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In Liberec und Usti gilt wieder Maskenpflicht

Tschechien meldet steigende Corona-Zahlen. Die Regierung in Prag greift deshalb auf altbewährte Mittel zurück.

Der Jested (Jeschken) bei Liberec ist ein beliebter Ausflugsort. Viele Menschen besuchen ihn täglich. Nun steigen die Infektionszahlen wieder.
Der Jested (Jeschken) bei Liberec ist ein beliebter Ausflugsort. Viele Menschen besuchen ihn täglich. Nun steigen die Infektionszahlen wieder. © Matthias Weber

Von Hans-Jörg Schmidt, SZ-Korrespondent in Prag

Ein „Techtelmechtel“, eine heimliche Liebschaft also, verursacht immer dann Ärger, wenn jemand dahinter kommt. Ein Beispiel aus dem Prager Stadtbezirk Vinohrady zeigt, dass man mit einem Besuch in einer gleichnamigen Nachtbar sogar so auffliegen kann, dass davon landesweit alles haarklein in den Zeitungen steht.

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Ausgerechnet Sportler, Fußballer aus den zweiten Mannschaften namhafter Prager Spitzenklubs, hatten sich am vergangenen Sonnabend in der Bar „Techtle Mechtle“ getroffen. Die Feier war so ausgelassen und der Zeit nur wenig angemessen, dass anschließend 15 der Kicker positiv auf Corona getestet wurden. Wahrscheinlich hatten sie sich bei einer Bardame infiziert. Die Fußballer ihrerseits steckten mindestens 53 weitere Gäste des Nachtklubs an. Mehr als 100 wurden in Quarantäne geschickt.

Der Vorfall hat Tschechiens Gesundheitsminister Adam Vojtěch aufgeschreckt, der sofort um ein Krisentreffen mit Regierungschef Andrej Babiš bat. Die Bar in Prag ist einer der neuen Corona-Brennpunkte, von denen es in Tschechien mehr und mehr gibt. Die Zeitung Mladá fronta Dnes schrieb: „Das Virus schlägt erneut alle Rekorde.“ In fast jeder Ecke des Landes gibt es lokale Brennpunkte.

Die Zahl der Infizierten steigt wieder auf mehr als 200 täglich. Solche Zahlen gab es zuletzt vor einem Monat. Tschechien schreddert damit seine einst europaweit ansehnliche, weil niedrige Bilanz. Jetzt zählt man alles in allem auch schon mehr als 5.000 Infizierte. 365 Todesfälle werden mit Corona in Verbindung gebracht.

Noch ist das alles absolut beherrschbar. Die Krankenhäuser verfügen über mehr als 3.600 Betten mit Sauerstoffventilatoren für die ganz schweren Fälle. Die ganz große Mehrheit davon ist leer. Aber man will im Nachbarland keinerlei Risiko eingehen. „Eine zweite Corona-Welle muss unter allen Umständen vermieden werden“, lautet das Credo der Regierenden.

Deshalb greift man auf bewährte Mittel zurück. Ab Freitag gilt in den an der Grenze zu Sachsen gelegenen Regionen um Liberec (Reichenberg) und Ústí nad Labem (Aussig) wieder die Maskenpflicht. Zunächst einmal beim Besuch von Gesundheits- und Sozialeinrichtungen und in Apotheken. Doch sollte das nicht helfen, sind auch Maßnahmen strengerer Art nicht mehr ausgeschlossen. Die könnten auch die Pendler nach Deutschland betreffen.

Ostrava, Partnerstadt Dresdens, liegt im Kern des Mährisch-Schlesischen Bezirks, der seit Wochen wegen vieler Corona-Fälle in den dortigen staatlichen Kohlegruben in den Schlagzeilen ist. Freilich wird in der Stodolní-Straße, dem Vergnügungsviertel der Stadt, trotzdem gefeiert, als ob es kein Morgen mehr gibt. Redet man mit den vorrangig jungen Leuten dort, dann verstehen sie die Einschränkungen zwar rational irgendwie, lehnen sie aber emotional zunehmend ab. Es hat auch schon mehrere Demonstrationen in der drittgrößten Stadt Tschechiens gegen die Regierungspolitik gegeben. Immerhin blieben die alle völlig friedlich.

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Die Zeitungen im Land lassen keinen Tag vergehen, um in Kommentaren immer wieder zu warnen: „Das Virus ist offenkundig noch lange nicht besiegt. Die Gesellschaft muss wieder mehr Rücksicht auf die besonders Gefährdeten walten lassen“, hieß es etwa in Lidové noviny. Die große Sorge der Experten gilt dem September – wenn alle Urlauber auch aus dem Ausland zurückgekehrt sein werden. Da werde ganz Tschechien wohl wieder Maske tragen müssen.

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