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Dresden

Tunnelbau verhindert Straßensperrung

Die letzten Abschnitte von Dresdens größten Abwasserröhren müssen noch saniert werden. Dabei gibt es einige Hürden. 

Ein Blick in die Röhre, durch die künftig der Großteil des Dresdner Abwassers fließt. Unter der Kreuzung Tolkewitzer Wehlener Straße ist der Tunnel schon 30 Meter lang.
Ein Blick in die Röhre, durch die künftig der Großteil des Dresdner Abwassers fließt. Unter der Kreuzung Tolkewitzer Wehlener Straße ist der Tunnel schon 30 Meter lang. © René Meinig

Mit Hacken und Presslufthämmern wird derzeit unter der großen Kreuzung Wehlener/Tolkewitzer Straße gebaut. Doch außer ein paar Baucontainern sehen Kraftfahrer nichts davon. Der Verkehr rollt ungehindert weiter. Die Stadtentwässerung saniert hier das letzte kleine Stück der linkselbischen Hauptröhre, des Altstädter Abfangkanals im Dresdner Osten.

Die teuerste Altstädter Baustelle: Jeder Meter Tunnel kostet 50 000 Euro

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Durch den knapp 17 Kilometer lange Abfangkanal kommen nicht nur Dresdner Abwässer, sondern auch die aus dem Raum Pirna. Zu DDR-Zeiten floss viel Abwasser aus den undichten und zugesetzten Röhren in die Elbe. Der Kanal beginnt an der Gasteiner Straße in Laubegast und führt bis zum Klärwerk Kaditz (siehe Grafik). Seit 1994 wurde die große Röhre auf 12,5 Kilometern zwischen Laubegast und dem Kanalnetzstützpunkt an der Yenidze saniert, erläutert Ralf Strothteicher, technischer Geschäftsführer der Stadtentwässerung. Nur unter der Kreuzung vorm Wasserwerk Tolkewitz gab es noch die kleine Lücke.

Ursprünglich war geplant, die Abwasserröhre im Zuge des Straßenbaus auszutauschen. Da die Straßensanierung aber erst später kommt, hat die Stadtentwässerung die andere, viel aufwendigere und teurere Technologie gewählt. Gebaut wird ein Stollen für den neuen Kanal im Untergrund. Investiert werden rund 2,5 Millionen Euro. Somit kostet jeder Meter des neuen Kanals über 50.000 Euro, rechnet Strothteicher vor. Dadurch gibt es aber auch keinen jahrelangen Bauverzug. Der Bau der 46 Meter langen Röhre hatte im Frühjahr begonnen. Etwa 30 Meter haben die Tunnelbauer geschafft. Ende Oktober sollen alle Arbeiten abgeschlossen werden.

Der letzte, gut vier Kilometer lange Abschnitt des Altstädter Abfangkanals zwischen dem Ostra-Ufer und dem Klärwerk Kaditz soll von 2024 bis 2028 saniert werden. Strothteicher rechnet mit Kosten von bis zu 40 Millionen Euro.

© Grafik: SZ

Die aufwendigste Neustädter Baustelle: Kötzschenbroder Straße ab März frei

Das Neustädter Pendant des Altstädter Abfangkanals auf der anderen Elbseite ist 6,6 Kilometer lang (siehe Grafik). Davon sind etwa zwei Drittel saniert. Dafür hat die Stadtentwässerung bisher zehn Millionen Euro investiert. Derzeit ist das nächste, etwa einen Kilometer lange Stück vom Ballhaus Watzke bis zum Ende der Flutrinne an der Reihe. Deshalb ist die Kötzschenbroder Straße seit Dezember 2018 außer für Anlieger gesperrt, was vor allem anfangs für viel Ärger bei den Pieschenern gesorgt hatte. Der Bau hatte sich verzögert, da die Montage der Abwasser-Ersatzleitung viel länger dauerte. Doch jetzt kann der Kanal saniert werden. Das soll bis spätestens Ende März nächsten Jahres geschafft sein. Dann wird die Straße wieder freigegeben.

Geplant ist, dass danach der letzte, 1,5 Kilometer lange Abschnitt des Neustädter Abfangkanals von Ecke Scharfenberger/Böcklinstraße bis zum Klärwerk Kaditz saniert wird. „Wenn alles gut läuft, können wir noch 2020 beginnen“, sagt Strothteicher. Allerdings gibt es dabei ein großes Problem – die Ersatzleitung. Durch die fließen bei der Kanalsanierung bis zu 1.100 Liter Abwasser je Sekunde. Eigentlich sollte die Trasse am Feuerwehrstandort im Brand- und Katastrophenschutzamt vorbeiführen. „Dort wäre aber eine Durchfahrtshöhe von mindestens vier Metern unter der Ersatzleitung nötig“, erklärt der Technikchef das Problem. Da dies nicht möglich ist, soll sie über einen großen Umweg durch die Flutrinne und durchs Gelände der Kaditzer Faultürme zum Klärwerk verlegt werden. Dafür muss zudem ein Pumpwerk gebaut werden.

Die Ersatztrasse wird um mehr als einen Kilometer länger als das letzte Stück des Abfangkanals. Ihr Bau wird mit einem Jahr genauso lange dauern wie die eigentliche Kanalsanierung. Fließt das Abwasser durch die provisorische Leitung, beginnen die Arbeiten am Kanal. Geöffnet werden dabei nur vier Baugruben. Geplant ist, dass das letzte Stück und damit der gesamte Abfangkanal Ende 2022 fertig ist.

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