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Dresden

Forschungsflieger finden die Glut im Wald

Der größte Waldbrand  Mecklenburgs ist unter Kontrolle. Doch die Gefahr neuer Feuer bleibt, und die Suche versteckter Brandherde vor Ort ist oft zu riskant.  

Anflug ins Krisengebiet: Große Rauchsäulen markieren die Brandfläche. Doch Feuer verbirgt sich auch im Boden.
Anflug ins Krisengebiet: Große Rauchsäulen markieren die Brandfläche. Doch Feuer verbirgt sich auch im Boden. © DLR

Dresden/Berlin. Ein Routineflug ist angesetzt. Doch es kommt ganz anders. Es geht in Richtung Waldbrand, dem größten in der Region. An Bord der Cesna ist der Pilot, ein  Copilot und Sebastian Pless, der Forscher vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).  Und ein metergroßes Gerät, Macs. Vollgestopft mit Sensoren der besten Art.  

Macs soll Feuer finden. Seit Monaten läuft dafür ein Forschungsprojekt am DLR  in Berlin. Sebastian Pless  fliegt künstliche Feuer an. Also solche, die auf dem Versuchsgelände extra für ihn  entzündet wurden. Dann schauen Macs´  Kamera-Augen aus dem Flugzeug dort hinab. Zugleich betrachtet sich einer der Satelliten die Region.  "Wir vergleichen die Aufnahmen und wissen so, wie wir die Satellitendaten ganz generell zu bewerten haben." Der Satellit wird sozusagen geeicht.

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Doch in dieser Woche ist alles anders. Das Feuer ist nicht künstlich, sondern real. Nicht klein, sondern gigantisch.  Donnerstag 14 Uhr. Das Flugziel liegt weit nördlich. Die Kameras sind bereit. Schon zwanzig Kilometer davor riechen die Forscher den Rauch selbst in der Kabine, dann sehen sie die dicken Rauchfahnen. 

Nur vom Feuer ist nichts erkennbar, obwohl so riesig. Die Einsatzkräfte haben es am Boden gehalten, um den Wipfelbrand verhindern zu können. Doch wo lodert es nun genau? Von wo geht eine unsichtbare glühende Gefahr am trockenen Waldboden aus?

Die Krisenkarte vom 1. Juli, erstellt mit Satellitendaten und mithilfe von  Luftbildern.  
Die Krisenkarte vom 1. Juli, erstellt mit Satellitendaten und mithilfe von  Luftbildern.   © DLR/ZKI

Macs sieht es. Seine Kameras liefern hoch aufgelöste Bilder. Solche, wie wir sie mit menschlichen Augen sehen. Und es gibt die Infrarot-Kameras, die die Wärme erkennen. "Bis auf einen Meter genau erkennen wir so, was am Boden los ist." Dort, wo sonst die Einsatzkräfte riskant nach Glutnestern suchen müssten, aber wegen der ständig unberechenbaren Gefahr nur schwer oder gar nicht hinkommen. Dorthin schauen die DLR-Forscher und fliegen schon wieder direkt über dem gesperrten Luftraum.

 Sie wählen eine Flugroute direkt über den Einsatzkräften, den Löschhubschraubern, aber noch unterhalb der Wolken. "Das ist wichtig, nur dann erkennen unsere Sensoren die Glut", sagt der Wissenschaftler.

Es wäre nicht Forschung, ginge da nicht noch mehr. Extrem genaue Lagesenoren und GPS liefern Geodaten. "Wir können damit Luftbilder sehr schnell zu Landkarten verarbeiten“, sagt Pless. Landkarten statt Fotos aus der Luft weisen dann den Einsatzkräften den Weg. Erstmals und eigentlich zufällig kommt dies nun bei einem Großbrand zum Einsatz.

Binnen Minuten sind die Bilddaten in Oberpfaffenhofen beim Zentrum für satellitengestützte Kriseninformation (ZKI). Dort enstehen aus Bildern und Daten geografisch exakte Karten für die Einsatzleitung, Feuerwehr, THW und das Bundesamt für Katastrophenschutz. Im ZKI werden die Satellitendaten aus dem All und Bilder vom zufällig einsatzbereiten Forschungsflugzeug zu Krisenkarten zusammengebracht. So ist dies noch nie bei einem Waldbrand dieser Art live geschehen.

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