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Über 100 Zuschauer gingen auf die Reise nach Schlesien

Mit zwei Dia-Reisereportagen stellte sich Roland Marske am Sonntag zum ersten Mal im Görlitzer Wichernhaus vor. Der 34-jährige Journalist und Fotograf brachte den Zuschauern in Wort und Bild die Gebiete Ostpreußen und Schlesien näher.

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Von Frank Fischer

Mit zwei Dia-Reisereportagen stellte sich Roland Marske am Sonntag zum ersten Mal im Görlitzer Wichernhaus vor. Der 34-jährige Journalist und Fotograf brachte den Zuschauern in Wort und Bild die Gebiete Ostpreußen und Schlesien näher.

Nach seinem Studium für Geographie und Politik, eröffnete Marske mit einem Kollegen in Berlin das Journalistenbüro „Jules Verne“ und spezialisierte sich auf den Reisejournalismus. Ferne Länder waren zunächst das Betätigungsfeld, bis er vor zwei Jahren bei seinen Wochenend-Paddeltouren die Ostgebiete jenseits der Neiße entdeckte. Erstaunlicherweise hatte der Dia-Vortrag über Ostpreußen mehr Publikum, als die Rundreise durch Schlesien.

Über 100 Besucher erlebten die Filmreise nach Schlesien, die von Görlitz über Liegnitz, Breslau und Schweidnitz bis zum Hirschberger Tal führte. Danach wurden die Zuschauer ins Riesengebirge mitgenommen und ins Glatzer Bergland, bevor es über Oberschlesien mit der Stadt Oppeln wieder ins Niederschlesische und nach Görlitz ging.

Die Übereinstimmung von Wort und Bild sowie die musikalische Umrahmung waren beeindruckend. Roland Marske beschränkte sich nicht auf eigene Kommentare und Recherchen zur Geschichte Schlesiens. Er ließ im Originalton auch Menschen zu Wort kommen, die ihre Heimat bis heute nicht verlassen haben und die das Drama der Flucht nach dem Zweiten Weltkrieg selbst miterleben mussten. Vergangenheit und Gegenwart wurden in einer anspruchsvollen Bildersprache gegenübergestellt, der Betrachter nicht mit zu viel Pathos und Fakten konfrontiert. Marske achtete beim Filmschnitt auf ein ausgewogenes Verhältnis von historischen und zeitnahen Aufnahmen, die historische Landschaften und Städte beschreiben.

Roland Marske enthielt sich der Beurteilung der Aussagen von Heimatvertriebenen, weil er sich zu jung fühlt, um sich „selbst ein Urteil zu bilden, was Recht und Unrecht gewesen ist“.

In der Pause und nach der Veranstaltung nutzten die Besucher die Möglichkeit, neben Souvenirs auch Videokassetten über den Dia-Vortrag zu kaufen.

Im Gespräch mit Roland Marske erfuhr SZ, dass ihn „Heimwehtourismus und Menschen, die mit feuchten Augen von ihren Reisezielen erzählten, neugierig gemacht haben“. Es folgten Recherchen, ob es genügend Veranstalter gibt, die Dia-Vorträge über Ostpreußen und Schlesien buchen würden.

„Die große Resonanz überraschte mich und machte meine Entscheidung leicht, den Aufwand für mehrmonatige Entdeckungsreisen in diese Regionen auf mich zu nehmen.“ Vor zwei Jahren verbrachte Marske den Sommer in Ostpreußen, voriges Jahr war Schlesien an der Reihe. Zum Forschungsteam gehörten seine Freundin und ein Kollege, der das Dolmetschten übernommen hatte.

Roland Marske ist nach den Reisen am stärksten die Melancholie der Landschaft in Erinnerung geblieben, dazu die bewegende Geschichte und die Gastfreundschaft von Menschen, die um ihr Überleben kämpfen müssen.

Allein während der Exkursion durch Schlesien war Filmmaterial für rund 100 Stunden entstanden. Daraus wurde die 100-Minuten-Dia-Reportage.