SZ +
Merken

Tunnelbauer unter Zeitdruck

In der Röhre durch die Königshainer Berge wird seit Monaten gearbeitet. Weihnachten soll alles fertig sein.

Teilen
Folgen

Von Frank Seibel

So hell war es im Tunnel lange nicht mehr. Nur wenige schwarze Flecken an den Wänden zeugen davon, dass hier seit fast 15 Jahren täglich Hunderte Autos ihre Abgasspuren hinterlassen. Auch der Ruß vom Feuer, das hier vor drei Monaten tobte, ist beinahe verschwunden. Und dennoch ist nicht einmal Halbzeit bei der Sanierung des Tunnels nach dem Unfall mit einem brennenden Lastwagen am 18. Mai, dem Sonnabend vor Pfingsten.

Das Gutachten über die Schäden an den Tunnelwänden ist noch nicht ganz fertig, und somit ist auch noch nicht genau abzuschätzen, welchen Aufwand das sächsische Straßenbauamt noch betreiben muss, bis die südliche Tunnelröhre wieder voll funktionstüchtig ist. Aber mit großer Wahrscheinlichkeit müssen hier nicht ganze Elemente der Betonverschalung ausgewechselt werden. Es wird reichen, die von der Hitze beschädigten Platten zu reparieren, sagte am Montag der für den Hochbau zuständige Abteilungsleiter Frank Petzoldt.

Die besondere Herausforderung für die Ingenieure wird nun aber sein, den neuen Beton so mit der bestehenden Wand zu verbinden, dass bei Hitze oder Kälte nicht nach einiger Zeit wieder größere Stücke abplatzen. Dazu laufen derzeit intensive Material-Untersuchungen, sagte Petzoldt.

So oder so gibt es aber so viel zu tun im Autobahn-Tunnel, dass die Ingenieure die lehrbuchmäßige Reihenfolge der Arbeiten ignorieren und begonnen haben, schon jetzt etliches parallel zu erledigen. Die Wände des Tunnels wurden auf mehreren Hundert Metern von Ruß befreit. Auch die Entwässerungsleitungen wurden bereits gereinigt. In diesen Tagen wird die Betondecke der Fahrbahn auf 20 Metern komplett erneuert, auf insgesamt 500 Metern ausgebessert. An der Tunneldecke werden schon jetzt Kabel verlegt für Licht und Entlüftung. Die stark verrußten Entlüfter werden bereits nach und nach ausgetauscht. „Ruß ist brennbar und wäre somit eine Gefahr, falls wieder ein Unfall passieren sollte“, erläuterte der zuständige Referatsleiter Carsten Neuberg beim zweiten Vorort-Termin mit Journalisten.

Durch die zeitgleichen Arbeiten an mehreren Stellen soll das Ziel erreicht werden, das die Straßenbauer wenige Wochen nach dem Unfall ausgegeben hatten: Bis Ende des Jahres soll der Tunnel wieder voll befahrbar sein. Der Präsident des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr, Rainer Förster, zeigte sich gestern zuversichtlich, dass das klappt. Auch bei den Kosten wagt das Straßenbauamt mittlerweile eine konkrete Schätzung. Etwa zwei Millionen Euro wird es kosten, den Tunnel wieder voll funktionsfähig zu machen, sagte Pressesprecherin Isabel Siebert.

Dass die Sanierung nicht noch teurer wird, hat vor allem damit zu tun, dass man nur wieder herstellen muss, was vorher war. Veränderungen und grundsätzliche Verbesserungen an der Konstruktion des Tunnels sind nach Überzeugung der zuständigen Fachleute nicht nötig. Das betrifft vor allem das Sicherheitskonzept. „Wir sind sehr froh, dass beim Unfall im Tunnel kein Mensch zu Schaden gekommen ist“, sagte Sprecherin Isabel Siebert. Das sei nicht zuletzt dem Grundprinzip zu verdanken, dass der Verkehr konsequent durch zwei Röhren geführt wird. Damit ist nämlich eine besondere Entlüftungs-Technik verbunden. Bei einem Brand wird der giftige Rauch vom Unfallort in Fahrtrichtung durch die Röhre nach außen gedrückt. Alle Autofahrer, die sich hinter dem Unfall im Tunnel befinden, werden somit vom Rauch verschont und somit vor einer Kohlenmonoxidvergiftung bewahrt, erläuterten die Straßenbau-Experten des Freistaats am Montag noch einmal.

Weil in diesem Tunnel der Rauch nur in eine Richtung gedrückt werden kann, wird es auch weiterhin nicht möglich sein, den Verkehr innerhalb einer Röhre in beide Richtungen fahren zu lassen. Denn bei einem Feuer würde ein Teil der Menschen mitten im Rauch stehen. Die schweren Unfälle mit mehreren Toten seien in den vergangenen 15 Jahren in Tunneln mit jeweils nur einer Röhre passiert, sagt der für den Straßenerhalt zuständige Abteilungsleiter Mathias Wagner.

Eine gute Nachricht gibt es für die Landkreise und die Ortschaften, durch die jetzt der Verkehr in Richtung Polen auf insgesamt drei Umleitungen geschickt wird. Der Freistaat will die Sanierung dieser nun stark belasteten Strecken finanziell sehr großzügig fördern, sagte Pressesprecherin Siebert. Auf ein Wort