merken

Trübe Zeiten

So wenig Sonnenschein war selten in einem Görlitzer Januar. Das bereitet vielen gesundheitliche Probleme.

© nikolaischmidt.de

Von Daniela Pfeiffer

Shopping und Events im ELBEPARK Dresden

180 Läden und Filialen und umfassende Serviceleistungen sorgen beim Shopping für ein Erlebnis. Hier stehen Ihnen 5.000 Parkplätze zur Verfügung.

Wohl dem, der gestern frei hatte. Oder zumindest zur Mittagspause mal ein halbes Stündchen vor die Tür ging. Denn die Sonne schien. Das ist in diesen Tagen durchaus etwas Besonderes. Die meisten Menschen wussten schon gar nicht mehr, wie die Sonne aussieht. Und wie schön es ist, das Gesicht gen Himmel zu strecken und sich die Nase zu wärmen.

Jetzt ist das wieder vorbei. Laut Wettervorhersagen war es ein kurzes Intermezzo, am heutigen Vormittag dürfte das trübe, nasskalte Wetter zurück sein. Und mit ihm die Sehnsucht der Menschen nach Sonne.

Die war im Januar tatsächlich Mangelware, wie Lothar Rücker von der Wetterwarte am Flugplatz belegen kann: Demnach hat es diesen Monat gerade mal zwei Tage gegeben, an denen die Sonne mehr als fünf Stunden schien. Das waren der 6. und der 13. Januar. An 15 Tagen ließ sie sich gleich überhaupt nicht blicken.

„Laut Statistik stehen uns 55 Sonnenstunden zu“, sagt Rücker augenzwinkernd. Da hat dieser Monat allerdings noch ordentlich Nachholbedarf, denn es sind gerade einmal um die 35 Stunden. Und an die 59 Stunden, in denen uns Klärchen im vergangenen Januar wärmte, ist wohl kein Herankommen mehr. Denn die Aussichten sind mies. „Es wird windiger, wir bekommen Niederschlag, insgesamt soll es sehr unbeständig werden“, sagt Rücker. Dabei gab es im Januar eigentlich schon ordentlich Niederschlag, nämlich an 21 Tagen.

Dennoch ist der Januar deutlich zu mild, er liegt 4,3 Grad über dem Durchschnitt und wird damit noch wärmer als der sonnige Januar im Vorjahr. „Den letzten richtig knackig schönen Januar hatten wir übrigens 2010“, sagt Lothar Rücker. Betont aber auch, dass alles noch im Bereich der normalen Schwankungen liege.

Trotzdem hat das milde, nasse Wetter Auswirkungen auf die Menschen. Das bestätigt der stellvertretende Amtsarzt Peter Göthlich. „Bei dem nassen Wetter mit den wechselnden Temperaturen werden die Viren aktiver und die Infekte der oberen Luftwege sowie die Influenzafälle steigen.“ Gab es zur gleichen Zeit im Vorjahr 658 gemeldete Infekte der oberen Luftwege und noch keine Influenzaerkrankten, seien es nun bereits 830 gemeldete Infekte und bereits 19 nachgewiesene Influenzaerkrankte. Dabei kann das Gesundheitsamt nur die tatsächlich gemeldeten Fälle in die Statistik aufnehmen. Hier habe es aber Verbesserungen gegeben. Labore und Arztpraxen erfüllen ihre Meldeaufgaben inzwischen gründlicher, zudem habe sich die Zusammenarbeit zwischen Gesundheitsamt und Fachärzten verbessert.

Eine Grippeimpfung hält Göthlich nach wie vor für ratsam, auch wenn es seit Längerem heißt, dass der Grippeimpfstoff in diesem Winter nicht besonders wirksam sein soll. „Er hat trotzdem eine ausreichende Virenbreite“, sagt Göthlich. Heißt: Gegen viele der fiesen Viren sei man dennoch geschützt. Das Imfpverhalten der Menschen sei in etwa gleich geblieben, könne aber durchaus noch verbessert werden.

Noch halten sich dramatische Krankheitsfälle allerdings in Grenzen. Während der vergangene Januar in der Görlitzer Kinderklinik ein sehr verrückter war – viele Kinder mussten damals wegen schwerer Verläufe aufgenommen werden und viele neue Erreger wurden festgestellt – ist es hier zurzeit ruhig. „In der Kinderklinik haben wir aktuell kaum kleine Patienten mit schweren Erkältungskrankheiten“, sagt Klinikumssprecherin Katja Pietsch. „Auch die Virusgrippe ist in der Kinderklinik noch kein Thema. Auch bei älteren Patienten ist nichts auffällig im Vergleich zum Vorjahr.“

Irgendwie krank, müde, schlecht gelaunt fühlen sich aber dennoch viele Görlitzer. Dr. Thomas Reuster, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum, sagt, warum das trübe Wetter so aufs Gemüt schlägt: „Tatsächlich nachgewiesen ist, dass in der Winterzeit die Häufigkeit depressiver Verstimmungen zunimmt.“ Ursache sei ein Mangel an natürlichem Licht.

Der wird vor allem dann relevant, wenn tagsüber auf die natürliche Lichtdusche unter freiem Himmel verzichtet werden muss und die Freizeit schon in die Dunkelheit falle. „Wenn Menschen nur wenig Licht bekommen, produziert der Körper verstärkt das Schlafhormon Melatonin“, sagt Dr. Reuster. „Zuviel Melatonin drückt die Stimmung und macht müde.“

Sachsen wählt: Am 1. September ist Landtagswahl in Sachsen. Sie wissen noch nicht, wen Sie wählen? Der Wahl-O-Mat für Sachsen hilft Ihnen bei der Entscheidung! Alle Berichte, Hintergründe und aktuellen News zur Landtagswahl finden Sie gebündelt auf unserer Themenseite zur Landtagswahl in Sachsen.