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Wie weiter mit der Riesenantenne?

Der Besitzer der Anlagen hat alle Auflagen zum Abriss erfüllt. Doch den Fans des Wahrzeichens macht eine Nachricht aus Südwestdeutschland Hoffnung.

Sabine Neumann kämpft mit mehreren Mitstreitern um den Erhalt der Wilsdruffer Riesenantenne.
Sabine Neumann kämpft mit mehreren Mitstreitern um den Erhalt der Wilsdruffer Riesenantenne. © Karl-Ludwig Oberthuer

Die Wilsdruffer Riesenantenne steht immer noch. Hat der vor einem Jahr gegründete Förderverein Funkturm sein Ziel erreicht? Das könnte man meinen. Denn der Verein ist 2019 angetreten, den 153 Meter hohen Turm der Nachwelt zu erhalten. Der sollte eigentlich schon endgültig Geschichte sein.

Der Besitzer des Turms, die Kölner Firma Media Broadcast, hat nämlich andere Pläne als der Förderverein. Denn der Turm, der zu einem 2013 stillgelegten Mittelwellensender gehört, wird nicht mehr gebraucht, kostet aber weiterhin Geld, so das Unternehmen. Die Antenne muss regelmäßig gewartet werden. Und das ist teuer. Deshalb sollte sie bis Ende 2019 abgerissen werden. So sah es der erste Zeitplan von Media Broadcast vor. 

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Doch der Turm blieb stehen. Ende 2019 informierte das Unternehmen auf Nachfrage über einen neuen Zeitplan: "Die aktuellen Planungen sehen den Rückbau im ersten Quartal des kommenden Jahres vor." Doch der Turm steht immer noch. Derzeit gibt man sich bei der Media Broadcast eher schmallippig. Ein Sprecher: „Ein Abrisstermin steht noch nicht fest." An den Rückbauplänen halte sein Unternehmen aber fest. "Sobald Details feststehen, geben wir dazu Auskunft“, so der Sprecher. Zu den Gründen der Verzögerung möchte sich Media Broadcast derzeit nicht äußern. 

Beim Landratsamt Pirna kennt man die weiteren Pläne nicht. "Das Unternehmen hat bislang keinen Termin für den Beginn der Abbrucharbeiten mitgeteilt", sagt Heiko Weigel, Beigeordneter für Bau und Umwelt. Die von den Denkmalbehörden geforderte Dokumentation, die für die Abbruchfreigabe notwendig  war, liege aber vor. Dass es noch nicht zum Abbruch gekommen ist, könnte an den noch notwendigen Absprachen zwischen der Media Broadcast und dem Grundstückseigentümer liegen, mutmaßt man im Landratsamt. Denn der Turm steht auf einem privaten Grundstück. 

Beim Förderverein hofft man immer noch auf ein Umdenken der Verantwortlichen, und dass der Turm, der nicht nur eine Landmarke, sondern längst zu einem Wahrzeichen geworden ist, erhalten bleibt. Vielleicht passiert ein Wunder so wie im Südwesten Deutschlands. Dort in Mühlacker, einem Ort rund 40 Kilometer nordwestlich von Stuttgart, steht auch ein früherer Mittelwellensender, der abgerissen werden sollte. "Noch Anfang März erreichte uns die Nachricht, dass die Abrissgenehmigung erteilt sei", so die Vorsitzende des Fördervereins, Sabine Neumann. Der Südwestrundfunk (SWR) als Eigentümer wollte diesen 273 Meter hohen Turm loswerden. Doch es kam anders.

"Eine Investorenrunde kaufte das Mühlacker Wahrzeichen kurz vor der Sprengung. Der Grund: die Liebe zur Heimat", so Neumann. "Buchstäblich in letzter Minute habe eine Investorengruppe 550.000 Euro an den SWR gezahlt und sich verpflichtet, auch die anstehenden Instandhaltungsarbeiten in Höhe von rund 60.000 Euro zu zahlen, hat Wolfgang Lill in Erfahrung gebracht. Der Pirnaer arbeitet als ehrenamtlicher Redakteur bei der Plattform radiomuseum.org und unterstützt den Förderverein. Die Nachricht aus Mühlacker macht den Wilsdruffern Hoffnung.

"Wir freuen uns jeden Tag über den stolzen Anblick des inoffiziellen Wahrzeichens von Wilsdruff", sagt Vereinschefin Neumann. Wegen der Corona-Krise kann der Förderverein derzeit nicht richtig arbeiten. "Aber wir geben nicht auf und werden, sobald absehbar ist, dass wir 'dürfen', unsere große Veranstaltung weiterplanen und wiederholt das Gespräch mit der Landesregierung suchen", sagt die Vereinsvorsitzende.

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