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Über 2 700 Süchtige suchen Hilfe

Die Zahl der Beratungen ist 2014 zurückgegangen. Die meisten Suchtkranken haben ein Alkoholproblem.

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© dpa

Von Maria Fricke

Er ist am günstigsten und schnellsten zu beschaffen, der Alkohol. Greifen die Mittelsachsen zu Drogen, dann nach wie vor am häufigsten zu den legalen. Das geht aus der aktuellen Suchtstatistik des Landkreises hervor. Rund 1 390 Alkoholkranke haben sich im vergangenen Jahr Rat bei den Suchtberatungsstellen oder im Fachkrankenhaus Bethanien geholt. Besonders ausgeprägt ist das Problem bei den 18- bis 45-Jährigen. Insgesamt 2 710 Suchtkranke haben 2014 Hilfe gesucht, fast 200 weniger als 2013.

Gerade bei den 18- bis 45-Jährigen weit verbreitet ist auch der Konsum von Cannabis. Insgesamt 113 Betroffene wollten 2014 von der Sucht loskommen, etwas mehr als 2013. „Auffällig ist die Zunahme reiner Cannabiskonsumenten“, sagt Kerstin Hoffmann, die Koordinatorin für Gesundheitsförderung und Prävention im Landratsamt. Die Legalisierung der Droge, wie sie derzeit in der Öffentlichkeit diskutiert wird, lehnt Claudia Hofmann vom sozialpsychiatrischen Dienst des Kreises entschieden ab: „Ich weiß von den schwerwiegenden Krankheiten, die durch die Droge ausgelöst werden können.“

Wieder mehr Crystalsüchtige

Leicht angestiegen sind weiterhin die Beratungen von Menschen, die in die Fänge der Droge Crystal geraten sind. Wie viele es genau sind, lässt sich anhand der Statistik nicht sagen. Insgesamt 429 Betroffene, die meisten wieder zwischen 18 und 45 Jahre alt, waren 2014 wegen anregenden Substanzen, zu denen Crystal ebenso wie Koffein gehört, in Behandlung gewesen.

Nach wie vor sind unter den Patienten viele Schwangere und junge Frauen. Die Gründe, warum gerade diese Gruppe zu der Droge greift, sind verschieden. „Das können zum Beispiel Alleinerziehende sein, die dem Stress nicht gewachsen sind, und versuchen, mit der Droge den Alltag zu bewältigen“, erklärt Kerstin Hoffmann. Ihre Kollegin vom sozialpsychiatrischen Dienst ergänzt: „Viele Konsumentinnen sind vor der Schwangerschaft bereits abhängig. Sie habe keine Periode mehr und merken oft erst zu spät, dass sie schwanger sind.“ Eine Abtreibung sei dann nicht mehr möglich. Der Drogenkonsum habe daher weitreichende Auswirkungen auf die Geburt und die Zeit danach.

Wie verbreitet die Droge inzwischen auf dem Schulhof ist, ist den Statistiken nicht zu entnehmen. Sie greifen erst die Süchtigen auf, die 18 Jahre oder älter sind und sich Hilfe in der Klinik oder bei den Beratungsstellen suchen. „Wir haben allerdings schon Anfragen zu Präventionsveranstaltungen für fünfte und sechste Klassen“, schildert Kerstin Hoffmann. Doch in diesem Alter seien oft Tabak und Alkohol viel präsenter bei den Heranwachsenden. Die Zehn- bis Zwölfjährigen bereits mit dem Thema Crystal zu konfrontieren, hält sie nicht für sinnvoll.

Um gerade im Bereich der Schulen mehr Vorsorge zu leisten, will sich der Kreis auch zukünftig für mehr Geld für Schulsozialarbeiter einsetzen. Laut Dieter Steinert, zweiter Beigeordneter des Landrates, seien diese wichtig als Vermittler zwischen den Schülern, Lehrern und Eltern. Sie sollen vor allem diejenigen erreichen, die vielleicht schon mit Drogen in Berührung gekommen sind, ihre Vertrauenspersonen werden. Steinert betont zudem, dass sich die Schulen nicht scheuen sollten, Hilfe zu suchen, wenn Drogen oder Alkohol an der Bildungseinrichtung kursieren. „Keine Schule ist davor gefeit. Aber wenn Probleme auftreten, sollten die Schulen auch reagieren“, so Steinert.

Eine Gefahr, die noch immer von vielen Eltern unterschätzt wird, ist der riskante Medienkonsum. Auch aus ihm kann sich eine Sucht entwickeln. „Wenn alles andere dem Konsum unterliegt und die Menschen in soziale Schwierigkeiten geraten, dann kann man von einer Mediensucht sprechen“, sagt Claudia Hofmann. Einen Tipp für die Eltern haben die Experten allerdings nicht. Schließlich gebe es keine handfeste Regel, wie viel Medienkonsum für welche Altersklasse in Ordnung sei. „Das ist von Fall zu Fall verschieden“, sagt Steinert.

Wer sich unsicher ist, findet in jedem Fall Hilfe in den drei Suchtberatungsstellen des Kreises, das sind die die Einrichtungen der Diakonie Döbeln, der Diakonie Freiberg sowie des Blauen Kreuzes in Mittweida. „Mit unseren Außenstellen und Sprechstunden können wir den Landkreis flächendeckend versorgen“, sagt Psychiatriekoordinator Matthias Gröll.