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Trotz Corona: „Fachkräfte händeringend gesucht“

Die Zwangspause hat die Firmen in der Region getroffen, wo trotzdem auf Auszubildende gesetzt wird.

Medingen
Bauunternehmerin Janet Lange von Lange Bau
Foto: Matthias Schumann
Frei für Sächsische Zeitung.
Medingen Bauunternehmerin Janet Lange von Lange Bau Foto: Matthias Schumann Frei für Sächsische Zeitung. © Matthias Schumann

Als die 20-jährige Ottendorferin ins dritte Lehrjahr kam, hatte sich die junge Frau, schon darauf gefreut, endlich mit ihrem Abschluss als Einzelhandelskauffrau Karriere in einem Dresdner Modegeschäft machen zu können. Ihre Euphorie wurde jedoch vor einigen Wochen von ihrem Chef jäh gebremst. Wegen der durch Corona ausgelösten Kurzarbeit müsse man sparen, wo es nur gehe, wolle man keine Kosten machen, erfuhr sie. Das Resultat: Seither sucht sie einen neuen Job und schreibt fleißig Bewerbungen.

Die coronabedingte Zwangspause in den vergangenen Monaten hat auch in vielen Betrieben und Schulen im Radeberger Umland die Ausbildung durcheinandergewirbelt. Geschlossene Berufsschulen, abgesagte Schulmessen, Betriebe in Kurzarbeit – die Krise traf viele, vor allem die kleineren und mittleren Betriebe, die auch das Gros der Ausbildungsplätze stellen.Natürlich sei die Situation gesamtwirtschaftlich gesehen alles andere als schön, sagt Janet Lange, die Geschäftsführerin, der in Ottendorf-Okrilla ansässigen Hoch- und Tiefbaufirma Heinz Lange. Aber „nach wie vor werden hier in Ottendorf, wie auch in vielen Betrieben in Deutschland händeringend Fachkräfte, ausgebildetes Fachpersonal gesucht“, so die Geschäftsführerin weiter. Als Corona kam, war in vielen Betrieben die Sorge groß, dass die Rezession möglicherweise auch eine Nachwuchskrise auslösen und den Fachkräftemangel noch verschärfen könne.

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Die Krise lässt auch leiden

Man müsse sich einfach mal vor Augen halten, dass in den Unternehmen auch weiterhin junge Menschen gebraucht werden, man folglich auch Auszubildende braucht, erklärt Frank Bösemüller vom Gewerbeverein Ottendorf-Okrilla. Der Vorsitzende des Gewerbevereines erzählt davon, dass man in der Ottendorfer Arbeitsgruppe „Schule und Wirtschaft“ derzeit überlege, was man alles tun könne, ja müsse, um die Schüler für Jobs in den hiesigen Unternehmen zu interessieren. Dazu überlege man, ob man in den Ottendorfer Schulen im kommenden Jahr so eine Art praktisches Schuljahr etablieren könne, um Schülern die örtlichen Betriebe und ihre Ausbildungsmöglichkeiten etwas näher zu bringen.

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Fakt ist, dass es in diesen pandemischen Zeiten aber auch Branchen gibt, die unter der Krise mächtig leiden, niemanden oder kaum noch Auszubildende einstellen. Das Friseurhandwerk etwa ist von den Auswirkungen der Corona-Krise besonders heftig betroffen, wie man von der Handwerkskammer Dresden erfahren kann. Die strengeren Hygiene- und Abstandsregeln, die seit der Wiedereröffnung der Friseursalons gelten, belasten und sorgen für Umsatzeinbußen. Manch Frisörbetrieb gab da in den vergangenen Wochen auf, machte dicht. Insgesamt ist aber bei den Handwerksbetrieben im Landkreis Bautzen ein leichtes Aufatmen zu vernehmen: Viele der hiesigen Firmen wollen offenbar weiter ausbilden. Das zeigt auch die Zahl der in diesem Jahr (Stand 31.7.2020) abgeschlossenen Lehrverträge. 1.342 junge Frauen und Männer bekamen einen Ausbildungsvertrag. Zum Vergleich: 2016 waren es 1.227 Lehrverträge.

Noch immer Chancen beim Bäcker

Ein weiteres positives Beispiel ist in diesem Zusammenhang auch der Ottendorfer Mühlenbäcker. Das Interesse, dort eine Ausbildung zu beginnen, seit bereits in den vergangenen Jahren immer recht hoch gewesen, beschreibt es Geschäftsführer Robert Meyer. Und ist es auch in der Corona-Krise. Zu Beginn dieses Monats begannen dort elf neue Azubis ihre Lehrzeit. Selbst, wer kurzfristig anfrage, habe noch Chancen auf einen Ausbildungsplatz, erfährt man von Meyer.

Was jemandem wie Sebastian Sende natürlich gefällt, damit werde ja deutlich gemacht, dass selbst in der Corona-Krise das Handwerk goldenen Boden habe. Sende ist in der Ottendorfer Oberschule als Praxisberater tätig. Sein Job: Den Siebt- und Achtklässlern in Sachen Berufsausbildung Orientierung zu geben.Vor allem im nun beginnenden Schuljahr ist er in dieser Hinsicht gefordert. Den Schülern die Unsicherheit zu nehmen. Den Heranwachsenden zu signalisieren, dass sie auf jeden Fall nach der Schule gebraucht, eine Stelle bekommen werden. Dies, davon sind Führungskräfte wie die beiden Ottendorfer Janet Lange und Robert Meyer erzeugt, werde die jungen Menschen beruhigen.

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