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Trotz massiver Frostschäden Weinernte möglich

Winzer Martin Biedermann ist seinem kleinen Weinberg westlich von Meißen dankbar. Bald beginnt wider Erwarten die Lese.

Glücksgefühle bei Winzer Martin Biedermann von der Cambium Compagnie: Die Scheurebe hat sich wie auch die anderen Trauben seines Weinbergs in Mauna trotz Frost gut entwickelt.
Glücksgefühle bei Winzer Martin Biedermann von der Cambium Compagnie: Die Scheurebe hat sich wie auch die anderen Trauben seines Weinbergs in Mauna trotz Frost gut entwickelt. © Uta Büttner

Käbschütztal. „Ich hätte heulen können“. Die Eisheiligen hatten im kleinen Weinberg im Käbschütztaler Mauna frostigen Wind durch die Rebstöcke gepustet. Fast alle jungen Triebe sind erfroren. Winzer Martin Biedermann war am Boden zerstört. Jetzt, mehr als drei Monate später, jubelt er. Wobei Jubeln eigentlich nicht das richtige Wort ist. Er zeigt viel Demut und Dankbarkeit an seinen knapp einen Hektar großen Weinberg. „Ich hatte Glück, die Beiaugen sind gekommen“, sagt er und erklärt: „Die Hauptaugen sind erfroren, aber an jedem Auge befinden sich ein bis zwei Beiaugen.“ Zwar sind diese wesentlich unfruchtbarer und die Trauben am Ende auch nicht so groß, aber der Winzer hat zumindest keinen Totalausfall, wie er anfangs glaubte.

Doch nicht nur Glück, vor allem ganz viel Arbeit steckt in dem kleinen Wunder. So setzte er auch auf die Ersatzruten, die bei jedem Rebstock nach oben wachsen und erst nach den Eisheiligen im Fall der Fälle entfernt werden. Sie waren nicht so nahe am Boden. „Ein halber Meter macht da schon verdammt viel aus“, erklärt der Winzer. Diese Ruten mussten nun aber, wie zuvor die anderen, alle gebogen und an das Drahtgeflecht angebunden werden – insgesamt 36 Rebstockzeilen, zwischen 50 und 100 Meter lang. „Dabei kam dann der Compagnie-Gedanke zum Tragen“, sagt Biedermann. Denn hinter den geschäftsführenden Gesellschaftern Biedermann und Dirk Dobiéy der Cambium Compagnie GbR steht ein Team, das bei Bedarf zur Stelle ist: „Fünf Leute haben mir geholfen. Das war toll.“

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Die Scheurebe im Weinberg Mauna von der Cambium Compagnie GbR ist trotz Frost gut gewachsen.
Die Scheurebe im Weinberg Mauna von der Cambium Compagnie GbR ist trotz Frost gut gewachsen. © Uta Büttner

Die Herausforderungen waren enorm. Vor allem auch, weil der Wuchs der Triebe unterschiedlich schnell erfolgte. Um die Pflanzen zu schützen, musste mehr Aufwand betrieben werden. Aber alles nach ökologischem Standard: Keine synthetischen Pflanzenschutzmittel, außer Kupfer und Schwefel.

Es war nicht leicht: Wird diese zusätzliche Arbeit von Erfolg gekrönt sein? Ist sie es wert? Das fragte sich Biedermann immer wieder. Denn noch war alles tot, nur die Hoffnung, eher seine Vision ließ ihn weitermachen, beschreibt der Winzer seine Gefühle.

Seine Vision sollte Wirklichkeit werden. Normalerweise treiben die Knospen Ende April aus, seine erst Ende Mai, Anfang Juni. „Es fehlten fünf Wochen.“ Dank der Bedingungen in diesem Sommer sind es jetzt nur noch drei Wochen Rückstand bis zur Reife. Beim Früh- und Grauburgunder macht sich Biedermann keine großen Sorgen. Diese beiden Sorten werden Anfang September bis etwa Mitte September zur Lese reif sein. „Das werden wohl gute Weine“, sagt Biedermann voller Optimismus. Lediglich bei der Scheurebe ist er noch sehr ungewiss. „Es ist eine Lotterie, ob die Trauben reif werden, oder nicht.“ Kommt ein früher Winter? „Bis Ende Oktober muss das Wetter stabil bleiben, damit keine Fäule kommt.“ Heißt: Warme, trockene Tage werden gebraucht. Denn schon jetzt ist der Boden oberflächlich sehr feucht. Das erkennt man an den Pilzen, die bereits im Berg wachsen.

Besenwirtschaft ist bis Ende September geöffnet

„Noch ist nichts gewonnen.“ Dennoch: Sein Hauptgefühl sei die Dankbarkeit an den Weinberg. „Ich habe das Gefühl, er will mir etwas zurückgeben, für das, was ich reingesteckt habe. Geholfen dabei habe natürlich auch der gute Boden. „Er ist kräftig und wuchsstark. Die Triebe konnten sich sehr gut entwickeln.“ Und auch die Einsaaten, wie Klee, der guter, natürlicher Stickstoffdünger ist, hatten Einfluss, ist sich Biedermann sicher.

Noch sind die Früchte der Scheurebe sehr klein. Aber die Freude, die Trauben doch so groß bekommen zu haben, ist riesig. Stand jetzt würden sie einen guten Sektgrundwein ergeben, meint der Winzer.

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Am Ende, wenn alles gut läuft, schätzt Martin Biedermann mit einer Ausbeute von 50 Prozent im Vergleich zu den Vorjahren. Das ist wenig, aber viel mehr als 100 Prozent Verlust. Und deshalb ist auch immer Feierstimmung, wenn die Besenwirtschaft im grünen Weinberg in malerischer Umgebung beim „Mauna-Beach-Flair“ geöffnet hat – und das noch bis Ende September.

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