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Türkischer Verlag will Händler abzocken

Knapp 1 000 Euro sollen die Gewerbetreibenden überweisen. Die Verbraucherzentrale warnt davor, auf das Schreiben zu reagieren.

Von Antje Steglich

Sehr freundlich war der Mann, der in den vergangenen Tagen unzählige Gewerbetreibende in Nünchritz anrief. In einwandfreiem Deutsch bittet er, die Daten aus der Annonce aus der vor zwei Jahren erschienenen Broschüre „Leben, Arbeiten und Erholen in Nünchritz“ für eine weitere Auflage zu prüfen. Es folgt ein Fax von der Werbeagentur MedienDesign aus Izmir in der Türkei mit einem Vertrag – fertig zur Unterschrift.

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Die Kosten für die angebliche Werbung: 599 Euro Grundpreis plus 199 Euro Einstellungsgebühr plus 199 Euro für die grafische Gestaltung plus Mehrwertsteuer. Das alles zweimal jährlich für eine Laufzeit von drei Jahren. Ein telefonischer Rückruf ist meist nicht möglich.

Für Claus Teichmann, Chef des Service- und Handelshofes Nünchritz, ist klar: „Türkische Mafia.“ Und auch Bürgermeister Gerd Barthold (CDU) schickt schnell eine Warnung an alle Firmeninhaber raus. Denn es gibt gar keine zweite Auflage der Broschüre, und es wurde auch kein Unternehmen mit der Anzeigenakquise beauftragt. „Das ist eine illegale Anzeigenwerbung, so eine Masche habe ich noch nicht erlebt“, sagt Bürgermeister Barthold. „Zum Glück ist scheinbar noch keiner drauf reingefallen.“

„Ich habe sogar versucht, diesen Verlag zurückzurufen. Da war der Mann nicht mehr so nett. Ich habe so lange mit ihm diskutiert, bis er böse wurde“, erzählt Immobilienverwalter Holger Schweinberger. Die Händler vermuten, der türkische Verlag setzt auf den Stress der Vorweihnachtszeit und dass man dann vielleicht nicht so sehr achtgibt. Warum allerdings gerade Nünchritz in den Fokus der scheinbaren Betrüger rückte, das kann sich hier keiner erklären.

Andere Städte – gleiche Masche

„Extrem unseriös“, nennt Sylvia Neubert von der Verbraucherzentrale Riesa das Angebot, „wir warnen davor, so etwas zu unterschreiben.“ Man habe in der Region noch nicht so einen Fall gehabt. Dass die Telefonnummer fehlt, erst im Kleingedruckten die Laufzeit auftaucht und in dem Vertrag nichts darüber steht, wo konkret für das Geld geworben wird, zeige die Unseriosität. „Es wird zudem suggeriert, dass das Angebot von der Kommune kommt, und bei der Laufzeit ist es zudem auch ein echt happiger Preis“, so Sylvia Neubert weiter: „Das ist auf jeden Fall eine Irreführung und sollte an die Polizei weitergegeben werden.“

Anzeige wurde nach den Informationen der Sächsischen Zeitung bisher jedoch nicht gestellt. Die Unternehmer sehen nach eigener Aussage davon ab, weil kein Schaden eingetreten sei.

Im Internet findet man übrigens schnell Warnungen vor der Werbeagentur Izmir. Die Gemeinde Ihlow in Ostfriesland warnt zum Beispiel vor den dubiosen Angeboten per Fax aus der Türkei und ruft ihre Bürger dazu auf, wachsam zu sein. Ähnliches berichtet die Stadt Velbert in Nordrhein-Westfalen. Zudem gibt es zahlreiche Erlebnisberichte, die von ähnlichen Methoden berichten. Manches Mal hat sich dabei auch eine „nette Dame“ gemeldet und manchmal auch ein angebliches Call-Center in Berlin. Die Warnungen der Betroffenen sind am Ende aber immer die gleichen: „Finger weg!“, „Angebot wegschmeißen!“ oder „Einfach am Telefon mit dem Anwalt drohen, dann meldet sich keiner mehr.“

Für die SZ war das türkische Unternehmen trotz mehrmaliger Versuche nicht zu erreichen.