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Trostschokolade zum Schluss

Traurige Nachricht für alle Naschkatzen: Christina Uhlig schließt ihren Süßwarenladen.

Von Susanne Plecher

Schritt für Schritt

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Wer etwas Besonderes suchte, ist bei ihr fündig geworden: Egal, ob Schokohohlkörper in ausgefallenen Formen, zartschmelzende Pralinen oder Bonbons in exotischen Geschmacksrichtungen – Frau Uhlig hatte alles zu bieten. Nun schließt die Großenhainerin altersbedingt ihr Fachgeschäft für den Naschereibedarf auf dem Neumarkt. Einen Nachfolger gibt es nicht.

Seit sie vor 22 Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit wagte, war die Schokolade ihr tägliches Geschäft. Die Vorlieben ihrer Kunden haben sich im Lauf der Zeit geändert, meint Christina Uhlig. „Früher wurde mehr Schokolade gegessen“, ist sich die 65-Jährige sicher. Woran das liegt, weiß sie nicht. Aber sie berichtet, dass der naschhafte Großenhainer nun lieber, wenn er sich denn etwas Süßes gönnt, auf feine Trüffel und Zartbitterschokoladen zurückgreift. Sie selbst mag Marzipan – in Maßen. Den Impuls zur Ladenöffnung hatte damals ein Bekannter gegeben, der selber gern zu Süßigkeiten greift. Er ist zum ersten Stammkunden geworden. Davon hat Christina Uhlig viele gewinnen können, und der Abschied von ihnen fällt schwer. „Ich bin ihnen sehr dankbar, aber irgendwann muss Schluss sein“, sagt sie. Zum Stamm der Wiederholungstäter am Schokoladenregal zählt Hannelore Ullrich. Die Kosmetikerin hatte von der geplanten Schließung erfahren und stattete dem Laden gestern schnell noch einen Besuch ab. „Ich finde das sehr traurig“, sagt sie, denn im Lädchen um die Ecke hat sie neben dem Besonderen ein nettes Gespräch bekommen können. Seit knapp einer Woche läuft der Ausverkauf. Wer noch etwas ergattern will, muss sich sputen. Seit die Nachricht die Runde macht, wimmelt es vor Kundschaft in dem kleinen Laden. Dass sich die Regale so schnell leeren würden, hat sich Christina Uhlig nicht vorstellen können. Ihr Geschäft will sie offen halten, bis alles raus ist, vorsichtig rechnet sie mit Mitte Februar. Das Lager hat sie schon geräumt. Was danach mit dem Geschäft wird, ist ungewiss. Vorübergehend will es ein Händler als Interimsladen nutzen, bis sein Laden renoviert ist. Wer das sein wird, verrät die Schokoladenverkäuferin noch nicht.

Christina Uhligs Laden „Die Praline“ ist nach dem Kinderausstatter Baby Bubu auf der Naundorfer Straße bereits das zweite Fachgeschäft, das im neuen Jahr schließt. Doch während sich Frau Uhlig in den Ruhestand verabschiedet, hatte sich Baby-Bubu-Betreiberin Corona Arndt aus Kostengründen dazu entschließen müssen. Für beide gleichermaßen war das Kaufverhalten der Kunden problematisch geworden. Viele ließen sich vom Fachhändler vor Ort beraten, um Produkte dann doch bei Amazon zu bestellen, beklagte sich Corona Arndt. Im Schokoladensegment haben die Discounter mit günstigen Angeboten den Druck auf die Einzelhändler stark erhöht.

Dass der mit einem möglichen weiteren Lebensmittelmarkt auf der Radeburger Straße weiter zunehmen könnte, liegt nahe. Deshalb meldet die Fördergemeinschaft „Großenhain aktiv“ auch große Bedenken am Vorhaben an. „Wir haben in Großenhain keine Unterversorgung an Lebensmitteln“, sagt Vereinschefin Monique Ruscher, auch wenn die Stadt laut BBE-Handelsberater Ulrich Kollatz im Bereich der Lebensmittelmärkte Entwicklungspotenzial habe. Ein neuer Markt in Naundorf würde Handelsströme umlenken und Kundschaft aus der Innenstadt weglocken, so Ruscher. Denn neben dem Lebensmittelangebot, den üblichen Drogerieartikeln und der Heimtiernahrung wäre auch ein Sortiment an Haushaltswaren, Schreibwaren, Zeitungen, Zeitschriften und Büchern zu erwarten.

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