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Türkei lässt Urlauber erst nach Pflichttest ausreisen

Wer positiv ist, muss nicht nur bleiben, sondern hat oft auch ein finanzielles Problem. Eine Covid-Police soll schützen.

Leere Liegen am Strand bei Antalya in der Türkei. Vielen Urlaubern ist das Corona-Risiko zu hoch.
Leere Liegen am Strand bei Antalya in der Türkei. Vielen Urlaubern ist das Corona-Risiko zu hoch. © Marius Becker/dpa

Während für die meisten europäischen Länder die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes aufgehoben ist, gilt sie für die Türkei weiterhin. Davon ausgenommen sind seit dem 4. August nur die wichtigsten Ferienregionen des Landes – die Provinzen Aydin, Izmir und Muğla in der Ägäis sowie die Provinz Antalya. Deutsche Urlauber dürfte das freuen, denn die Türkei ist nach Spanien und Italien das drittbeliebteste Reiseziel. Doch die Lockerung ist an strenge Corona-Schutzmaßnahmen gekoppelt. Die wichtigste Regel betrifft die Rückreise: Egal ob per Flugzeug, Auto oder Bus: Wer nach Deutschland zurück möchte, muss einen negativen Corona-Test vorlegen, der nicht älter als 48 Stunden ist. Fällt der Test positiv aus, müssen sich Urlauber vor Ort in Quarantäne beziehungsweise in ärztliche Behandlung begeben. Wie genau soll das funktionieren?

Testen lassen müssen sich alle Reisenden, egal, in welcher türkischen Region sie unterwegs waren. Ausgenommen sind lediglich Kinder bis zwei Jahre. Möglich sind die Tests zum einen direkt im Urlaubshotel. So sind Häuser mit mehr als 50 Zimmern verpflichtet, mit einem Krankenhaus vor Ort zusammenzuarbeiten. Gesundheitspersonal steht also bereit. Kleinere Hotels können das freiwillig anbieten.

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Tests auch am Flughafen

Zum anderen können Touristen den Corona-Test an den internationalen Flughäfen wie Antalya, Muğla, Bodrum, Izmir und Istanbul durchführen lassen. „Mittlerweile wurden dafür 167 Testzentren eingerichtet“, sagt Tanja Battenfeld von der Pressevertretung des Urlaubslandes. Eine Anmeldung sei nicht notwendig, es müsse jedoch mit Wartezeiten gerechnet werden. In Istanbul etwa werden derzeit pro Stunde rund 2.000 Passagiere in 50 Kabinen getestet. „Um wirklich früh genug an das Ergebnis zu gelangen, sollten Reisende den Abstrich einen Tag vor Abreise im Urlaubshotel abgeben“, rät Battenfeld.

Die Türkei geht damit einen Sonderweg. Zwar gilt eine Testpflicht auch für Reiserückkehrer aus anderen Risikogebieten. Allerdings können die den Abstrich nach ihrer Ankunft innerhalb von drei Tagen hier in Deutschland machen lassen.

In der Türkei kostet der Test 30 Euro. Zahlen müssen das die Reisenden selbst. Getestete erhalten einen Barcode, mit dem sie ihr Ergebnis später online auf ihrem Smartgerät unter www.enabiz.gov.tr abrufen können. Außerdem sollten sie die Unterlagen ausdrucken und gut aufbewahren. Bis das Ergebnis vorliegt, besteht für Urlauber keine Isolationspflicht.

Hotels mit Isolationszimmern

Und was, wenn der Corona-Test tatsächlich positiv ausfällt? „Ganz klar: Dann kann der Urlauber die Heimreise nicht antreten“, sagt Battenfeld. In dem Fall bestehe die Möglichkeit, sich in die extra eingerichteten Isolationszimmer im Urlaubshotel zurückbringen zu lassen – auch wenn der Check-out bereits erfolgt ist. Das von der Türkei auferlegte Programm „Sicherer Tourismus“ verpflichtet aktuell größere Hotels im Land dazu, abgesperrte Bereiche für Gäste bereitzustellen, die sich während ihrer Reise mit Corona infizieren.

Die Kosten für den längeren Aufenthalt während der Quarantäne übernimmt das Hotel – aber nur, wenn es eine spezielle Versicherung abgeschlossen hat. „Ob diese Police besteht, sollten Reisende vorab bei ihrem Veranstalter erfragen“, sagt Battenfeld. Auch bezüglich der verzögerten Rückreise sollten sich Urlauber direkt an den Veranstalter oder die Airline wenden.

Die ersten Reiseanbieter reagieren bereits auf die Corona-Maßnahmen in der Türkei. So hat FTI angekündigt, in Zusammenarbeit mit Hotelpartnern vor Ort zusätzlich entstehende Kosten zu übernehmen, wenn ein Urlauber wegen eines positiven Tests in Quarantäne muss. Sind Kinder betroffen, dürfe ein Eltern- oder Großelternteil ebenfalls kostenfrei bleiben. „Die Gäste werden in der Regel im gebuchten Hotel in den Quarantänezimmern untergebracht und verpflegt“, sagt Hicabi Ayhan von FTI. Zudem werde der Flug des betroffenen Gastes kostenfrei umgebucht. Auch die Veranstalter LMX, Ferien Touristik und Bentour teilen mit, dass sie ihre Kunden im Fall eines positiven Testes im gebuchten oder in einem gleichwertigen Hotel unterbringen und die Kosten für den späteren Flug übernehmen wollen.

Auslandskrankenversicherung prüfen

Parallel sollten Urlauber vor ihrem Flug in die Türkei überprüfen, ob ihre Auslandskrankenversicherung gegebenenfalls Behandlungskosten bei einer Infizierung übernimmt. „Darüber hinaus wird Touristen aus Deutschland eine zeitlich begrenzte Covid-19-Versicherung angeboten“, sagt Tanja Battenfeld. Diese greife, wenn sich ein Urlauber während seines Aufenthaltes infiziert, Symptome zeigt und in ein Krankenhaus gebracht werden muss. Angeboten werden drei gestaffelte Pakete, die zwischen 15 und 33 Euro kosten. Abgeschlossen werden kann die Police über die Internetseiten türkischer Fluggesellschaften, Reiseveranstalter oder an den Verkaufsstellen vor den Passkontrollen in den türkischen Flughäfen.

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Aber auch schon bei der Einreise in die Türkei müssen Urlauber mit Einschränkungen rechnen. Bei allen ankommenden Passagieren wird mit Wärmebildkameras die Körpertemperatur gemessen. „Liegt sie höher als 37,8 Grad Celsius oder zeigt der Urlauber Symptome, wird ein kostenloser PCR-Test durchgeführt“, sagt Sprecherin Tanja Battenfeld. Ist das Ergebnis positiv, wird der Passagier zur Behandlung in ein Krankenhaus gebracht. Dafür würden Gesundheitspersonal und Krankentransportwagen an den Flughäfen bereitstehen. Im Krankenhaus entscheiden dann die Ärzte, ob der Patient stationär behandelt werden muss. Ist eine Isolation erforderlich, wird der Passagier im Quarantänebereich des gebuchten Hotels untergebracht.

Informationen zur Covid-19-Versicherung gibt es unter www.tga.gov.tr/insurance/

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