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Über 100 Jahre alt: Brücke an der Karlstraße wird saniert

Eine Prüfung hat ergeben: Ein Neubau ist die günstigste Variante. Ab 2020 könnte es soweit sein.

Von Mario Heinke
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Die Brücke an der Karlstraße ermöglicht die Überquerung der Gleisanlagen der Bahntrasse zwischen Zittau und Dresden am Kummersberg.
Die Brücke an der Karlstraße ermöglicht die Überquerung der Gleisanlagen der Bahntrasse zwischen Zittau und Dresden am Kummersberg. © www.foto-sampedro.de

Über 100 Jahre hat die Brücke bereits auf dem Buckel. Die Überfahrt über die Gleisanlagen der Bahntrasse zwischen Zittau und Dresden ist stark sanierungsbedürftig. Mit zehn Kilometern die Stunde dürfen Autofahrer die Brücke noch befahren, die Tonnage ist auf sechs Tonnen begrenzt. Die Sanierung ist seit Jahren im Investitionshaushalt der Stadt Zittau enthalten, wurde aber schon mehrfach verschoben. Brückenexperten bewerten das Bauwerk seit Jahren mit der Prüfnote vier, das bedeutet „umgehende Erneuerung erforderlich“. Bereits 2008 wurde zum Schutz des Bahnverkehrs ein Stahlgitternetz unter der Brücke angebracht, um Züge und Gleise vor herabfallenden Betonstücken zu schützen. Die steile Zufahrtsrampe zur Brücke ist zudem einseitig abgesackt. Genügend Gründe, um zur Tat zu schreiten.

Vor der Millioneninvestition ließen die Stadträte jedoch vier Alternativtrassen untersuchen, um den Kummersberg ohne die Brücke verkehrstechnisch anzubinden. Es gab wohl Zweifel daran, dass die Brücke überhaupt noch benötigt wird, enden Wege und Straßen hinter dem Bauwerk stadtauswärts doch im Nichts oder besser gesagt, auf einem Acker. Neben einigen Privatgrundstücken wird das Gebiet nördlich der Brücke vorwiegend von Hobbygärtnern mehrerer Kleingartensparten genutzt. Ein ersatzloser Rückbau wäre wohl auch denkbar gewesen.

Das Ingenieurbüro AIZ wurde deshalb beauftragt, vier Alternativrouten zu prüfen: Die Straßenverbindung von der Neusalzaer Straße parallel zu den Gleisanlagen, die Route über die Industriebrache und die Gartenanlage Kummersberg sowie eine Straßenverbindung zur Herwigsdorfer Straße. Neben den Gesamtkosten zur Errichtung entsprechender Straßenverbindungen nahm die AIZ auch die jeweils anfallenden Folgekosten, wie Unterhaltung, Winterdienst, Straßenbeleuchtung und Grünpflege genau unter die Lupe. Die Auswertung des Variantenvergleiches ergab: Ein kompletter Neubau der Brücke inklusive der Rampe ist sowohl bei den Gesamtkosten, als auch bei den Folgekosten die kostengünstigste Variante. Das erscheint zunächst wenig logisch, ist der Bau einer Brücke bekanntlich wesentlich teurer als der Bau einer Straße. Des Rätsels Lösung liegt in der Förderpolitik. Für den Ersatzneubau der Brücke ist von einer Förderquote von rund 90 Prozent auszugehen. Das bedeutet, die Stadt Zittau müsste nur zehn Prozent der Baukosten selbst berappen. Die Förderquote ist bei den vier Alternativtrassen, bei denen es sich im Wesentlichen um reine Straßenbaumaßnahmen handelt, wesentlich geringer anzusetzen, so die Einschätzung des Ingenieurbüros.

„Wir empfehlen den Ersatzneubau der Brücke zu beschließen, damit die Planung dem Eisenbahn-Bundesamt zur Stellungnahme vorgelegt werden kann, um im kommenden Jahr einen Fördermittelantrag stellen zu können“, heißt es in der Beschlussvorlage, über die der Technische- und Vergabeausschuss des Stadtrates am Dienstagabend voriger Woche abstimmte. Die Mehrheit der anwesenden Ausschussmitglieder folgte dieser Auffassung. Lediglich Stadtrat Matthias Böhm (Bündnis 90/Die Grünen) enthielt sich der Stimme. Er meinte, es sei „nur halbherzig geprüft worden“, ohne den Vorwurf näher zu begründen.

Die Gesamtkosten für den Neubau liegen bei zwei Million Euro, der Eigenanteil der Stadt Zittau bei rund 230.000 Euro. Der Neubau einer Straße zwischen Kummersberg West und Ost über den Feldweg und die Gartenanlage wäre um die Hälfte günstiger, wegen geringerer Förderung läge der Eigenanteil der Stadt aber bei rund 300.000 Euro. Die Brücke Karlstraße wird deshalb durch einen Neubau ersetzt. Die Nutzungsdauer von Betonbrücken veranschlagen Ingenieure auf 80 Jahre, eine Straße soll dagegen nur 35 Jahre halten.

© Romy Thiel