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Turnhalle bekommt Galgenfrist

Die Seifersdorfer dürfen sie weiter für den Schulsport nutzen. Aber nicht mehr lange.

Von Regine Schlesinger

Die Kinder der 3. und 4. Klasse der Seifersdorfer Grundschule können nach den Osterferien wieder zum Schulsport in die Vereinsturnhalle. Zuvor wird dort aber für mehr Sicherheit gesorgt. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung, die der Statiker Dr. Rico Schneider, zugleich Vorsitzender des Seifersdorfer Sportvereins „Frohsinn“, in den vergangenen Tagen am Dach des Gebäudes vorgenommen hat.

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Der Seifersdorfer stellte die Sicherheitsgutachten für die 1924 erbaute Turnhalle aus. Das letzte lief Ende März aus. Um kein Risiko einzugehen, blieb die Halle mit dem Auslaufen des Gutachtens erst einmal für den Schulsport gesperrt. Das bedeutet für die beiden betroffenen Klassen, den Sportunterricht nicht so machen zu können, wie er laut Lehrplan eigentlich für ihre Altersgruppen erfolgen soll. Die Seifersdorfer Grundschule verfügt zwar über eine Gymnastikhalle. Doch die ist für einen lehrplangerechten Unterricht viel zu klein. Sie wird daher nur von der 1. und 2. Klasse genutzt.

Doch vor einem endgültigen Aus, das dann auch den Vereinssport betroffen hätte, sah sich der Statiker das Dach zusammen mit einem Zimmermann noch einmal genau an. Der Zustand der großen Binder hat sich im Wesentlichen nicht verschlechtert, stellte er dabei fest. Da zeigen offenbar die bereits 2006 getroffenen Maßnahmen zur Verstärkung des Gebäudes Wirkung. „Aber die Sparren kommen runter“, lautet die schlechte Nachricht dieser neuesten Untersuchung. Damit schiebt sich die vordere Wand der Halle weiter nach außen. Dort wirkt zwar das große Eingangsportal wie eine Stütze. Aber weitere Verstärkung tut not. Dafür sollen zwei Balken sorgen, die in den Dachbereich eingezogen werden. Das wird in der nächsten Woche passieren, damit es nach den Ferien mit dem Schulsport in der Halle weitergehen kann. Vereinsmitglieder wollen beim Hochziehen der Balken helfen, das fachgerechte Verschrauben übernimmt ein Zimmermann. Mit der Stadt ist diese Maßnahme abgesprochen, sagt Rico Schneider.

Im November wieder aufs Dach

Wenn diese zusätzliche Sicherungsmaßnahme erfolgt ist, wird er die Halle bis November für den Schulsport freigeben. „Dann werde ich nachgucken, ob sich die neuen Balken verschoben haben“, erklärt er. Wenn alles noch soweit in Ordnung ist, sei er bereit, der Hallennutzung noch bis Ende des Schuljahres 2014/15 zuzustimmen. Länger dann aber wirklich nur nach größeren Sicherungsmaßnahmen bzw. einer umfangreicheren Sanierung.

Die wird aber hoffentlich nicht nötig sein, denn die Stadt hat Fördermittel für den Neubau einer Sporthalle in der Nähe der Grundschule beantragt. Und da sich im Topf für die Sportstättenförderung mehr Geld als in den Vorjahren befindet, sind Stadtverwaltung und Sportverein auch zuversichtlich, dass der Antrag genehmigt wird. Zwar ist es nicht sicher, dass die neue Halle bis zum Schuljahresbeginn 2015 tatsächlich schon fertig gebaut ist, aber es bliebe sicher bei einem überschaubaren Zeitraum von wenigen Monaten, bis sie eingeweiht werden kann.

Der Neubau ist schon längere Zeit eine Forderung der Seifersdorfer, die einen der mitgliederstärksten Sportvereine vorweisen können. Ohne mehrere Sicherungsmaßnahmen hätte Rico Schneider die Halle eigentlich schon 2004 sperren lassen müssen. Damals war er dem Gebäude schon einmal unters Dach gestiegen. Danach wurden zur vorläufigen Rettung der Halle Streben und Stützen eingebaut.

Weiter kamen 2010 hinzu, nachdem die rückwärtige Wand abzukippen drohte. Auch eine Sanierung war im Gespräch, würde aber letztlich ähnliche Summen verschlingen wie ein Neubau, der mit 1,6 Millionen Euro veranschlagt ist. Außerdem bliebe bei einer Hallensanierung immer noch das Problem des langen Fußmarsches, den die Kinder zwischen Schule und Turnhalle zurücklegen müssen.

Froh über die jetzt gefundene Lösung dürften alle Eltern sein, die sich in den vergangenen Tagen schon große Sorgen darüber gemacht haben, wie es mit dem Sportunterricht in Seifersdorf weitergehen soll. Sie sollten jetzt die Daumen dafür drücken, dass der nächste Winter wieder ähnlich schneearm ausfällt wie der vergangene. Denn viel Schnee verträgt das Dach der Turnhalle nicht mehr. Ab zehn Zentimeter Pulverschnee müsse er die Halle sperren, kündigt Rico Schneider an. „Und bei nassem Schnee sowieso.“