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Sanierung wird teurer als geplant

Dach und Turm der Kirche in Raußlitz werden repariert. Fledermäuse bekommen einen Flugplan zum Ausweichquartier.

Pfarrer Jochen Hahn (links) und Kirchenvorsteher Jörg Thierbach zeigen, wie weit die Sanierungsarbeiten an der Kirche in Raußlitz vorangeschritten sind.
Pfarrer Jochen Hahn (links) und Kirchenvorsteher Jörg Thierbach zeigen, wie weit die Sanierungsarbeiten an der Kirche in Raußlitz vorangeschritten sind. © Claudia Hübschmann

Raußlitz. Es ist eine Kunst für sich, dass jede einzelne Schieferplatte an der Rundung des Kirchturmes hält. Pfarrer Jochen Hahn ist begeistert, wie die Platten der Form in mühevoller Handarbeit angepasst werden. Mit mehreren Nägeln werden sie befestigt und vorsichtig bearbeitet. „Der Dachdecker lebt im Schiefer“, sagt Pfarrer Jochen Hahn beeindruckt von dieser Arbeit.

Die Kirche in Raußlitz, etwa sechs Kilometer von der Stadt Nossen entfernt, zählt zu den ältesten Dorfkirchen der Umgebung. Damit das Kirchengebäude weiterhin erhalten bleibt, werden derzeit Dach und Turm saniert. Vor allem die Dachziegel und das Balkenwerk sind in einem schlechten Zustand. Ziegel sind defekt, Ziegelnasen nicht mehr vorhanden. Holzschädlingsbefall und Vermorschung sind deutlich sichtbar.

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Der Turm ist mit der Dachkonstruktion eng verbunden. Und „obwohl dessen Schieferdeckung erst 40 Jahre alt ist, musste sie zwischenzeitlich mehrfach repariert werden“, erzählt Hahn. „Es wäre schade, wenn wir jetzt nur das Dach sanieren würden und dann herabfallende Schiefer es wieder beschädigen.“ Deshalb entschied man sich für eine komplette Sanierung.

Bei dieser Gelegenheit wird zudem die Bekrönung mit Stern und Wetterfahne überarbeitet. „Dabei werden wir die Jahreszahlen auf der Fahne mit 2020 ergänzen“, sagt Hahn. Neben der Reparatur erfolgt auch eine Neuvergoldung. „Eigentlich war es als Festakt geplant, wenn die Bekrönung entfernt wird und dabei die Dokumentenkapsel vor Ort geöffnet wird“, sagt Kirchenvorsteher Jörg Thierbach. Doch wegen Corona musste das ausfallen. Was sich in der Kapsel befindet, ist allerdings relativ gut bekannt. So ist die Kirche im Besitz der Kopien. „Trotzdem ist so ein Öffnen immer wieder spannend“, sagen Hahn und Thierbach. „Die letzte Öffnung fand 1979 statt, als der Turm neu beschiefert und die Kirche verputzt wurde.“

Gleichzeitig wird das etwa 100 Jahre alte Ziffernblatt überarbeitet. „Es war ein bisschen zusammengeflickt“, sagt Hahn. „Nach der Sanierung soll alles mindestens 50 Jahre halten. Wir rechnen immer in Jahrzehnten.“ Neu soll die Kirche einen Wetterhahn bekommen. Thierbach zeigt auf das Ende des Daches: Dort kann man noch eine Befestigungsmöglichkeit erkennen, wo einst einmal ein solcher montiert gewesen sein könnte.

"Wir werden Fledermäusen einen Flugplan hinlegen"

Nach den Planungen im Jahr 2018 sollte die Bauausführung bereits im vorigen Jahr erfolgen. „Doch es gab Lieferprobleme mit dem Schiefer aus Spanien“, sagt Hahn. „Früher gab es diesen auch in Thüringen, aber die haben alle zugemacht.“ Wegen der Bauverzögerung um ein Jahr gibt es nun etwas Zeitnot, weil auch noch die Sanierung der Kirche in Wendischbora ansteht. Doch der Bauverlauf sei gut, sodass anschließend gleich zur nächsten Baustelle weitergezogen werden kann.

Ursprünglich war mit einer Kostensumme von 220.000 Euro geplant. „Jetzt schätze ich sie auf 240.000 Euro“, sagt Hahn. Ein großer Kostenfaktor dabei waren auch die Maßnahmen für die Fledermäuse, die im Kirchturm leben. So werden überall im Turm und Schiff Fledermauskästen eingebaut. Zudem muss ein Ausweichquartier für die Tiere geschaffen werden. Als solches bestimmt wurde von der Behörde die Kirche in Rüsseina, in deren Dach extra ein spezielles Fledermausfenster als Einflug eingebaut werden muss. Vom Raußlitzer Kirchturm ist die etwa vier Kilometer entfernte Kirche in Rüsseina als kleiner Punkt am Horizont erkennbar. „Wir werden den Fledermäusen dann noch einen Flugplan dazulegen, damit sie den Weg dorthin auch finden“, sagt Pfarrer Hahn mit einem Augenzwinkern.

Für die Baumaßnahmen bittet die Kirchgemeinde um Spenden. „Rund 20.000 Euro haben wir schon bekommen“, sagt Thierbach dankend. „Doch ungefähr 10.000 Euro werden wir noch brauchen. Die Landeskirche gibt 136.000 Euro dazu, rund 60.000 Euro kann die Gemeinde aus Rücklagen und langjährig gesammelten Spenden beisteuern.

Informationen zum Bau unter www.ruesswendlitz.de/bau-rausslitz. Die Kirchgemeinde bittet um Spenden, Spendenbescheinigungen werden ausgestellt, dazu Name und Adresse bei der Überweisung angeben. Kontoverbindung: IBAN: DE37 3506 0190 1667 2090 52, Betreff „RT 2339 Raußlitz Dach“.

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