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Türchen öffnen mit der Kettensäge

Mittwoch war Halbzeit. Zwölf von 24 Adventskalender-Türen sind gefüllt – mit Figuren aus Holz, Pilzhüten und Wichteln.

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Handwerklich begabte Künstlerinnen sind derzeit zu Gast im Kriebelland. Elisabeth Gumpp (links) und Nicole Gruber gestalten mit ihren Kettensägen Figuren für das Baumhaushotel „Kriebelland“ von Steffen Mäding (r.) an der Talsperre Kriebstein. Ihre Arbeit
Handwerklich begabte Künstlerinnen sind derzeit zu Gast im Kriebelland. Elisabeth Gumpp (links) und Nicole Gruber gestalten mit ihren Kettensägen Figuren für das Baumhaushotel „Kriebelland“ von Steffen Mäding (r.) an der Talsperre Kriebstein. Ihre Arbeit © Falk Bernhardt

Von Christian Kluge

Kriebstein. Es ist wohl der ungewöhnlichste Adventskalender, der derzeit im „Kriebelland“ an der Talsperre Kriebstein gefüllt wird. Der Inhalt: Bilder von Figuren, die zwei Holzbildhauerinnen aus Bayern schaffen. Es ist ein virtueller Kalender. Nachschauen, was sich hinter den Türchen verbirgt, können Interessierte im sozialen Netzwerk Facebook unter dem Suchbegriff „Kriebelland“.

Das Dröhnen der Kettensägen ist schon von weitem zu hören. Allerdings werden keine Bäume gefällt, sondern es entstehen kleine und große Kunstwerke aus Holz. Dafür hat sich Kriebelland-Chef Steffen Mäding zwei Spezialistinnen geholt: Elisabeth Gumpp und Nicole Gruber. Beide arbeiten als Holzbildhauerinnen.

„Wir sind zum ersten Mal hier im Einsatz“, erzählt die 29-jährige Nicole Gruber, die dieser Arbeit freiberuflich nachgeht. „Ich habe vorher unter anderem für die Erlebnisbahn in Ratzeburg gearbeitet. Mein Weg hat aber schon 2010 auf der Holzbildhauerschule in Berchtesgaden begonnen.“ Dies sei die wohl prägendste Zeit in ihrem Leben gewesen. „Die wichtigste Sache, die ich dabei mitgenommen habe, ist ein besonderes Gespür für Materialien.“ Zuletzt ist Gruber, die in Augsburg zuhause ist, viel durchs Land gereist und hat verschiedene Aufträge übernommen. Die vier Jahre jüngere Elisabeth Gumpp ist ebenfalls auf Reisen. „Ich ziehe dort hin, wo die Arbeit ist“, sagt die junge Frau. Und die ist jetzt gerade im Kriebelland, wo die beiden jungen Frauen gleich in einem Baumhaus wohnen können. Kriebelland-Chef Steffen Mäding freut sich, dass die beiden Frauen ihm dabei helfen, das Gelände mit noch mehr Skulpturen zu verschönern. Acht neue „Wächter“ werden hergestellt, die als Figuren im nächsten Jahr das verträumte Kriebelland bewachen sollen. Steffen Mäding ergänzt: „Außerdem bauen sie Stalaktiten, die dann an verschiedenen Stellen aufgehängt werden.“ Mehrere große Pilze sollen später in dem noch im Bau befindlichen Märchenwald ihren Platz finden. Den Stand ihrer Arbeiten zeigen die beiden Künstlerinnen täglich in dem Adventskalender im Internet. Bis zum 24. Dezember. Denn dann wollen die beiden abreisen, um die Weihnachtsfeiertage zu Hause zu verbringen.

Vor zehn Jahren hat der frühere Radio-Journalist Steffen Mäding das rund 3 500 Quadratmeter große Gelände an der Talsperre gepachtet, Bauanträge gestellt und nach langem Warten auf die Genehmigungen schließlich mit dem Bau der Baumhäuser losgelegt. Drei Stück vermietet er inzwischen. Sieben Jahre und rund 30 000 Arbeitsstunden habe es gedauert, bis das erste Baumhaus fertig war, erinnert sich Mäding. Mehr als die jetzigen drei Bauwerke passen allerdings nicht auf das Gelände. Das stört den Inhaber nicht. Die Vermietung der Baumhäuser laufe gut. Bereits für die Weihnachtstage hätten sich die nächsten Gäste angemeldet. Und auch für 2019 sei die Hälfte der Häuser in der Saison schon belegt. „Wir hatten dieses Jahr mehrere Gesellschaften hier, die Geburtstag gefeiert haben“, sagt Mäding und ergänzt: „Hochzeitspaare waren auch schon da.“ Viele Gäste würden die angenehme und außergewöhnliche Atmosphäre schätzen: Im Sommer auf urigen Bänken um den Grill sitzen und den Sonnenuntergang am Wasser genießen – das ziehe immer mehr Gäste an. Außerdem hat Mäding einen Kanuverleih im Programm. Wer fit ist, der kann also die über zehn Kilometer lange Strecke bis zum anderen Ende des Stausees paddeln und die Kalorien vom Grillplatz wieder aufbrauchen. (mit FP)