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Trübe Aussichten für den Schlecht-Wetter-Mann

Rolf Lippke ist einer der letzten Schirmmacher in Deutschland. Er kämpft um sein eigenes Überleben.

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Von Sarah Reichelt

Unscheinbar in einer Hausecke auf der Königsbrücker Straße ist eine Rarität versteckt. Hier in der Nummer 32 kann man auf den Schirmmacher Rolf Lippke treffen. Die Besonderheit: Mit seinem Handwerk ist der 49-Jährige einer der Letzten seiner „Art“. Doch es ist gar nicht so leicht, sich mit dem kleinen Geschäft über Wasser zu halten.

Rund 20 Betriebe oder einzelne Handwerker gibt es heute nur noch, sagt Marina Kronemann vom Zentralverband des Deutschen Handwerks. Das läge unter anderem daran, dass dieser Berufszweig nicht mehr ausgebildet wird. Doch trotz der Seltenheit seines Könnens läuft das Geschäft von Rolf Lippke nicht mehr so gut. Aufgrund der geringen Umsätze musste er den Laden immer freitags schließen. Schuld daran sei zum einen das Wetter. „Ich habe das Gefühl, dass es weniger regnet als früher“, sagt er lächelnd. „Wahrscheinlich bin ich auch der Einzige in Dresden, der sich schlechtes Wetter wünscht.“ Zum anderen würde sein Kundenstamm nach und nach aussterben. „Schirme haben leider nicht mehr den Stellenwert wie früher“, sagt der 49-Jährige. „Wenn es heute regnet, wird entweder die Kapuze aufgesetzt oder der billige Drogerieschirm ausgepackt.“

Bei einem guten Schirm komme es vor allem auf die stabile und zahlreiche Verstrebung an, die an dem Stoff befestigt ist. Je mehr Streben, desto stabiler sei ein Schirm, so Lippke. Dasselbe gelte übrigens auch beim Preis. Je teurer desto hochwertiger. 50 Euro müsse man schon für einen ordentlichen Regenschutz bezahlen. Die speziell von Lippke angefertigten Schirme kosten allerdings noch etwas mehr. Diese werden mithilfe einer speziellen Maschine in seiner Werkstatt in Ebersbach hergestellt. Zuerst fräst er den Stock und versieht ihn dann mit Schlitzen für die Federn. Danach werden die Streben und der Schieber eingebunden. Um den Bezug kümmert sich die 80-jährige Mutter Lippkes. Etwa sechs Schirme fertigt Rolf Lippke im Jahr selbst – hauptsächlich für Hochzeiten. Sonst hält er sich mit Reparaturen und dem Verkauf von „Fertigschirmen“ über Wasser. Aufgeben möchte er sein Traditionsgeschäft, das er vor 25 Jahren von seinem Vater übernommen hat, aber noch lange nicht.