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Trommeln mit dem Schienen-Hai

Die Grünen lassen wieder einen Personenzug zwischen Döbeln und Meißen fahren. Beeindruckt das die Blockierer?

Der „Schienen-Hai“ auf dem Döbelner Hauptbahnhof. Rund 150 Leute sind mit dem Sonderzug der Grünen zwischen Döbeln und Meißen gependelt.
Der „Schienen-Hai“ auf dem Döbelner Hauptbahnhof. Rund 150 Leute sind mit dem Sonderzug der Grünen zwischen Döbeln und Meißen gependelt. © Foto: Dietmar Thomas

Martin Müller ist um 5.45 Uhr in Berlin Lichtenberg losgefahren. Jetzt steht der Triebwagenführer mit seinem „City-Shark“, wie der Zug wegen seiner markanten Frontpartie heißt, in Döbeln an der Bahnsteigkante. Die Grünen wollen mit dem „Schienen-Hai“, der sonst Fahrgäste auf den Linien der Niederbarnimer Eisenbahn befördert, für die Wiederaufnahme des Personenverkehrs zwischen Döbeln und Dresden trommeln. Das Interesse ist groß. „Wir mussten aufpassen, dass der Zug nicht zu voll wird“, sagt Sebastian Walter, der für die Grünen im Mittelsächsischen Kreistag sitzt. Eine Menge Leute drängen sich auf die 150 Plätze im Zug, der an diesem Sonnabend zweimal zwischen Döbeln und Meißen pendeln wird. In der Region sei kein Triebwagen zu bekommen gewesen, sagt Matthias Böhm von den Grünen, der auch Gesellschafter der Nossen-Riesaer Eisenbahn-Compagnie ist, die die Eisenbahnstrecke zwischen Döbeln und Meißen betreibt. Die Grünen lassen sich die Aktion einen höheren vierstelligen Betrag kosten, wie Böhm sagt. Während der Fahrt werden Spenden eingesammelt.

Steffi und Hagen Heiduck aus Leisnig sind mit ihrer vierjährigen Tochter Mathilda in den Zug eingestiegen. „Wir haben ein aufblasbares Boot dabei und wollen von Nossen aus die Mulde hinunterpaddeln“, erzählt Hagen Heiduck. Es ist aber nicht nur der Freizeitaspekt, der die Familie umtreibt. „Wir wünschen uns sehr, dass die Zugverbindung wieder besteht. Wir haben früher in Leipzig gelebt und sind sehr viel mit der Bahn gefahren. Von Leisnig aus ist das schwieriger. Wir würden die Bahn gern wieder mehr nutzen“, sagt Steffi Heiduck. Oma und Opa wohnen zudem in Dresden. „Die könnten dann direkt zu uns fahren.“

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Hinter den Kulissen verhandeln Staatsregierung, Verkehrsverbünde und Landkreise zäh über die Wiederaufnahme des Personenverkehrs. Die Grünen wollen politischen Druck aufbauen. In Nossen ist ein längerer Halt eingeplant. Redezeit. Peter Wunderwald, Autor von Eisenbahnliteratur und Mitglied im Meißner Kreistag, wettert gegen seinen Landrat Arndt Steinbach (CDU) und den Verkehrsverbund Oberelbe (VVO). „Die stehen gewaltig auf der Bremse.“ Böhm verweist auf den landesplanerischen Aspekt. Döbeln als Mittelzentrum könne mit der schlechten Verkehrsanbindung seine Aufgabe nicht erfüllen. Jetzt kommt auch noch der Landesrechnungshof nach Döbeln. „Da muss die Erreichbarkeit sichergestellt werden.“

Auch Steffi und Hagen Heiduck aus Leisnig sind mit ihrer vierjährigen Tochter Mathilda eingestiegen. Sie würden die Wiedereröffnung der Personenverbindung nach Dresden begrüßen.
Auch Steffi und Hagen Heiduck aus Leisnig sind mit ihrer vierjährigen Tochter Mathilda eingestiegen. Sie würden die Wiedereröffnung der Personenverbindung nach Dresden begrüßen. © Dietmar Thomas

Katja Meier, verkehrspolitische Sprecherin der Grünen, hält den Bus in Richtung Dresden für keine Alternative zur Bahn. „Es gehen immer mehr Fahrgäste verloren. Auch wenn der VVO versucht, die Zahlen schönzurechnen. Solange die Bahnstrecke nicht stillgelegt ist, gibt es die Hoffnung, dass der Personenverkehr wieder aufgenommen wird.“

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Und von Stilllegung der Strecke kann keine Rede sein, im Gegenteil. Der Güterverkehr nimmt immer mehr zu. In Deutschenbora fährt der Sonderzug an einem abgestellten Güterzug vorbei, mit dem Zementstaub transportiert wurde. Zum ersten Mal wieder seit neun Jahren, sagt Eckart Sauter, Geschäftsführer der Nossen-Riesaer Eisenbahn-Compagnie (NRE). Über die Bahnstrecke rollen Züge mit Getreide aus der Lommatzscher Pflege und jeden Tag Kesselwagen mit Kraftstoff für das Tanklager in Rhäsa. Bei Wiederaufnahme des Personenverkehrs müsste aber kräftig in die Infrastruktur investiert werden. Mindestens 3,5 Millionen Euro seien nötig, um die Strecke aufzurüsten, so Sauter. Der Löwenanteil wird für Modernisierung der Stellwerke benötigt. „Die sind noch aus Kaisers Zeiten“, sagt Sauter. Die Anzahl der Stellwerke müsste mit moderner Technik verringert werden. Pro Schicht wären zwischen Döbeln und Meißen dann vier Fahrdienstleiter im Einsatz, 14 bis 15 Leute insgesamt. Bisher arbeiten bei der NRE sieben Mitarbeiter. Trotz des Personalmangels Leute zu finden, hält Sauter nicht für das Problem. „Wir haben schöne Arbeitsplätze anzubieten. Bei uns sitzen die Mitarbeiter nicht nur im Keller vor Bildschirmen. Leute noch vor Ort zu haben, das hat eine ganz andere Wertigkeit“, sagt Sauter. Eine Bestellung des Personenverkehrs über mindestens zehn Jahre bringe auch die Sicherheit für Investitionen. „Uns ist auch signalisiert worden, dass es Zuschüsse geben könnte.“

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