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Tunnel-Umbau kostet 100 Millionen

Im vergangenen Mai hat ein Lkw im A4-Tunnel Königshainer Berge gebrannt. Nun ist analysiert worden, was der Neu- oder Umbau der Tunnelröhren kosten würde.

© Rolf Ullmann

Von Katja Schlenker

Stau, Lärm und Krach – der gesperrte Tunnel durch die Königshainer Berge hat sowohl Anwohner als auch die Behörden im vergangenen Jahr beschäftigt. Am Pfingstwochenende 2013 hat ein polnischer Lkw, der auf der Autobahn 4 auf dem Weg in Richtung Grenze unterwegs gewesen ist, in dem 3,3 Kilometer langen Bauwerk gebrannt. Der Tunnel ist daraufhin von Ende Mai bis Mitte Oktober gesperrt gewesen. Der Verkehr zwischen Nieder Seifersdorf und Kodersdorf hat sich auf die Staatsstraße 122 und die Bundesstraße 115 verlagert. Nun hat das Landesamt für Straßenbau und Verkehr den Vorfall analysiert.

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Während sich der Umleitungsverkehr abseits der Autobahn durch die Orte schob, ist oft die Frage laut geworden, ob der Tunnel nicht umgebaut werden kann. Momentan ist er so konzipiert, dass je eine Röhre für eine Verkehrsrichtung da ist. Damit ist auch dem Wunsch des Görlitzer Landrats Bernd Lange (CDU) entsprochen worden. Der hat im September 2013 die Überprüfung gefordert. Die Aussage des Landesamtes, dass ein Umbau des Tunnels für beidseitigen Verkehr zu teuer ist, reicht ihm nicht aus. „Bisher ist der Vorschlag nur abgeblockt worden. Das halte ich aber für falsch“, sagt er damals und will wissen, was günstiger ist – Tunnel-Umbau oder nach jeder Umleitung für viel Geld die kaputt gefahrenen Straßen zu sanieren.

„Durch das Landesamt für Straßenbau und Verkehr wurden verschiedene Varianten für den Um- und/oder Neubau der Tunnelröhren geprüft“, teilt Sprecherin Isabel Siebert mit. „Demnach würden hierfür Kosten zwischen 100 und 240 Millionen Euro für entsprechende Baumaßnahmen anfallen.“ Auch eine zusätzliche Umgehungsstraße kommt nicht infrage. Kostenpunkt hier: etwa 75 Millionen Euro. Zudem würde diese Straße, wegen des parallelen Verlaufs zur Autobahn, vermutlich auch nicht durch den Bund genehmigt. „Für Straßenbauprojekte des Bundes gelten hohe Anforderungen, insbesondere an Verkehrsbedarfe, denen keine der geprüften Varianten zur Entlastung der Bevölkerung entlang der Umleitungsstrecken entsprechen kann“, sagt Isabel Siebert.

Den Verkehr in beide Richtungen durch eine Tunnelröhre zu leiten, geht auch nicht, weil Fluchtwege, Wegeleitsysteme und Pannennothaltebuchten nur in eine Richtung angelegt sind. Doch all diese einzelnen Anlagen gehören zu einem komplexen Sicherheitssystem. Vor allem die Lüftungsanlagen umzurüsten, ist nicht machbar.

Zudem befürchtet das Landesamt eine zusätzliche Gefahr durch ein mehrere Kilometer langes, striktes Überholverbot. Auch fehlende Ausweichmöglichkeiten, etwa bei liegengebliebenen Fahrzeugen, werden als großes Sicherheitsrisiko betrachtet. „Höchste Priorität hat zudem die Sicherung ausreichender Selbst- und Fremdrettungswege, beispielsweise bei einem schweren Unfall“, erklärt Sprecherin Isabel Siebert. Wenn es lediglich eine Spur je Fahrtrichtung in einer Röhre gibt, kommt es zu einem beidseitigen Stau. Der wiederum verhindert, dass Rettungsfahrzeuge zur Unfallstelle gelangen können. Hinzu kommt, dass der Fluchtweg aus dem Tunnel für einen selbst in diesem Szenario durch unübersichtliche und mehrfach angebrachte Fluchtwegschilder zusätzlich erschwert werden würde.

Der Vergleich mit anderen folgenschweren Tunnelunfällen der vergangenen Jahre zeigt zudem, dass Tunnel, die im Gegenverkehr betrieben werden, rein theoretisch gefährlicher sind, als Tunnel mit zwei getrennten Röhren. So nennt Isabel Siebert 80 Verletzte, die es 2013 im norwegischen Gudvangatunnel gegeben hat. Sie räumt aber auch ein, dass die Autobahn 4 in Ostsachsen derzeit nicht dem vom Bund geforderten Verkehrsaufkommen beziehungsweise Prognosen entspricht. Dennoch ist die wichtige Verkehrsader zwischen der Landeshauptstadt und der Grenze nach Polen mittlerweile unverzichtbar – nicht nur wegen der Infrastruktur, sondern auch für die Lebensqualität derer, die hier wohnen.