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Trotz Streik: Döbelner Praxen bleiben geöffnet

Dr. Ina Preis aus Waldheim kritisiert das neue Honorarsystem für Ärzte. Sie verdient jetzt deutlich weniger als zuvor.

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Von Dagmar Doms-Berger

Die Waldheimer Anästhesistin Dr. Ina Preis gehört zu den Ärzten, die aufgrund der seit Januar 2009 geltenden Honorarreform deutlich weniger verdienen als bisher. Hautärzten und Orthopäden ginge es ähnlich, sagt die Fachärztin. Der heutige Streik in Dresden richte sich daher nicht gegen die Patienten, sondern gegen das neue Honorarsystem.

Die Ärztin, die die Zusatzbezeichnung Schmerztherapeutin führt, verdiente bisher 25000 Euro im Quartal. „Mit der neuen Honorarordnung sind es nur noch 9000 Euro im Quartal“, so Dr. Preis. Damit beträgt ihr Honorar rund zwei Drittel weniger als bisher. Bereits seit sechs Wochen arbeite sie für nichts, so Dr. Preis.

Fünf Euro pro halbe Stunde

Die niedergelassene Ärztin betreut all jene Patienten, bei denen der Hausarzt in der Schmerzbehandlung nicht weiterkommt. Das sind unter anderem Tumorpatienten und Patienten mit Knieschmerzen.

Wie viel Geld es gibt, erläutert die Fachärztin an einem Beispiel. Für einen Patienten mit einem akuten Hexenschuss, dem sie eine Spritze und ein Schmerzmittel verabreicht, bekommt die Ärztin nach eigenen Angaben ein Honorar von fünf Euro. Der zeitliche Aufwand beträgt rund eine halbe Stunde. Die Behandlung der Patienten erfolgt auf Bestellung. Für jeden sei eine viertel Stunde eingeplant. Um insgesamt 600 Patienten kümmert sie sich im Quartal. Der finanzielle Engpass habe sie bereits dazu gezwungen, erste Veränderungen vorzunehmen. Drei der vier Schwestern musste sie kündigen. „Für 9000 Euro im Quartal ist es einfach nicht machbar, alle anfallenden Kosten wie Heizung und Gehalt für die Schwestern zu bezahlen“, so Preis.

Öffnungszeiten gekürzt

Weiterhin musste die Anästhesistin die Öffnungszeiten ihrer Praxis einschränken. Um ihr Einkommen aufzubessern, fährt die niedergelassene Ärztin zusätzlich Rettungseinsätze. „Irgendwie muss ich mein Geld ja verdienen“, sagt sie. Nach sechs Jahren Studium sowie sechs Jahren Facharztausbildung fühlt sich die Ärztin völlig im Stich gelassen. „Ein Arzt verdient heute nicht mehr als ein Müllfahrer“, so Ina Preis.