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Überall Schlamm

Auf Fritjof Möckels Grundstück kam die braune Brühe von mehreren Seiten angeschossen – mit verheerenden Folgen.

© hübschmann

Von Harald Daßler

Eine Standuhr steht auf dem Hof. Wie so vieles was Fritjof Möckel bergen konnte. Das gute Stück von seinem Urgroßvater wird der 55-Jährige wohl ebenso auf dem Schutt werfen wie Schränke, Computer und Teile der Heizungsanlage. Nicht nur verdreckt, sondern völlig zerstört – von der Schlammflut.

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Es dauerte keine halbe Stunde, bis das gesamte Grundstück an der Hohen Eifer 1 überflutet war, berichtet Fritjof Möckel. Vor vier Jahren hatte er das Anwesen hier erworben. Die Jahreszahl 1525 an der Fassade erinnert an die über 500 Jahre alte Geschichte der Gebäude, das als eine der ältesten Mühlen in Sachsen gilt. Für den diplomierten Pädagogen war es Liebe auf den ersten Blick, wie er berichtet. Er ersteigerte das Anwesen, um hier seinen Alterssitz einzurichten. Schritt für Schritt wollte er die verwahrlosten Gebäude wieder herrichten, sich bei der Gestaltung von Dielen und Wänden an historischen Vorbildern orientieren. Auch am Ausbau arbeitete er, auch um einen Teil der Wohnfläche vermieten zu können.

Die Schlammlawine machte alle Pläne erst mal zunichte. Die braune Brühe verwüstete Hof und Garten sowie die Keller. Die Schäden dürften in die Hunderttausende gehen. Allein die Pumpen haben Fritjof Möckel in den vergangenen drei Wochen über 12 000 Euro gekostet. Er besorgte sich Bagger und Radlader, damit sein Grundstück überhaupt erreicht werden kann. Seit dieser Woche gehen ihm einige Ein-Euro-Jober zur Hand. Dafür hatte Bauamtsleiter Dirk Herr gesorgt, nachdem er sich am Montag hier selbst ein Bild vom Ausmaß der Verwüstungen gemacht hatte.

Fritjof Möckel verhehlt nicht, dass er sich unmittelbar nach der Katastrophe ziemlich alleingelassen fühlte. Zwei Abiturienten aus Dresden, die hier zufällig vorbeikamen, packten sofort mit zu. Feuerwehrleute liehen ihm ein paar Schläuche. Schlammpumpen und Räumtechnik besorgte er sich selbst.

Dass sich auf seinem Grundstück so viel Schlamm ansammeln konnte, ist für Fritjof Möckel auch eine Folge von Bausünden vergangener Jahrzehnte. Ihn traf nicht nur Schlamm, der von den Feldern oberhalb der Hohen Eifer hinabstürzte, sondern auch die Tatsache, dass der Mühlgraben „hochgesetzt“ wurde, wie er das Einleiten der Dachentwässerung des vor zehn Jahren gebauten Netto-Supermarktes beschreibt. Schon im vorigen Jahr musste er nach mehreren Regenfällen bereits Pumpen anwerfen, um sein Gelände einigermaßen trocken halten zu können.

Das soll sich ändern. Der Mühlgraben muss saniert werden, erklärt Baudezernent Steffen Wackwitz. Er sieht darin eine Maßnahme, um die Stadt und ihre Umgebung künftig besser gegen Naturgewalten wappnen zu können. Gemeinsam mit den Vertretern aus Klipphausen, Diera-Zehren und Käbschütztal sowie mit Fachleuten soll nun festgelegt werden, was genau zu tun ist, und wie die einzelnen Vorsorgemaßnahmen finanziert werden können.

Auf die aktuellen Schäden an Fritjof Möckels Anwesen wird sich das kaum auswirken. Außer dem Schlamm macht ihm die Sicherheit im Nebengebäude zu schaffen. Hier brach ein meterlanges Stück aus der Mauer. Nun muss die Decke abgestützt werden, bis aller Schlamm raus und die Wände trocken sind. Dann kann mit Beton ausgebessert werden.

Viel Arbeit. Aber davor ist dem Karlsruher, der vor 20 Jahren nach Sachsen kam, nicht bange. Schwieriger dürften Antworten auf die Frage sein, wie das alles bezahlt werden soll. Mit der Versicherung allein wird das kaum zu stemmen sein. Eine kleine Hoffnung ergibt sich aus der Geschichte des Gebäudes. Immerhin war Dr. Andreas Christl von der Denkmalschutzbehörde unmittelbar nach der Schlammflut Fritjof Möckels Einladung gefolgt und hat das Anwesen intensiv begutachtet.