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Trumps Lieblingsfeindin

Alexandria Ocasio-Cortez ist für den Präsidenten die ideale Gegnerin. Jung, farbig, weiblich und erfolgreich - alles, was dessen Wähler fürchten.

Alexandria Ocasio-Cortez, Abgeordnete im US-Repräsentantenhaus für die Demokraten.
Alexandria Ocasio-Cortez, Abgeordnete im US-Repräsentantenhaus für die Demokraten. © Nick Wagner/Austin American-Statesman/AP/dpa

Von Thomas Spang, SZ-Korrespondent in Washington

Washington. Immer wenn jemand an die große Holztür des Büros von Alexandria Ocasio-Cortez im Repräsentantenhaus klopft, zucken ihre Mitarbeiter zusammen. Niemand weiß besser als diese, wie viele Todesdrohungen gegen den neuen, 29-jährigen  Rockstar der Demokraten eingegangen sind. Seit sie Präsident Donald Trump einen Rassisten nannte und ihn als weißen Nationalisten brandmarkte, dürften es mehr geworden sein.

Der Präsident hat in der Jungabgeordneten mit familiären Wurzeln in Puerto Rico das perfekte Feindbild gefunden. Trump verglich sie kürzlich mit Evita Peron, der argentinischen Links-Populistin, mit der sie die Herkunft aus bescheidenen Verhältnissen, einen scharfen Intellekt und äußerliche Attraktivität teilt.

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Nett gemeint war der Vergleich natürlich nicht. "Sie hat gute Instinkte," meint Trump über seine Lieblingskontrahentin, "aber sie weiß nichts." Das behaupten nur wenige andere über die an der renommierten Boston Universität ausgebildete Politologin, die vergangenen Herbst das alte Schlachtross der Demokraten, Joseph Crowley, nach zehn Amtszeiten in einem sicheren New Yorker Wahlbezirk besiegte.

Was man ihr ebenfalls nicht vorhalten kann, ist ihre Unerfahrenheit im Kongress. Eher schon die ungestüme Art, mit der sie alle Gepflogenheiten für Neulinge auf dem Kapitolhügel ignoriert und nach vorne prescht. Das führte schon gleich zu Beginn zu Konflikten mit der mächtigen "Speakerin" Nancy Pelosi, mit der Ocasio-Cortez die linke Politik teilt, aber nicht die Strategie.

Nancy Pelosi, die Vorsitzende des US-Abgeordnetenhauses.
Nancy Pelosi, die Vorsitzende des US-Abgeordnetenhauses. © Alex Brandon/AP/dpa

Pelosi geht es um reale Machtoptionen, "AOC", wie die "Wonder Woman aus der Bronx" auch heißt, um Visionen. Ohne Rücksicht auf politische Verluste oder Durchsetzbarkeit wirbt sie für eine allgemeine Gesundheitsversicherung für alle und einen "New Green Deal". Das begeistert die Basis in den urbanen Hochburgen der Demokraten, schadet aber den moderaten Kandidaten, die im Rost- und Bibelgürtel oder auch im Mittleren Westen um Stimmen werben.

Selbst wenn ihr Kürzel "AOC" heute schon eine Marke ist, um die sie mancher Präsidentschaftsbewerber der Demokraten beneidet, verbinden die Amerikaner insgesamt überwiegend nicht viel Positives mit ihr. Laut Gallup haben nur noch 31 Prozent der Befragten einen insgesamt guten Eindruck von der forschen Abgeordneten.

Das hat auch mit ihrer Stellung innerhalb der Fraktion zu tun, wo sie im Ruf steht, ein "Showhorse" zu sein; also das Gegenteil eines fleißigen Arbeitspferds, das versucht Gesetze durch den Kongress zu bekommen. Dass sie zwei Monate länger brauchte als andere Neulinge, ihr Bürgerbüro in der Bronx zu eröffnen, illustriert die Kritik.

Unzweifelhaft ist es aber auch eine Leistung, dass ihre Twitter-Gemeinde binnen Jahresfrist von 49.000 Gefolgsleuten auf 3,5 Millionen anwuchs. Millionen schauten zu, als sie auf Instagram schwarze Bohnensuppe kochte oder Blumen umtopfte. Nachdem sie die Marke ihres knallroten Lippenstifts verriet ("Beso" von der Firma Stila), war dieser überall ausverkauft.

Mit großem Talent setzte "AOC" die öffentliche Aufmerksamkeit in politischen Einfluss um. Das schaffte ihr mindestens so viele Feinde wie Freunde und positionierte sie als ideale Antagonistin für Trump. Zumal sie sich offen als demokratische Sozialistin bekennt, die im vergangenen Präsidentschaftswahlkampf für Bernie Sanders von Haustür zu Haustür zog.

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Vor allem ist das Polittalent der Demokraten Projektionsfläche für die Hoffnungen und Ängste einer im inneren zutiefst zerrissenen Nation. Was erklärt, warum Ocasio-Cortez von den einen wie eine Heilsbringerin verehrt und von den anderen mit dem Tode bedroht wird.

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