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Trockenheit schadet Honigernte

Am Wetter können die Imker im Landkreis Görlitz nicht drehen. Aber andere Probleme lassen sich ihrer Ansicht nach lösen.

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© Steffen Gerhardt

Von Wulf Stibenz und Anja Gail

Zu Jahresbeginn mussten viele Imker große Verluste bei ihren Bienenvölkern hinnehmen. Hauptgrund war der Befall mit der Varroamilbe, ein aggressiver Parasit. Doch inzwischen hat sich das Blatt wieder zum Positiven gewendet. Das sagt auch Bernd Barthel, Vorsitzender des Imkervereins in Niesky. Er betont aber: „Die Honig-ernten sind dieses Jahr unterschiedlich gut.“ Während einige Imker hervorragende Ergebnisse erzielen, gibt es auch Kollegen, die im Vergleich zu den Vorjahren mit einer schlechten Ausbeute aufwarten. „Eine gute Honigernte brachten Feldfrüchte wie Raps und Buchweizen, aber auch Obst und Lindenbäume“, sagt der Imker.

Das Hauptproblem vieler Bienenfreunde zwischen Bad Muskau und Niesky: Im Frühjahr fehlten nicht nur durch den Parasiten, sondern auch durchs Wetter viele Bienenvölker. Entsprechend groß ist der Aufwand gewesen, neue Völker heranzuzüchten. Zusammen mit einem Zukauf hat Bernd Barthel zurzeit 16 neue Völker. Im Großen und Ganzen sind zurzeit die meisten Imker mit ihrer Arbeit und der der Bienen zufrieden.

Entsprechend gut bestückt sind die Verkaufsstellen der Region mit Honig aus der Lausitz. Allerdings sagt etwa Imker Herbert Kunth aus Friedersdorf, dass es bei einigen Sorten in diesem Jahr Engpässe gebe. So können einige der Pflanzen, die viel Feuchtigkeit benötigen, bei mehreren Hitzewellen hintereinander nicht gedeihen. Laut Herbert Kunth gebe es dann einfach zu wenig Nektar in den Blüten. Doch auch hier gibt es keine Pauschalaussage. Das kann von Dorf zu Dorf unterschiedlich sein. Auch bei Herbert Kunth ist es mit der Linde so gewesen. Er hat keine Ernte. Und gleich im Nachbarort Jauernick-Buschbach war Franz Burkhardt dabei, den ersten Lindenblütenhonig zu schleudern. Er freue sich in diesem Jahr über eine sehr gute Honigernte, sagt der Rentner, der vor 73 Jahren mit der Imkerei angefangen hat.

Von einer mäßigen bis guten Ernte sprechen die Imker im Raum Reichenbach und Sohland. Hier hatte die Varroamilbe besonders viel Schaden angerichtet. Die alten Bienen-Bestände seien zwar fast wieder aufgeholt worden, sagt Hans Hiecke aus Oehlisch. Viele Imker hätten ihre Völker geteilt und sich so geholfen. Aber sie müssten dennoch auf der Hut sein und schon nach der Honigernte handeln. Ein bewährtes Mittel gegen die Milbe sei Ameisensäure, erklärt der Rentner. Auch bei ihm habe sich die Trockenheit mit einem totalen Ausfall bei der Ernte von Lindenblütenhonig bemerkbar gemacht. Dafür sehe es jetzt mit dem Kornblumenhonig gut aus.

Die sachsenweit überdurchschnittlich gute Honigernte gibt es im Bereich des Landkreises nicht. Das bekommen auch die Kunden zu spüren, wenn sie einzelne Sorten aus heimischer Herstellung weniger als sonst kaufen können. Viel Nektar entsteht in den Blüten eben nur, wenn das Wetter feuchtwarm ist. Die Bienen würden natürlich das schöne und warme Wetter zum Fliegen benötigen, sagt Imker Günter Hain aus Sohland. Aber die Feuchtigkeit fehle zu bestimmten Zeiten. Auch er gibt die Hauptschuld am Bienensterben rund um den Rotstein der Varroamilbe. Aber es würden immer mehrere Umstände wirken. Der Mensch könne dabei nicht alles beeinflussen. Wenn der Herbst zu mild ist, gehen die Bienen geschwächt in den Winter und sind anfällig für Ungeziefer wie die Milben. Aber das Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln sei ein Beispiel, wo Gärtner und Landwirte in der Verantwortung stehen.

Das sieht auch Hans Hiecke aus Oehlisch so. Er hat schon mehrfach tote Bienen in einem Institut untersuchen lassen und Vergiftungen als Ursache bestätigt bekommen. Darüber machen sich viele Imker im Landkreis Sorgen. Herbert Kunth aus Friedersdorf hat noch eine weitere einseitige Entwicklung beobachtet, die den Bienen schadet. Das sind die Monokulturen auf den Feldern. Die Vielfalt der Blüten würde doch zählen, sagt er. Auch Bienen würden Abwechslung benötigen.

Die Zahl der in Sachsen gehaltenen Bienenvölker hat einen Rekordwert erreicht. „Wir haben im vergangenen Jahr 44 379 Bienenvölker in Sachsen gezählt“, hat Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt gesagt. Das sind zwölf Prozent mehr als 2013. Der Politiker führt das auf die 2004 begonnene Neuimkerförderung zurück, wonach jeder Neueinsteiger einen Zuschuss von 100 Euro je Bienenvolk für maximal fünf Völker erhalten kann. Immerhin 5 128 Imker gibt es im Freistaat.