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Turnhallen-Asyl wird aufgelöst

Seit November 2015 waren rund 200 Asylbewerber im Pirnaer BSZ einquartiert. Sie ziehen nun schrittweise um – in eine andere Halle mit besserer Ausstattung.

© Archivbild: Daniel Förster

Von Matthias Weigel

Pirna. Die Botschaft wird Vereine, Schüler, Eltern und Lehrer freuen – und vor allem die Asylbewerber. Der Landkreis will die Turnhalle am Berufsschulzentrum in Pirna-Copitz bis April schrittweise räumen. Dort sind aktuell 200 Flüchtlinge untergebracht. Einige von ihnen waren gegen die unwirtliche Massenunterbringung schon auf die Straße gegangen, wollten lieber wieder in den Heidenauer Praktiker-Baumarkt zurück, in dem sie der Freistaat zuerst beherbergt hatte. Nun können sie auf bessere Unterbringung hoffen. Denn das Landratsamt will die Asylbewerber in den nächsten Wochen auf andere, kleinere Unterkünfte verteilen.

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Die Notunterkunft in der Sporthalle war im November 2015 eingerichtet worden. Betreiber des BSZ ist der Kreis, der so leicht auf die Einrichtung zugreifen konnte. Landrat Michael Geisler (CDU) hatte zwar immer wieder betont, eine Turnhalle nur als äußerstes Mittel in Beschlag zu nehmen. Allerdings ließ ihm der hohe Zustrom von Flüchtlingen keine andere Wahl, wie der damals versicherte. Alternative Unterkünfte gab es kaum. „Für alle war aber von Anfang an klar, dass es nur eine vorübergehende Lösung sein kann“, so der Landrat.

Inzwischen hat sich die Lage wieder entspannt. Nicht nur, weil derzeit weniger Flüchtlinge kommen – statt einst prognostizierter 200 sind es aktuell je Woche lediglich 50 Neuankömmlinge. Vor allem die Stadt Pirna hat sich um eine Alternative zur Turnhalle bemüht, um Schul- und Vereinssport wieder zu ermöglichen. Die Stadt stellt dem Kreis nun eine Fläche im Gewerbegebiet Copitz-Nord zu Verfügung. Dort soll eine Traglufthalle mit 300 Plätzen entstehen und vom Kreis angemietet werden. Die Bedingungen dort sollen wesentlich besser sein als die in der Turnhalle. Es sind kleinteilige Wohneinheiten vorgesehen.

Pirnas Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke (parteilos): „Ich bin froh, dass die Turnhalle ihre eigentliche Bestimmung zurückerhält. Das ist genau das richtige Signal an unsere Bürger. Wir dürfen den Schulsport und das Vereinsleben in unserer Stadt nicht aufs Spiel setzen.“ Darüber hinaus sei er der festen Überzeugung, dass die Integration nur in kleinteiligeren Wohneinheiten gelingen kann.

Jugendherberge auch wieder frei

Voraussetzung für den Plan ist aber, dass der Kreistag dem Vorhaben am Montag zustimmt. Für die Halle soll ein Vertrag mit einer Firma abgeschlossen werden, die sie in dem Gewerbegebiet errichtet. Der Kreis würde sich zunächst auf 12 Monate für 1,15 Millionen Euro einmieten – mit Option auf Verlängerung. Ein Betreiber steht aktuell noch nicht fest.

Dass die Turnhalle nicht schneller wieder frei wird, liegt laut der zuständigen Ressortchefin Kati Hille aus dem Landratsamt aber nicht nur daran, dass die Traglufthalle wohl erst ab April zur Verfügung steht. „Wir müssen Sporthalle und Nebenräume ja erst wieder herrichten“, sagt Hille. Neben dem Ausräumen von Betten und anderem Mobiliar müssen die Nutzungsspuren beseitigt werden. Auch gehe es darum, für die Asylbelegung vorgenommene Einbauten zu entfernen, wie Waschmaschinen-Stellplätze und die zusätzlichen Sanitäranlagen. „Wir wollen keine Illusionen auf eine frühere Freigabe wecken. Aber April ist der allerspäteste Zeitpunkt“, sagt Hille.

Parallel wird momentan auch die mit Flüchtlingen belegte Jugendherberge in Copitz leer gezogen. Insgesamt 100 Personen leben seit November dort. Es sind vorwiegend Familien. Der Kreis hatte hier wegen des großen Bedarfs an Unterkünften ebenfalls eine Notunterkunft eingerichtet. Der Vertrag mit dem Jugendherbergswerk wäre Ende Februar sowieso ausgelaufen. Die Familien sollen vorwiegend in Wohnungen unterkommen.

Dass der Landkreis aktuell auf Notunterkünfte verzichten kann, liegt nur daran, dass es Alternativen gibt. Es ist ein Zeitfenster, das man nutzt. Dass die Situation auch so bleibt, geht nicht von alleine: „Eins muss allen klar sein: Ein Abebben des Flüchtlingsstromes ist perspektivisch nicht erkennbar. Um nicht wieder eine Turnhalle zu belegen, müssen uns besonders die Kommunen weiter aktiv Unterkünfte bereitstellen“, so der Landrat.