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Trotz Dauerbaustelle gibt Ladenbesitzer nicht auf

Seit zwei Jahren werden an der Klosterstraße Kanäle verlegt. Für das dortige Elektrogeschäft ist es eine Katastrophe.

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Von Mareike Huisinga

Bernd Altmann wirkt verzweifelt. „Wir sind an der Grenze“, sagt der Miteigentümer des EP Electronic Centers an der Klosterstraße 7a in Pirna. Es klingt nach einem Hilfeschrei. Seit knapp zwei Jahren verlegen Baufirmen im Auftrag der Stadtwerke Pirna einen neuen Abwasserkanal an der Klosterstraße. Die Baustelle befindet sich direkt neben der Eingangstür des Ladens. Altmann klagt über permanenten Lärm. Gerade in diesem Moment fährt ein großer Betonmischer an. Ganz schlimm sei es im vergangenen Jahr gewesen, als die Bauarbeiter Pfeiler in die Erde getrieben hätten. „Die Erschütterungen spürte man natürlich im Laden“, erinnert sich Altmann. Auch die Außenfassade hat unter den Stößen gelitten.

Das Schlimmste ist jedoch für den Unternehmer, dass sein Geschäft seit Beginn der Baumaßnahme extrem schlecht erreichbar ist. „Wir sind abgeschnitten“, schimpft Altmann. Autofahrer können derzeit nur über die Grohmannstraße an das Elektrogeschäft heranfahren, die Rosa-Luxemburg Straße ist gesperrt. Auch sind die Parkmöglichkeiten vor dem Laden wegen der zahlreichen Baufahrzeuge begrenzt. „Dadurch springen uns die Kunden ab“, erklärt Altmann. Vor allem bleibe die Laufkundschaft weg. Vor Baubeginn gingen viele Passanten vom Bahnhof über die Klosterstraße in die Pirnaer Innenstadt. Der Geschäftsführer stellt fest, dass an seinem Laden fast niemand mehr vorbei kommt. Die Folgen sind erschreckend: „Das Geschäft bilanziert derzeit Umsatzeinbußen von 50 Prozent. Wir können nur überleben, weil wir einen guten Außendienst haben, der uns viele Kunden mit hereinbringt“, berichtet Altmann. Außerdem profitiere das Elektronik-Geschäft von größeren Aufträgen einer Pirnaer Wohnungsgesellschaft.

Bernd Altmann kritisiert insbesondere, dass versprochene Termine nicht eingehalten wurden. Zu Beginn der Baumaßnahme im Sommer 2011 teilten die Stadtwerke ihm mit, dass das Projekt nach sechs Monaten Bauzeit abgeschlossen werde. Ganz offensichtlich eine zu optimistische Annahme. Die Baufirma, die übrigens zweimal wechselte, kündigte zuletzt an, die Arbeiten im Kreuzungsbereich Klosterstraße/Rosa-Luxemburg-Straße am 10. März zu beenden. „Heute ist bereits der 18. April, und die Kreuzung ist immer noch gesperrt“, stellt Altmann fest.

Termine wurden verschoben

Er fordert von den Stadtwerken als Auftraggeber, zumindest eine Zufahrt für Autofahrer zu seinem Geschäft auszuschildern. Das sei bisher nicht passiert. Den Stadtwerken Pirna ist die Situation unangenehm. „Wir sind mit den Inhabern des Elektronik-Centers in ständigem Gespräch“, sagt Stadtwerke-Sprecherin Swetlana Irmscher, „und haben dafür gesorgt, dass das Geschäft trotz Baustelle immer zu erreichen ist.“ Warum es zu den Bauverzögerungen kam und wann die Arbeiten auf der Klosterstraße abgeschlossen sind, darüber wollen die Stadtwerke morgen bei einem Vor-Ort-Termin informieren. Die SZ wird am Mittwoch berichten.

Die Anwohner an der Klosterstraße müssen seit dem 18. Juli 2011 starke Nerven haben: Damals begann der Abwasserkanalbau. Der 400 Meter lange Kanal zwischen Rosa-Luxemburg- und Grohmannstraße zählt zu den Hauptabwasserbauwerken der Stadt. Er ist marode und soll zudem größer dimensioniert werden, da er die anfallenden Wassermengen bei starkem Regen nur unzureichend aufnehmen kann.

Trotz der hohen Umsatzeinbußen sagt Bernd Altmann kämpferisch: „Wir geben nicht auf und sind weiter für unsere Kunden da.“ 2004 hat er das Elektronikgeschäft zusammen mit zwei anderen Unternehmern übernommen. Zurzeit sind sechs Angestellte beschäftigt. „Das Geschäft ist meine Existenz; wir werden weiter kämpfen“, betont Bernd Altmann immer wieder.