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Trotz Starkregen Trockenheit

Die Landwirte rechnen damit, dass die Getreideernte vorgezogen wird.

Von Udo Lemke

Hier ist kein Tropfen gefallen, es ist knochentrocken“, erklärt Oliver Schmidt, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft Ebersbach. Das bestätigt auch seine Kollegin Eva Langkabel, Vorstand der Agrargenossenschaft „Am Raschütz“, in Weißig. Der Starkregen der vergangenen Tage sei rechts und links von ihren Feldern niedergegangen, „und wir haben keinen Tropfen abgekriegt“.

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Oliver Schmidt macht auf das dahinterliegende Problem aufmerksam. So sei die Wasserbereitstellung regional vollkommen unterschiedlich. „An manchen Stellen, etwa in Meißen kommt zu viel vom Himmel, an anderen gar nichts.“ Dort zeigen sich jetzt die ersten Anzeichen der Trockenheit. „Die Maisblätter beginnen sich zu ringeln“, erklärt Eva Langkabel. Und nicht nur das. Beim Gras sind zwar der erste Schnitt und das Heu gemacht, aber für einen zweiten Schnitt „steht noch zu wenig“. Ob es einen Dritten geben wird, bleibt abzuwarten.

Bis zu vier Schnitte, den Letzten im Oktober, macht normalerweise die Sächsische Milcherzeugergenossenschaft Quersa, um genügend Grünfutter für ihre derzeit 1 400 Milchkühe und die 250 Kälber zu ernten. „Wenn es nicht spätestens am kommenden Wochenende regnet, fällt der dritte Schnitt ganz oder geringer aus“, erklärt Matthias Selter, bei der Genossenschaft für die Pflanzenproduktion zuständig. Schaut man auf den Wetterbericht, dann ist allerdings in den kommenden 14 Tagen so gut wie kein Tropfen Regen zu erwarten.

Problematisch ist das für die Quersaer Milchbauern auch, weil sie versuchen, das Futtergetreide für die Rinder auf ihren 1 200 Hektar Land und das Gras und die Silage auf ihren 140 Hektar Grünland zu produzieren. „Wir haben eine feste Fruchtfolge und wollen einen geschlossenen Kreislauf erreichen“, so Geschäftsführerin Jutta Bennewitz. Sollte das durch die Trockenheit nicht gelingen, müsste die Genossenschaft Futter zukaufen. Auf die Frage, ob diese sich nicht besser gegen die wiederholten Trockenperioden wappnen könne, fragt die Geschäftsführerin zurück: „Machen Sie mal einen Vorschlag.“

Den hat auch Konrad Behrisch, Geschäftsführer der Cunnersdorfer Agrar GmbH, nicht. Auch er bestätigt große Trockenheit und: „Wenn es in den nächsten fünf Tagen nicht regnet, wird es Ertragseinbußen beim Getreide geben.“

Oliver Schmidt aus Ebersbach sieht in der derzeitigen Situation keine besondere. „Die Klimaerwärmung ist eine Theorie. Dass es verschärft anders als in der Vergangenheit ist, kann ich nicht bestätigen. Ich wende mich gegen Pauschalaussagen, die passen eher in die Tagespolitik.“ Er setzt eher auf Weitsicht. So habe seine Genossenschaft schon vor zwanzig Jahren eine Hagelversicherung abgeschlossen. Die Großenhainer Pflege habe schon immer mit Trockenheit zu kämpfen gehabt, daran erinnere auch der alte Spruch: „Nachts Regen und tagsüber Sonnenschein, dann wächst es auch in Großenhain.“

Durch die milde Witterung wird die Getreideernte, beginnend mit der Wintergerste, vorgezogen. „Wir werden in 14 Tagen beginnen“, sagt Oliver Schmidt. Davon geht auch Jutta Bennewitz aus, „das ist etwa 14 Tage eher als sonst“. Aussagen darüber, wie die Ernte ausfallen wird, gleichen noch einem Blick in die Kristallkugel. Allerdings lässt der Zustand der Pflanzen Schlüsse zu: „Ich sehe die Ernteaussichten auf den extrem leichten Standorten, wie in der Großenhainer Pflege, noch nicht als schlecht an“, erklärt Landwirtschaftsberater Andreas Wilhelm aus Stauchitz.