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Tausende Masken gegen Corona

In der Region Liberec nähen Tschechen in Werkstätten und Zuhause den Atemschutz zusammen, der inzwischen zur Pflicht geworden ist.

Von Petra Laurin
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In der Region Liberec werden 10.000 Schutzmasken genäht, unter anderem in der Gewerbeschule.
In der Region Liberec werden 10.000 Schutzmasken genäht, unter anderem in der Gewerbeschule. © Region Liberec (Archiv)

Ob alte Unterhosen, Nachthemden oder Staubsaugerbeutel: Alles wird für die Produktion der Schutzmasken genutzt, die Tschechen in ihren Haushalten zusammennähen. Der erste Impuls kam am Wochenende von der Region Liberec (Reichenberg). Mangels bis heute ausreichender Schutzmittel appellierte Bezirkshauptmann Martin Puta an alle, selbst welche herzustellen. Was folgte, war eine Welle der Solidarität - für das Personal im Gesundheitswesen, Fahrer in Bussen und Bahnen sowie Verkäufern.

Seit Dienstag nun ist das Tragen von Schutzmasken in der Region Liberec Pflicht, inzwischen landesweit. Die tschechische Regierung beschloss am Mittwoch, dass Läden, die textile Stoffe verkaufen, von den angeordneten Geschäftsschließungen ausgenommen werden. Die Verkehrsbetriebe in Prag ordneten an, dass nur noch Menschen mit einer Mund- und Nasenbedeckung in Straßenbahnen, Bussen und U-Bahnen einsteigen dürfen. "Einen Mundschutz zu nutzen, etwa einen Schal oder ein Tuch, ist besser als nichts", sagt Martin Puta.

Nanomaterial wirkt zu 90 Prozent

Die erste Werkstatt zum Nähen der Masken entstand in der Gewerbeschule für Textilien in Liberec gegründet. Dort besorgten sich 16 Pädagogen und Schüler das Material für 10.000 Stück. Auch die Näherinnen des F. X. Salda Theaters befassen sich statt mit Kostümen nun damit. Täglich produzieren sie 500 Masken. Der größte Lieferant ist die Technische Universität. Die Region gab der Manufaktur, die über die Nacht entstanden ist, einen Vertrag für 150.000 Stück und 40.000 Beatmungsgeräte, bestätigt der Bezirkshauptmann.

"Vom Professor David Lukas kam die tolle Nachricht, dass die Wirkungskraft des Nanomaterials gegen das Coranavirus bei rund 90 Prozent liegt", berichtet Martin Puta auf seiner Facebook-Seite. Das wird mit einer speziellen Maschine produziert. Auch dies ist eine Neuheit der Technischen Universität, die eigentlich noch geheim bleiben sollte.

Rund zwei Dutzend Hochschulmitarbeiter wechseln sich beim Nähen ab. "Aus Sicherheits- und Gesundheitsgründen schauen wir, dass wir nicht zu viel im Raum sind", berichtet Jana Melicherikova, die an der Gewerbeschule als Labortechniker beschäftigt ist. Die Schutzmasken werden mit Ozon oder Warmluft sterilisiert.

In Jablonec nad Nisou (Gablonz) besteht schon eine Ausgabestelle. Wer eine Maske braucht, kann sich an einem Baum kostenfrei bedienen. Der trägt nun den Namen Rouskovnik (Maskenschutzbaum), abgeleitet vom tschechischen Wort für Maskenschutz "Rouska". 

In der Region gibt es zurzeit sechs bestätigte Fälle. Der Verdacht auf Corona bei zwei Mitarbeitern einer Hradeker (Grottauer) Firma, die in China waren, hat sich derweil nicht bestätigt. Aktuell arbeiten die Liberecer noch an Lösungen für Obdachlose und Menschen, die ihre Quarantäne im Isergebirge verbringen müssen.

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