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Überhöhte Messwerte an Deponie Grumbach

Im vorgereinigten Abwasser der Anlage fand man mehr chemische Stoffe als erlaubt. Auf der Deponie könnte bereits Giftmüll lagern.

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Von Stephan Klingbeil

Die Deponie in Grumbach soll in den kommenden drei Jahren stillgelegt werden. Der Zeitplan für die Schließung steht. Die Betreiber von der Amand Umwelttechnik GmbH, die dem Drängen der langjährigen Bürgerproteste gegen die Anlage Ende 2010 nachgegeben hatten, liegen im Soll. Neben dem Bau von Dämmen und Abdichtungen hat Amand aber trotz Schließungsplänen außerdem Teile seiner Abwasseranlage modernisiert.

Nach Informationen, die der SZ vorliegen, hat dies auch mit überhöhten Grenzwerten im Abwasser zu tun, die bei Proben des Wilsdruffer Abwasserzweckverbands (AZV) im Februar 2011 gemessen wurden. Die Überschreitungen wurden vom AZV an der Einleitstelle der Deponie an das öffentliche Kanalnetz festgestellt. Der AZV hatte die Werte der Landesdirektion Dresden gemeldet. Als Kontrollbehörde begleitet sie die Stilllegung der Deponie.

Konzentration 32-fach erhöht

Dort hat man auf Nachfrage der SZ die erhöhten Sulfidwerte bestätigt. Die Konzentration lag nach weiteren Informationen – je nach Messverfahren – zwischen dem 16- bis 32-Fachen des in der wasserrechtlichen Genehmigung des Landkreises beschränkten Wertes von einem Milligramm pro Liter.

Dabei sollen laut AZV auch Werte für Stickstoff, Nickel und Halogenverbindungen erhöht gewesen sein. Die Landesdirektion Dresden, teilte der SZ nun mit, dass „das Problem abgestellt“ sei. Proben, die der AZV routinemäßig im September nahm, würden weit geringere Werte als im Februar vorweisen. Jedoch sollen bei Stickstoff Grenzwerte erneut überschritten worden sein.

Andere Ursachen ausgeschlossen

Das Sickerwasser, das sich auf der Deponie seinen Weg durch allerlei Industrieabfälle bahnt, wird in einer Anlage auf dem Amand-Areal gereinigt. Es gelangt dann über das Abwassernetz nach Klipphausen. Dort wird es im AZV-Klärwerk erneut gefiltert. Von dort aus nimmt es seinen Weg in die Wilde Sau.

Vor der Kontrolle im Februar hatten sich Anwohner beklagt. Es habe nach faulen Eiern gestunken. Bevor der AZV aber bei Amand angeklopft habe, sollen Mitarbeiter des Zweckverbands alle anderen Ursachen für den Gestank ausgeschlossen haben.

Schon vor dem Aus für die Deponie hatte es Beschwerden über üble Gerüche gegeben. Laut Ulrich Klein von der Initiative „Keine Deponie am Tharandter Wald“ hätte es nach Ammoniak gerochen, da bestimmte Stäube, die nach Grumbach gekarrt wurden, vor der Einlagerung behandelt werden mussten. Dieses Verfahren sei aber nach Protesten nicht mehr angewandt worden.

Andere Abfälle, die nun ebenfalls auf der Deponie schlummern, wurden in Aufbereitungsanlagen wie der in Pohritzsch behandelt. Das Industrieabfalllager an der Tharandter Straße ist deshalb wie mehrere andere Deponien in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen in einen Giftmüll-Skandal verwickelt (SZ berichtete). Womöglich könnte deshalb auch der Zeitplan für die Stilllegung ins Wanken kommen.

„Das Ergebnis der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen bleibt abzuwarten“, sagt Sprecher Ingolf Ulrich von der Landesdirektion. „Erst wenn das Ergebnis vorliegt, können Aussagen zu möglichen Auswirkungen auf den Abschluss dieser Deponie getroffen werden.“

Straftaten verjähren bald

Seit Monaten ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts, dass die Firma S.D.R. Biotec in Pohritzsch Abfälle nicht wie genehmigt behandelt hat. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren, denn mögliche Straftaten verjähren bald. Ein Ende der Ermittlungen ist laut Oberstaatsanwalt Ricardo Schulz noch nicht in Sicht. Derzeit stehen noch Gutachten und Auskünfte von Sachverständigen aus. Gegen Deponie-Betreiber wie Amand werde momentan aber nicht ermittelt.

Die zwei Geschäftsführer der S.D.R. Biotec sollen verantwortlich dafür sein, dass die auch mit giftigen Schwermetallen belasteten Industrieabfälle falsch deklariert auf Deponien geschafft wurden. Im Umfeld der Pohritzscher Anlage hatten vor allem auf Druck von Anwohnern und Landtagsabgeordneten 2008 Kontrollen stattgefunden. Dort wurden Grenzwertüberschreitungen für Blei, Arsen, Cadmium, Nickel und Thallium in der Luft gemessen. Bei ersten Bodenanalysen stellte man 2009 klar überhöhte Werte bei Cadmium und Blei fest.

Giftmüll wohl falsch behandelt

Für beides hätten Proben des Landesumweltamts das 20-Fache des erlaubten Grenzwertes für Wohngebiete ergeben. Gelangen Schwermetalle etwa über Boden oder Wasser in den menschlichen Organismus, könnten Krankheiten die Folge sein. Denn Schwermetalle werden nicht abgebaut im Körper. Sie werden in Fettzellen angereichert.

Problematisch könnte der Giftmüll-Skandal für Amand werden, weil das Landratsamt Nordsachsen anzweifelt, dass das gesamte Material aus der Biotec-Anlage ordnungsgemäß behandelt und entsorgt wurde. Ferner sind als nicht gefährlich ausgewiesene Abfälle aus der Pohritzscher Anlage wohl unzulässigerweise „ohne oder ohne ausreichende Vorbehandlung“ verdünnt und somit „deponiefähig“ gemacht worden, vermutet man im Umweltministerium Sachsens.

Eingelagert werden dürften in Grumbach aber keine unbehandelten gefährlichen Abfälle. Selbst wenn die Basisabdichtung der Deponie laut Landesdirektion besser sei als „gesetzlich gefordert“. Laut Ministerium und Amand hätten Kontrollen bisher keine Hinweise geliefert, dass falsch ausgewiesener Giftmüll auf der Deponie lagert.