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Tschechen arbeiten Geschichte auf

Einen Vortrag zur „Euthanasie“ und spannendes Kino zum Nürnberger Prozess zeigt die Gedenkstätte Großschweidnitz.

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Großschweidnitz. Die Gedenkstätte Großschweidnitz e. V. lädt heute, 19 Uhr, zu einem Vortrag im Rahmen der derzeit gezeigten Ausstellung „Lebens(un)wert“ ein. Michal Šimunek von der Akademie Prag und Milan Novak, stellvertretender Leiter der Psychiatrischen Klinik in Kosmonosy, referieren über historisch bisher wenig bekannte, grenzübergreifende Aspekte der nationalsozialistischen „Euthanasie“, informiert der Verein.

Milan Novak berichtet über die aktuelle Aufarbeitung der Geschichte der Heil- und Pflegeanstalt Kosmanos/Kosmonosy während der Zeit der deutschen Okkupation, als diese zu einem Sammelpunkt für deutsche Patienten wurde. Auch Patienten aus der überfüllten Anstalt Großschweidnitz wurden im März 1944 nach Kosmanos transportiert und verstarben dort zum größten Teil noch vor Kriegsende. Der nach dem Krieg verwüstete Anstaltsfriedhof für die deutschen Patienten wurde beräumt und soll nun ein Denkmal für die Opfer erhalten. Die zweisprachige Veranstaltung ist als Forum für den tschechisch-deutschen Austausch über ein schweres Kapitel gemeinsamer Geschichte gedacht.

Im Vorfeld wird ab 17 Uhr die Ausstellung geöffnet sein. Die Abendveranstaltung selbst findet in der benachbarten Cafeteria von W & N Lebensräume statt.

Einen Tag später, am Dienstag, ist in der Gedenkstätte ab 19.30 Uhr der Film „Im Labyrinth des Schweigens“ von Giulio Riccarelli (2014) zu sehen. Im Vorfeld des ersten Auschwitz-Prozesses 1963 gibt er einen Einblick in die Atmosphäre von Neuaufbau und Wirtschaftswunder einerseits und Verweigerung der Auseinandersetzung mit den nationalsozialistischen Verbrechen andererseits. Der Hauptheld – ein junger Rechtsanwalt, der im Rahmen der Prozessvorbereitung einen intensiven Reifungsprozess durchläuft, macht die Thematik auch für Jugendliche Zuschauer spannend und nachvollziehbar. (SZ)

www.gedenkstätte-grossschweidnitz.org