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Über eine Menschen-Pyramide zum Gipfel

Am Felsen Prinz Karneval gibt es passend zum Namen die Routen. Eine frostige Aktion für eine Gruppe Berg-Enthusiasten.

© Mike Jäger

Von Mike Jäger

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Sächsische Schweiz. In der Sächsischen Schweiz, im Kleinen Zschand, in der Nähe vom Heringstein, steht ein kleiner Klettergipfel, genannt Prinz Karneval. Am 11.11.1967 wurde der etwa zehn Meter hohe Felsblock erstmals von Gisbert Ludewig bestiegen. Die großen bedeutenden Gipfel des Elbsandsteingebirges waren zu diesem Zeitpunkt bereits alle erklommen. Aber der Pirnaer Kletterer ist Experte im Finden von solchen Quacken. Als solche bezeichnen die sächsischen Bergsteiger kleine, oftmals bemooste, bewachsene und verborgene Felsobjekte.

Dort traf sich am Wochenende eine Gruppe Bergsteiger. Das Thermometer zeigte minus acht Grad Celsius. Bei diesem frostigen Wetter ist keine normale Kletterei mehr möglich. Die Hände frieren zu sehr, um am eisigen Fels kleine Griffe festhalten zu können.

Aber es gibt da eine Spezialität in der sächsischen Kletterwelt: die sogenannten „Baustellen“. Dabei stellen sich die Kletterer übereinander, um schwere, griffarme Wandstellen oder überhängende Passagen am Fels zu überwinden. Am Prinz Karneval gibt es gleich zwei solche Wege, wo ausgiebige Unterstützung notwendig ist.

Das erste Ziel der Berg-Enthusiasten war nun die Route „Närrische Grätsche“. Bei heißem Glühwein wurde eine Strategie besprochen, wie die menschliche Pyramide am besten zu bewerkstelligen ist. Nach einer kleinen Probe gelang gleich der erste Versuch. Zehn Leute halfen dem Vorsteiger, Ralf Spindler, über den Überhang am Einstieg und über die glatte, grüne Wand, hin zu einer einfachen Rinne, die zum Gipfel führt. Einfach ist die Kletterei an wackelnden Menschenleibern nicht, wahrlich eine akrobatische Aktion. Die anderen Bergfreunde durften dann am Seil zum Gipfel hangeln. Oben angekommen beglückwünschten sich alle über die gelungene Mannschaftsleistung und trugen sich ins Gipfelbuch ein. Es war überhaupt erst die zweite Begehung dieser Kletterroute seit 1970 – ein besonderer Erfolg.

Nach dem Abseilen und einem wärmenden Schluck Glühwein gingen die Bergfreunde die andere große Unterstützungsstelle am Prinz Karneval an. Der „Narrenaufzug“ ist eine leichtere „Baustelle“ und gut zum Üben geeignet. Hier konnte jeder der Mannschaft mal ausprobieren, wie es sich anfühlt, über schwankende Menschenleiber zu balancieren und nach oben zu klettern. Nochmals wurden auf dem Gipfel die Hände zum „Berg Heil“ geschüttelt. Dann seilten sich die Bergsteiger ab. Vor dem Heimweg wurden der letzte Rest Glühwein ausgetrunken und neue Pläne für die nächste Mannschaftsaktion geschmiedet.