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Trübe Aussichten für die Laubegaster Werft

Die Angestellten sind gekündigt worden, weil die Aufträge nur bis Februar reichen. Doch es gibt noch einen letzten Strohhalm.

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Von Tobias Wolf

Udo Rehm wirkt dünnhäutiger als sonst. Wie die anderen Angestellten der Laubegaster Schiffswerft hat auch der Technische Leiter des Traditionsunternehmens in dieser Woche die Kündigung bekommen. Findet sich bis Ende Februar kein Investor, der den Betrieb übernimmt, ist Schluss. Denn spätestens zu diesem Zeitpunkt hat das Unternehmen keine Aufträge mehr. Seit 21 Jahren ist der Ingenieur bei der Werft, stieg über die Jahre zum Technik-Chef auf. Die historischen Raddampfer der Sächsischen Dampfschiffahrt kennt der 47-Jährige wie seine Westentasche. Das soll nun alles vorbei sein? „Das ist eine Situation, in der ich lieber nicht stecken würde“, sagt Rehm. „Ich würde mich wesentlich wohler fühlen, wenn sich hier endlich ein Investor finden würde.“

Insolvenzverwalter Franz-Ludwig Danko führt die Werft seit der Pleite im Januar 2011 und lässt keine Zweifel an der aktuellen Lage. „Wir müssen uns auf den schlimmsten Fall einstellen“, so Danko. „Als Insolvenzverwalter darf ich nur so lange fortführen, wie das Unternehmen keine Verluste macht.“ Dieser Punkt sei nach der aktuellen Planung Ende Februar erreicht. Die Traditionswerft hatte sich bei einem Großauftrag über zwei Fähren für den kenianischen Hafen Mombasa verkalkuliert und Verluste in mehrfacher Höhe des normalen Jahresumsatzes eingefahren.

Geschäftsführer Michael Lohnherr ist trotz dieser Nachrichten optimistisch, dass es weitergeht. „Findet sich bis Mitte Dezember ein Investor, werden die Kündigungen noch bis Jahresende wieder zurückgezogen“, verspricht er. Die Mitarbeiter sind derweil hin- und hergerissen. Einerseits wissen sie, dass sie im schlimmsten Fall ihre Arbeitsplätze verlieren. Andererseits haben sie im Moment besonders viel zu tun. Allein die Sächsische Dampfschiffahrt lässt in den nächsten Wochen insgesamt sechs historische Schiffe überholen.

„Es ist kurios“, sagt Vorarbeiter Falk Naumann. „Wir sind zwar gekündigt, machen aber jede Menge Überstunden und das sogar am Sonnabend.“ Naumann ist seit 31 Jahren dabei, hat die Wende im Unternehmen überstanden und zwei Insolvenzen in den vergangenen 15 Jahren. Er ist zwar sicher, dass er wieder Arbeit finden würde. „Es wäre aber nicht dasselbe“, sagt der 47-Jährige. So ruht die Hoffnung der Angestellten nun auf Marcus Rönner, Chef der Stahlbau Dessau GmbH und Gesellschafter der Schiffswerft Roßlau in Sachsen-Anhalt. In dieser Woche hat er die Laubegaster Werft besucht, um sich ein Bild von dem Unternehmen zu machen. Auch wenn er sich derzeit nicht zu einer konkreten Übernahme äußern will, sorgt sein Besuch für Hoffnung. „Wenn wir nicht interessiert wären, wären wir nicht da gewesen“, erklärt Rönner auf SZ-Anfrage und kündigt an, dass er bis spätestens Februar eine Entscheidung treffen will. „Sonst sind die Mitarbeiter weg und es gibt keine funktionierende Werft mehr“, sagt Rönner.

Das sachsen-anhaltinische Unternehmen ist der Vorzugskandidat für eine Übernahme der Werft. Auch die Sächsische Dampfschifffahrt hat Interesse am Überleben der Schiffbauer. Schließlich ist sie der Hauptkunde des angeschlagenen Unternehmens. In einer anderen Zeitung erschienene Gerüchte einer möglichen Übernahme durch die Dampfschiffahrt weist Geschäftsführer Ludwig Sebastian Meyer-Stork zurück: „Das sind Spekulationen, zu denen wir uns momentan nicht äußern wollen.“