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Türmischer Einsatz

Bosæij Benada hat die halbe Welt gesehen. Nun untersucht er, wie man Bautzens Türme an den Mann bringen kann.

© Uwe Soeder

Von Miriam Schönbach

Diese „türmische“ Aussicht über Bautzen genießt Bosæij Benada. Imposant staksen die Alte Wasserkunst, der Turm der Michaeliskirche, der Alte Wasserturm die Mühlbastei und der Burgwasserturm in den sonnigen Himmel. Über die Friedensbrücke rollen an diesem Frühlingstag zahlreiche Autos mit auswärtigem Kennzeichen und Reisebusse im Schritttempo. Staunend bleiben viele Blicke an der mittelalterlichen Stadtsilhouette hängen. „Man sieht’s: Diese Türme haben Potenzial“, sagt der Tourismusmarketing-Student. Für seine Abschlussarbeit an der Hochschule Zittau/Görlitz untersucht er nun ihre Stärken und entwickelt ein Nutzungskonzept für Bautzens Hingucker.

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Bosæij Benada schaut dem Strom der Autos hinterher. „Bevor wir für Touristen die Türme spannend machen, müssen wir zuerst die Leute vor Ort auf diese Kostbarkeiten aufmerksam machen“, sagt der 32-jährige Bautzener. Er kennt seine Heimatstadt wie seine Westentasche. Schließlich ist das Areal um die Bautzener Ortenburg und das Spreetal für ihn und seine Freunde zu Beginn der 90er-Jahre ein Abenteuerspielplatz. Der Mühlbastei fehlt damals noch das Dach. Im Inneren wachsen Sträucher und an den steinigen Granitwänden klettert es sich hervorragend nach oben. Entlang der Spree warten dagegen verwunschene Gärten und leere Fabriken. Die Augen leuchten bei den Erzählungen.

Vielleicht hat sich der Sorbe genau aus dieser Verbundenheit für das lokale Abschlussthema seines Studiums entschlossen. „Ich habe viel von der Welt gesehen, aber ich möchte hier etwas bewegen“, sagt der gelernte Mediengestalter. Nach seiner Ausbildung in Berlin findet er 2004 keine Arbeit. Deshalb beschließt Bosæij Benada, fremde Länder zu erkunden. Zuerst geht’s nach Kreta. Der Start ist holprig. Statt der versprochenen Arbeit der deutschen Vermittlungsagentur wartet nichts auf den Neuankömmling. Der Bautzener schlägt sich durch und landet als Gästebetreuer und Unterhalter in einer Hotelanlage. Der erste Schritt in die Tourismusbranche.

Zurück in Deutschland heuert der Reisende in der Gastronomie an. Doch es hält ihn nicht. Stattdessen schnuppert er weiter den Duft der großen, weiten Welt. Er arbeitet unter anderem als Animateur auf Fuerteventura und Teneriffa. Nach seiner Rückkehr 2006 beginnt er bei einem Gastronomie-Personaldienstleister, der große Sterne-Veranstaltungen ausrichtet. In seinem Auftrag baut er mit Kollegen eine Filiale in Dresden auf. Dieses Team organisiert unter anderem den Semperopernball oder Feiern in der VW Manufaktur. Die Arbeit macht Spaß, ist aber auch Stress pur. So denkt Bosæij Benada über einen neuen Weg nach.

Dieser Pfad führt ihn zurück in die Heimat. „Studieren stand für mich immer auf dem Plan. Die Tourismusrichtung passte am besten zu meinem Leben“, sagt der Wahl-Görlitzer. Doch es bleibt nicht dabei, nur die Schulbank zu drücken. Stattdessen versucht er mit Freunden, sein erworbenes Wissen unter die Leute zu bringen. Sie entwickeln das „Karasek-Event“, eine moderne Schnitzeljagd. Innerhalb der alten Stadtmauern von Bautzen können Gruppen mithilfe von Karten und Hinweisen einem Geheimnis auf die Spur kommen.

Bei dieser Stadtbesichtigung der anderen Art lernt der Student den Lauentürmer Andreas Thronicker kennen. Beide finden schnell einen Draht zueinander und entwickeln gemeinsam Idee. Einen ersten Erfolg verbuchen sie am Karfreitag mit 150 Besuchern bei der Türme-Krimi-Nacht. Eine Neuauflage wird es im kommenden Jahr geben. Dieser Volltreffer macht Mut für die Abschlussarbeit. Doch nach der Praxis kommt jetzt die Theorie. „Bautzen wirbt mit dem Slogan ,Viele Türme. Gute Aussicht’, doch mehr als einen Satz habe ich bis jetzt nirgendwo zum Thema gefunden. Zuerst werde ich beispielsweise alle Türme samt Zustand, Nutzung und Angeboten auflisten“, sagt der Hochschulabsolvent.

Bosæij Benada blickt über das Spreetal in die Altstadt. Es soll nicht bei dieser Analyse bleiben. Für künftige Nutzungen spuken dem Studenten viele Visionen im Kopf umher. „Ich möchte nichts vollkommen umkrempeln, aber Anregungen geben. Unsere türmischen Erlebnisse sollen Einheimische bewegen, mal wieder auf einen Turm zu steigen. Da sehe ich Möglichkeiten“, sagt Bosæij Benada. Neben Krimi-Abenden könnte er sich für Bautzens Hingucker Musik, Kleinkunst, sogar sportliche Veranstaltungen vorstellen. Das ist noch Zukunftsmusik. Jetzt wartet erst einmal der Schreibtisch mit der Turm-Theorie.