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Trotz Corona: Radeberg hält an Großprojekten fest

Der Neubau von Schulcampus und Feuerwehrhaus sowie die Schulsanierung sollen wie geplant erfolgen. Obwohl der Stadt gerade Einnahmen wegbrechen.

Eins von mehreren Großprojekten der Stadt Radeberg ist der Schulcampus in Liegau-Augustusbad. Nach einem Vorschlag der Planer wird der Neubau (re.) an das bestehende Gebäude der Förderschule angefügt.
Eins von mehreren Großprojekten der Stadt Radeberg ist der Schulcampus in Liegau-Augustusbad. Nach einem Vorschlag der Planer wird der Neubau (re.) an das bestehende Gebäude der Förderschule angefügt. © Visualisierung: Nitschke und Kollegen

Radeberg. Die Stadt Radeberg steckt im Dilemma: Die Stadt hat für die nächste Zeit mehrere Großprojekte beschlossen, doch durch die Corona-Krise werden die Steuereinnahmen voraussichtlich drastisch sinken. Erste vorsichtige Schätzungen der Stadtverwaltung gehen von einem Betrag von bis zu zehn Millionen Euro aus. 

Dennoch will der Oberbürgermeister Gerhard Lemm (SPD) an großen Vorhaben festhalten. "Wir bereiten derzeit den Haushalt vor. Darin werden die Ausgaben für den Schulcampus in Liegau-Augustusbad, die Sanierung der Grundschule Süd und die Ausgaben für das Feuerwehrgerätehaus enthalten sein. Wir planen, die Projekte wie vorgesehen umzusetzen, trotz der Mindereinnahmen", sagte er.

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Laut OB gibt es zwei Möglichkeiten, die zu erwartenden Finanzlücken zu schließen. "Einmal kann Radeberg natürlich Kredite aufnehmen. Damit würden wir die schwarze Null aufgeben. Jeder weiß, dass wir jahrelang dafür gearbeitet haben und uns der Schritt nicht leichtfallen würde." 

Andererseits rechnet der OB mit einem Konjunkturprogramm durch den Bund oder den Freistaat. "Ich halte solch einen kommunalen Rettungsschirm für zwingend notwendig. Denn nichts wäre schädlicher, als wenn Städte und Gemeinden nach der Krise ihre Investitionen auf Eis legen. Dann würden Unternehmen doppelt leiden. Einmal durch die Ausfälle wegen der Pandemie und dann wegen eines Ausgabestopps der Kommunen." Wie die Stadt verfährt, werde aber letztlich der Stadtrat entscheiden.

Erste Hinweise auf einen Rückgang der Steuereinnahmen gibt es in Radeberg. Nach Angaben des OB liegen bereits mehrere Anträge auf Stundung der Gewerbesteuer vor. Das heißt, diese Firmen oder Selbstständigen haben derzeit geringe oder keine Einnahmen, um ihre Steuervorauszahlungen zu leisten. Um wie viele Anträge es sich genau handelt, sagte er nicht. 

Offen sei ebenfalls, ob der Haushalt der Stadt wie in der Vergangenheit über zwei Jahre oder nur über ein Jahr laufen wird. "Es ist in dieser Zeit schon schwer, einen verlässlichen Einjahreshaushalt aufzustellen, die Ausgaben über zwei Jahre, also einen Doppelhaushalt zu planen, gleicht derzeit einem Blick in die Glaskugel." Eine Entscheidung ist dazu noch nicht gefallen. Das hänge auch von den Vorgaben der Landesregierung und dem Vorbild großer Städte ab.

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Bei den Projekten handelt es sich jeweils um Millionen-Vorhaben. Insgesamt sind für sie rund 17 Millionen Euro veranschlagt. So soll die Grundschule Süd saniert werden. Geplant ist, das Gebäude aus DDR-Zeiten komplett zu überholen. Die Fassade soll auf diese Weise energetisch auf den neuesten Stand gebracht und ein Sonnenschutz an die Fenster installiert werden. Der Dachstuhl soll erneuert und der gesamte Keller trockengelegt werden. Außerdem ist eine umfangreiche Sanierung der Fußböden sowie der Austausch der Innentüren geplant. Die Türen sollen danach mit einer einheitlichen Schließanlage ausgestattet sein. Außerdem soll in dem Haus für mehr Brandschutz gesorgt werden. Knapp vier Millionen Euro waren dafür eingeplant. Doch durch die Steigerung bei den Baukosten und eine deutlich höhere Containermiete müssen wohl 5,5 Millionen Euro aufgebracht werden.

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Ein noch größeres Vorhaben ist der neue Schulcampus in Liegau-Augustusbad. 9,5 Millionen Euro steckt die Stadt hier in den Bau eines neuen Schulgebäudes und einer Sporthalle. Fast vier Millionen Euro an Fördermitteln gibt es vom Freistaat für das Projekt obendrauf. 

Entstehen wird ein gemeinsames Schulhaus für die Förderschule Kleinwachau und die Grundschule Liegau-Augustusbad. Nach einem ersten Entwurf sind drei Gebäude geplant, die im Erdgeschoss miteinander verbunden sind. In den ersten beiden "Pavillons" sind auf zwei Stockwerken Klassen- und Begegnungsräume untergebracht. Im dritten Pavillon soll sich die Turnhalle befinden. Das Haus der jetzigen Grundschule in Liegau ist zu klein und müsste saniert werden. Zugleich fehlt eine Turnhalle. Das Epilepsiezentrum Kleinwachau stellt das Grundstück zur Verfügung.

Im vergangenen Jahr hatte der Stadtrat beschlossen, ein neues Gerätehaus für die Feuerwehr Ullersdorf zu errichten. Knapp zwei Millionen Euro sind für das Vorhaben bereits eingeplant. In diesem Jahr soll mit den Planungen begonnen werden. 2021 sollten dann die eigentlichen Bauarbeiten starten, vorausgesetzt, die Fördermittel fließen auch. Nach Angaben von Lemm hatte sich die Radeberger Feuerwehr für das Projekt in Ullersdorf ausgesprochen. Ziel ist es, in allen Ortsteilen eine gleich gute Ausstattung der Wehren zu erreichen.

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