institut in 180 Zentimetern Tiefe für die Oberlausitz eine "außergewöhnliche Dürre", die sich nachteilig auf den Grundwasserhaushalt auswirkt. 

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