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Corona: "Ich darf trotz deutschem Pass nicht heim"

Die Ex-Dresdnerin Isabel Brawand lebt seit 2011 in der Schweiz, ist aber deutsche Staatsbürgerin. Zu ihrer Mutter nach Sachsen darf sie trotzdem nicht.

Isabel Brawand kann ihre Mutter in Sachsen vorerst nicht besuchen kommen.
Isabel Brawand kann ihre Mutter in Sachsen vorerst nicht besuchen kommen. © privat

Eigentlich wollte sie nach ihrer Ausbildung nur für ein Jahr als Kindermädchen in die Schweiz. Inzwischen sind daraus allerdings neun Jahre geworden. Trotzdem fühlt sich Isabel Brawand noch als Deutsche. Und sie hat einen deutschen Pass. Seit der 5. Klasse wuchs die gebürtige Oberlausitzerin in Dresden auf und ließ sich hier auch zur Erzieherin ausbilden. Für die Behörden zählt das alles im Corona-Ausnahmezustand allerdings nichts.

"Mit meinem dreijährigen Sohn und meinem Baby im Bauch wollte ich über Ostern meine Mutter besuchen, aber ich darf nicht über die Grenze", klagt die 31-Jährige. Dabei hat sie in Sachsen Verwandte. Ihre Mama wohnt in Pirna, die anderen bei Bautzen. In Dresden hat sie noch viele Freunde von früher.

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Vor einigen Jahren flog sie noch alle drei Monate in die Heimat. Inzwischen kommt sie nur noch ein bis zwei Mal im Jahr mit dem Auto. "Priorität ist, dass mein Sohn seine Oma genießen kann", sagt Isabel Brawand. "Er wird dann verwöhnt mit der sächsischen Küche, langen Spaziergängen und ganz viel Zeit." Sie selbst saugt in der Zwischenzeit Heimat auf, wie sie sagt. Sie triffst sich mit Freunden, besucht Konzerte, geht feiern, fährt mit dem Dampfschiff oder besucht die Frauenkirche. 

All das könnte sie jetzt zwar sowieso nicht machen - gekommen wäre sie aber trotzdem gern. Womöglich wäre es die letzte stressfreie Möglichkeit vor der Geburt des nächsten Kindes gewesen. Im Sommer könnte die lange Autofahrt vielleicht schon zu anstrengend für sie sein.

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Als im März die deutschen Grenzen dicht gemacht wurden, rief Isabel Brawand  gleich beim Zoll an - und bekam eine Abfuhr. "Für die Einreise muss man entweder einen deutschen Wohnsitz oder einen deutschen Arbeitgeber vorweisen", sagt sie. Mit beidem kann sie gerade nicht dienen. 

Also muss sich Oma vorerst gedulden. "Natürlich sind wir traurig", sagt Isabel Brawand. "Vor allem Valentin hat sich schon sehr doll gefreut." Zumal auch er gerade seine Freunde nicht sehen kann.

Mama Isabel deckt derweil in einer Kita bei Bern die Notbetreuung ab - und nimmt die Sache sportlich. Reisen ist schön. Die Heimat ist wichtig. Aber gerade zählen andere Dinge mehr.

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